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Marburg Bongers lässt die Puppen tanzen
Marburg Bongers lässt die Puppen tanzen
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16:46 09.11.2014
Kabarettistin Andrea Bongers haucht ihren Puppen Leben ein – egal, ob es das Schaf ist, das für ihre animalische Seite steht, oder die Schlange als Sexualtherapeutin. Quelle: Heike Döhn
Marburg

Im Marburger Kabarettherbst servierte die erfahrene Bühnenkünstlerin ihr Programm „Bis in die Puppen“, musikalisch begleitet von Christopher Noodt am Klavier. Zupackend und schlagfertig führte sie ihr Publikum durch die Niederungen von Kindererziehung und Trennungsschmerz - Trennung vom Sprößling, wohlgemerkt -, streifte den ganz normalen Wahnsinn in Patchworkfamilien und mit Teenagern gesegneten Haushalten, um sich dann als verlassene Single-Mutter über 50 mit aller Gewalt der Leere entgegenzustemmen und sich nicht mit einem Hund einen neuen Lebensinhalt zu geben -„nach dem Motto, das letzte Kind trägt Fell“.

Die Sehnsucht nach einer Zukunft, die mehr zu bieten hat als ein barrierefreies Badezimmer, schildert Bongers treffend, respektlos und doch mit einer Tiefe und auch Schärfe, die über lockeren Klamauk hinausgeht. Man amüsiert sich über die Mutter, die von der Hoffnung lebt, dass der Sohn doch noch einmal die Wäsche vorbeibringt und die ihn mit ihrem Auftauchen auf allen Studentenpartys bloßstellt. Aber Bongers lässt die Verletzlichkeit ihrer Figuren durchschimmern, auch wenn sie mit dem nächsten markigen Spruch wieder für Gelächter sorgt.

Zur Seite stehen der Kabarettistin nicht nur ihr kongenialer Musiker, der auch schon mal ein bitterböses Muttertagsgedicht aufsagen darf, sondern auch ihre Puppen. Ohne Bauchrednerin zu sein, haucht Bongers ihnen so intensiv Leben ein, dass sie mit ihrer Persönlichkeit raumfüllend wirken - egal, ob es das Schaf ist, das für Bongers‘ animalische Seite steht („früher war ich ein Panther, bald bin ich wohl nur noch eine Kakerlake“), oder die Schlange, die als Sexualtherapeutin seufzt: „Mir war nie klar, warum die Sklaverei verboten ist und die Ehe erlaubt.“

Auch musikalisch hat Andrea Bongers es drauf. Die Kabarettistin hat nicht nur Herz und Schnauze, sondern ist auch gut bei Stimme. Und zusammen mit Noodt widmet sie bekannte Melodien gekonnt um.

Im ersten Teil des Abends beißt sich Bongers gelegentlich zu lange an Themen fest, die schon ein wenig ausgelutscht sind - die Eltern, die erwarten, dass ihre Kinder ihre unverwirklichten Träume verwirklichen, die frustrierte Mutter. Da gibt es ein paar Längen, da gibt es ein paar Hänger. Doch je länger der Abend dauert, desto mehr Fahrt nimmt das Programm auf. Und nach der Pause lassen Bongers, Nooth und die Puppenparade das Publikum gar nicht mehr zu Atem kommen.

Am Schluss konnte man mit dem ermutigenden Gefühl nach Hause gehen, dass das Altern, der Trennungsfrust und erotische Flauten gut zu ertragen sind, wenn man so eine rotzige, selbstbewusste und zugleich sensible Power hat wie Andrea Bongers.

von Heike Döhn

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