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Marburg Brillant, anmutig und betörend
Marburg Brillant, anmutig und betörend
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18:07 20.05.2012
Buchenau

Die Musiker aus dem württembergischen Pforzheim zählen zu den Stammgästen der Eckelshausener Musiktage - aus gutem Grund, wie sie am Samstag vor 250 Zuhörern im Atrium der Buchenauer Roth-Werke bewiesen. Wie bei ihrem Gastspiel vor drei Jahren stand Achim Fiedler am Pult. Mit außerordentlich präziser Zeichengebung in Verbindung mit einer so feinsinnigen wie feurigen Körpersprache bewegte er das 22-köpfige Eliteorchester zu wahrhaft „königlichem Glanz“, den die Veranstalter für das Eröffnungskonzert versprochen hatten.

Die 26. Auflage des internationalen Kammermusikfestivals an der oberen Lahn steht unter dem Motto „Königsmusik“. Der künstlerische Leiter der Musiktage Julius Berger hat dazu ein Programm zusammengestellt, das aufzeigt, wie bedeutend Könige und Adel durch ihr gewiss auch eigennütziges Mäzenatentum für die Entstehung unsterblicher Meisterwerke der Musik waren.

Und manchmal haben Köni­ge auch selbst komponiert - wie Friedrich der Große. Der vor 300 Jahren geborene Herrscher über die Preußen hat allerdings an eine Veröffentlichung seiner Werke nie gedacht. Seine im Jahr 1747 uraufgeführte D-Dur-Sinfonie aus der Serenade „Il re pastore“ allerdings ist ein prachtvolles Eröffnungsstück, wie das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim bewies: brillant im Kopfsatz, anmutig im Tanz-Finale und betörend in der idyllischen Pastorale für zwei Flöten und unisono spielende Violinen.

Mit Verve und einem wundervoll „sprechenden“ Oboensolo widmeten sich die Musiker der C-Dur-Sinfonie von Wolfgang Amadeus Mozart. Esther Hilsberg, die kurzfristig eingesprungen war, gestaltete die Arie „L‘amerò, sarò costante“ mit feinen lyrischen Farben, unterstützt vom süßen Ton der Solovioline, in deren Part sich Mozarts Violinkonzerte ankündigen. Mühelos bewältigte die Sopranistin auch die Anforderungen der Verzweiflungsarie „Barbaro, oh Dio“ aus derselben Oper und fand zu ergreifendem Schmerzenston in Cleopatras „Se pietà di me non senti“ aus Georg Friedrich Händels Oper „Giulio Cesare in Egitto“.

Als sinfonisches Hauptwerk musizierte das Kammerorchester Joseph Haydns Sinfonie Nr. 85. Weil sie ein Lieblingswerk der französischen Königin Marie-Antoinette war, erhielt sie den Beinamen „La Reine de France“. Der mitreißende Schwung in den Ecksätzen begeisterte das Publikum genauso wie der schlichte Volkston in dem Variationensatz und das kraftvoll dreinfahrende Menuett. Tänzerisch auch die Zugabe: eine selten zu hörende Mozart-Gavotte.

von Michael Arndt