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Marburg Bissige Späße und toller Gesang
Marburg Bissige Späße und toller Gesang
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19:03 09.09.2013
Frech und sehr unterhaltsam: Martina Brandl eröffnet im KFZ den Marburger Kabarettherbst mit ihrer Show „Jedes zehnte Getränk gratis“. Foto: Manfred Schubert Quelle: Manfred Schubert
Marburg

Manchmal war es schon recht bösärtig, was Martina Brandl am Freitagabend da locker-flockig auf der Bühne in ihrem Programm „Jedes zehnte Getränk gratis – Ein Selbstversuch“ servierte. Aber da sie meist sich selbst zur Zielscheibe machte, fiel es den etwa 50 Zuschauern im Kulturladen KFZ leicht, darüber zu lachen.

Das fing schon damit an, dass sie im hautengen Kleid auf die Bühne stieg. Selbstbewusst präsentierte sie sich in ihrem neuen „Presswurst-Outfit“. „Weight Watchers“ habe bei ihr gut funktioniert, zwölf Kilo habe sie damit abgenommen – in acht Jahren, schiebt sie nach. Das sei eine interessante Erfahrung gewesen, ein Bauchnabel-Piercing sei wieder aufgetaucht. Das habe sie herausgenommen, über 40 und Bauchnabel-Piercing sei ja wie Jopie Heesters mit Zahnspange.

Dann ließ die Kabarettistin Licht im Saal anmachen um, nicht zum letzten Mal an diesem Abend, mit den Zuschauern in direkten Kontakt zu treten. „Wer ist nur gekommen, weil er genau heute Abend einen Babysitter bekam?“, fragte sie und erspähte sofort eine Frau, die ihre Nachbarin anstupste. Und sie bat die Mutter der 14-jährigen Lea, ihrer Tochter an den ganz derben Stellen doch die Ohren zuzuhalten.

Grundsätzlich denke sie sich nichts aus, da sie faul sei. Auch den „merkwürdigen“ Titel ihres Programms habe sie von einem Zettel in einer Kneipe ihrer Heimatstadt Geislingen. In Geislingen könne man richtig gut alt werden. „Die Infrastruktur ist da, alles ist zugeschissen mit Nordic-Walking-Wegen“, berichtete Brandl, auch wenn sie im Alter lieber „Nordic Talking“ machen wolle: „Ich setz mich mit dem Stock vors betreute Wohnen und zeige mit dem Stock auf die, die ins Pflegeheim müssen. Du, du und du, viel Spaß im Hotel Inkontinental.“ Nach Geislingen ist sie nach 20 Jahren in Berlin zurückgekehrt, die Beobachtungen dort und im ländlichen Umfeld bilden die Grundlage für Brandls treffsichere Bemerkungen über Alter, Eitelkeiten, Fernsehsendungen und Gesellschaftstrends, die sie auch singend hervorragend umzusetzen vermag. Eigentlich habe sie ja Ruhe gesucht, warum es damit nichts geworden sei, beschrieb sie im zum Schreien komischen Song über ihre anthroposophischen Nachbarn.

Die Lieder mit den schrägen Texten waren die Höhepunkte des fast zweieinhalbstündigen Auftritts. Tiefsinnige Betrachtungen über den Alkoholkonsum der Deutschen, dessen übermäßiger Genuss (also nicht das Trinken) laut Hausordnung der Deutschen Bahn verboten sei. Gekonnt wechselte sie zwischen verschiedensten Dialekten, Imitationen von Prominenter wie Angela Merkel, Parodien wie die deutsche Version „Nikolausi“ nach dem von Marilyn Monroe gesungenen „Santa Baby“ oder einem witzig-ironischer Rap.

Man kam aus dem Lachen kaum heraus, am Ende erklatschten sich die Zuschauer zwei Zugaben. „Schenkt mir nie mehr Auberginen“, forderte Brandl zur Melodie von „Don‘t cry for me, Argentina“ zum Abschluss, bevor sie sich in Oscar-Gewinner-Manier überschwänglich bedankte.

von Manfred Schubert

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