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Marburg Böllerverbot in der Oberstadt
Marburg Böllerverbot in der Oberstadt
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00:17 31.12.2018
Böller verboten – aber Wunderkerzen erlaubt: Silvesterstimmung am Lutherischen Pfarrhof in der Marburger Oberstadt zum Jahreswechsel 2017/2018.  Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Die Stadt Marburg beruft sich bei ihrem Verbot auf das bundesweit geltende Sprengstoffgesetz. Es verbietet seit 2009, Raketen und Böller in unmittelbarer Nähe von Krankenhäusern, Kirchen, Kinder- und Altenheimen sowie Fachwerkhäusern zu zünden – ein Mindestabstand von acht Metern muss eingehalten werden. Damit ist die gesamte Oberstadt betroffen, und es gibt das Böller­verbot.

Das Zünden aller Arten von Feuerwerkskörpern, also Raketen und Böllern, ist damit untersagt. Wer dagegen verstößt, muss je nach Einzelfall mit einer Geldbuße von fünf Euro bis 50.000 Euro rechnen, teilt die Stadtverwaltung wie in den vergangenen Jahren mit.

Mit Schildern an den Zugängen zur Oberstadt wird noch einmal auf dieses Verbot hingewiesen, erklärt die Stadtverwaltung. Polizei und Ordnungspolizei werden in der Silvesternacht wieder Kontrollen durchführen, heißt es weiter von der Stadtverwaltung.

Zufahrt zum Schloss ab 21 Uhr gesperrt

In den vergangenen ­Jahren hat sich das Böllerverbot in der Oberstadt aber nicht vollständig durchsetzen lassen. Immer wieder sind in den vergangenen Jahren in der Neujahrsnacht
Silvesterraketen gezündet worden.

Die Zufahrt zum Schloss wird an der Einmündung Rotenberg/Sybelstraße am Silvesterabend, 31. Dezember 2018, ab 21 Uhr bis 1. Januar 2019, voraussichtlich 1 Uhr, aus Gründen der Sicherheit für den gesamten Fahrverkehr gesperrt, teilte die Stadtverwaltung mit.

Die Mehrheit der Bundesbürger wünscht sich einer Umfrage zufolge Feuerwerksverbote in deutschen Innenstädten. Fast 60 Prozent von mehr als 5 000 Befragten sprachen sich für einen solchen Böller-Bann aus, wie das Online-Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag der Online-Portale der Funke-Mediengruppe herausfand. Auf die Frage „Sollte das Zünden von Feuerwerk Ihrer Meinung nach an Silvester in deutschen Innenstädten verboten werden?“ antworteten demnach 41 Prozent mit „Ja, auf jeden Fall“. Weitere 18,6 Prozent sagten dazu „eher ja“. Unter Frauen stoßen solche Verbote der Um­frage zufolge auf etwas größere Zustimmung als unter Männern. Ganz entschieden oder „eher“ gegen solche Verbote sind den Civey-Angaben zufolge weniger als ein Drittel der Befragten.

Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und Ärzte müssen in der Silvesternacht bundesweit tausende Male ausrücken. Unkontrollierte Böller sorgen immer wieder für leichte bis ­schwere Verletzungen und Brände. In der vergangenen Jahren wurden Rettungskräfte vermehrt auch Opfer von Angriffen.

Der leitende Oberarzt einer Berliner Notaufnahme, ­Tobias Lindner, hat sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur für ein Feuerwerksverbot für die breite Öffentlichkeit ausgesprochen. „Man sollte sich auf schöne Feuerwerke konzentrieren, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, so dass man das gemeinsame Erlebnis hat.“ Der „Straßenkampf“ aber solle unterbunden werden, sagte Lindner.

Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) ­hatte kürzlich die zunehmenden ­Verbote von Silvesterfeuer­werken in großen Städten kritisiert.

Der Landkreis weist unterdessen darauf hin, dass das Führen von Schreckschusspistolen den gut 2.300 Besitzerinnen und Besitzern des so genannten Kleinen Waffenscheins zwar erlaubt ist, das Abfeuern zu Silvester aber nur auf dem eigenen Grundstück oder auf einem anderen Privatgrundstück, dann mit dem Einverständnis des Inhabers des Hausrechts, erlaubt ist. „In der Öffentlichkeit darf außerhalb einer Notwehrsituation auch der Inhaber eines Kleinen Waffenscheins nicht schießen“, erinnert Sascha Hörmann von der Pressestelle des Landkreises.

von Till Conrad und unseren Agenturen