Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Bühne eifert mit 3-D-Brille Kinos nach

Die Höhepunkte des Theaterjahrs 2013 Bühne eifert mit 3-D-Brille Kinos nach

Das Theater- und Opernjahr 2013 steht im Zeichen zahlreicher Jubiläen: Georg Büchner, Richard Wagner und Giuseppe Verdi gilt es angemessen zu feiern.

Voriger Artikel
73-jährige Schönstädterin verschwunden
Nächster Artikel
Ein „Schlussmacher“ in Nöten

Das Deutsche Theater Berlin kooperiert für „Das Himbeerreich“ mit dem Schauspiel Stuttgart. Karin Beier (kleines Foto) wechselt von Köln nach Hamburg und wird dort Intendantin an Deutschlands größter Sprechbühne.Fotos: Jörg Carstensen / Arno Declair

Quelle: ss

Berlin. Wenn einem Regisseur nichts Besseres einfällt, als ein Video auf die Bühnenrückwand zu projizieren, heißt es oft: Das Theater hechelt dem Kino hinterher. Die Volksbühne Berlin geht jetzt noch einen Schritt weiter und kündigt an, beim Stück „Fucking Liberty!“ (Uraufführung am 17. Januar) 3-D-Brillen auszugeben. Der aus zahlreichen Fassbinder-Filmen bekannte Schauspieler Ulli Lommel spürt in seiner ersten Theaterregiearbeit dem Mythos Amerika nach. Wie in der Mischung aus Kasperle-Theater und „Planet der Affen“-Remake die 3-D-Brillen zum Einsatz kommen werden, bleibt vorab ein Geheimnis.

Eine weitere Uraufführung, die große Wellen schlägt, ist „Das Himbeerreich“, eine Koproduktion des Schauspiels Stuttgart (11. Januar) und des Deutschen Theaters Berlin (16. Januar). Der mit seinem RAF-Spielfilm „Wer wenn nicht wir“ und Dokumentarfilmen wie „Black Box BRD“ bekannt gewordene Regisseur Andreas Veiel befragte für diese Dokumentar-Theaterarbeit Investmentbanker zu den geheimen Mechanismen der Macht.

Neue Stücke gibt es von Elfriede Jelinek („Schatten. Eurydike sagt“, Akademietheater Wien, 17. Januar), Sybille Berg („Angst reist mit“, Stuttgart, 23. März) und Oliver Kluck: Seine Arbeit für das Frankfurter Schauspiel trägt den schlichten Arbeitstitel „Ein neuer Text“.

Zwei Adaptionen bekannter Stoffe klingen besonders vielversprechend: Volker Lösch verbindet an der Schaubühne Berlin (25. Januar) Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“ mit den Abhördokumenten deutscher Kriegsgefangener nach dem Zweiten Weltkrieg. Skandal-Autorin Helene Hegemann („Axolotl Roadkill“) will als Regisseurin im Herbst an der Oper Köln Frank Wedekinds Stück „Musik“ neu deuten.

Freie Szene und große Häuser nähern sich an

Freie Szene und große Häuser nähern sich auch im Jahr 2013 immer mehr an. Dieser Trend lässt sich daran ablesen, dass der von Off-Festivals bekannte Theatermacher Romeo Castellucci in der Schaubühne Berlin „Hyperion. Briefe eines Terroristen“ (März) inszeniert. Es ist die erste Arbeit des Italieners mit einem deutschen Ensemble.

Bei Fabian Hinrichs’ Produktion „Bezahl für dein Vergnügen“ kooperiert das freie Berliner Theaterkombinat Hebbel am Ufer mit dem Schauspielhaus Hamburg. In der Hansestadt wird mit Spannung die neue Intendantin Karin Beier erwartet, die das Schauspiel Köln zum Theater des Jahres machte.

Ehe sie im Sommer gen Norden zieht, verabschiedet sie sich in Köln mit Euripides’ „Die Troerinnen“ (11. Januar). Beiers Nachfolger wird der Schweizer Stefan Bachmann, in Düsseldorf ist man nach dem Burnout-Aus von Intendant Staffan Valdemar noch auf der Suche.

Armin Petras, der im Sommer nach Stuttgart wechselt, verabschiedet sich ausgiebig vom Berliner Maxim-Gorki-Theater.

Er inszeniert in Kooperation mit dem Staatsschauspiel Dresden Brechts „Leben des Galilei“ (25. Mai), zuvor kommt sein eigenes Stück „Gladow-Bande“ in der Regie von Jan Bosse zur Uraufführung (15. März). Am 17. Juni folgt ein großes Abschlussspektakel, danach übernimmt Shermin Langhoff die Regie, die bislang das Ballhaus Naunynstraße leitete. Intendant Hasko Weber zieht von Stuttgart weiter nach Weimar.

Das Theaterjahr steht im Zeichen zahlreicher Jubiläen, Georg Büchner, der am 20. Oktober vor 200 Jahren geboren wurde, wird 2013 unter anderem am Münchner Residenztheater gespielt: Calixto Bieito inszeniert „Leonce und Lena“. Das Stadttheater Gießen widmet ihm im Sommer ein Festival.

Das Musiktheater wird ebenfalls von zwei 200. Geburtstagen geprägt: Richard Wagner und Giuseppe Verdi. Die Salzburger Festspiele zeigen vom 19. Juli bis 1. September unter anderem „Don Carlo“ sowie die „Meistersänger von Nürnberg“ und wagen mit „Falstaff“ ein kammermusikalisches Experiment. Im Zentrum der Bayreuther Festspiele (25. Juli bis 28. August) steht Castorfs Ring-Inszenierung.

Mit Spannung erwartet wird auch die Neuinszenierung der traditionellen „Jedermann“-Eröffnung: Peter Lohmeyer spielt den Tod, Birgitte Hobmeier die Buhlschaft unter der Regie des britisch-amerikanischen Duos Julian Crouch und Brian Mertes. Letzterer drehte zuletzt Fernsehserien wie „Law and Order“ - das lässt eine moderne Interpretation des altbekannten Stoffes vom Leben und Sterben des reichen Mannes erwarten.

Der französische Regisseur Nicolas Liautard, der im letzten Jahr mit „Meine Bienen. Eine Schneise“ für Aufmerksamkeit in Salzburg sorgte, bringt diesmal seine Version von „Schneewittchen“ mit.

Versprochen wird eine unheimliche, wortlose Bildwelt. Wie die wohl mit 3-D-Brille aussehen würde?

Landestheater startet am Freitag ins Jahr

Das Hessische Landestheater startet eher beschaulich ins Jahr: Am kommenden Freitag hat um 19.30 Uhr in der Black-Box im Theater am Schwanhof „Wie spät ist es? - und wenn ja, wie oft“ von Martin Maecker und Annelie Mattheis Premiere. Dafür geht es im Februar und März Schlag auf Schlag: Am 2. Februar hat Tennessee Williams‘ großes Drama „Endstation Sehnsucht“ Premiere, am 16. Februar folgt das Doppel aus Brechts „Fatzer“ und Heiner Müllers „Der Auftrag“ und ab dem 2. März soll sich die Stadthalle mit dem Musical „The Blues Brothers“ in einen Rocktempel verwandeln. Höhepunkt ist im Sommer das Open-Air-Spektakel „Viel Lärm um nichts“.

von Nina May

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg