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Bezaubernd zart wie „liebe Engelein“

Elisabethkirche Bezaubernd zart wie „liebe Engelein“

Mit innerer Überzeugung und frischer Musizierfreude stimmten die beiden Chöre, vier Vokalsolisten und das Barockensemble Solamente Naturali am Samstag 600 Besucher in der Elisabethkirche auf die Geburt Christi ein.

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Der Chorklang der Kantorei der Elisabethkirche überzeugte. Die Sängerinnen und Sänger gaben mit Freude ihr Bestes, um das Konzert zu einem Erfolg werden zu lassen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Für viele Menschen ist Bachs „Weihnachts-Oratorium“ die ideale Einstimmung auf das Fest. Die drei Konzerte in der hiesigen Elisabethkirche am Samstag mit den ersten drei Kantaten und am Sonntag mit dem kompletten Werk in zwei Blöcken hörten insgesamt 1.600 Besucher.

Das Fazit des Samstag-Konzerts vorweg: Aus der Kombination von Marburger Kinderchor und Kantorei der Elisabethkirche kann unter der Führung und Förderung von Nils Kuppe ein großer Chor werden. Zwar waren es zahlenmäßig am Samstag nur rund 90 Sängerinnen und Sängern, aber die Qualität des Chorklanges wurde dadurch keineswegs geschmälert.

Das war zum einen in den großen Chören an Volkes statt zum Auftakt und Abschluss zu hören. Mit Freude und Kraft das „Jauchzet, frohlocket“, mit strukturierter Klarheit und Durchhörbarkeit das fugierte „Lasset das Zagen“ oder „Ehre sei Gott“ in stimmigen dynamischen Abstufungen.

Selbst den Schlusschor „Herrscher des Himmels“ nach knapp 90 Minuten sangen der Marburger Kinderchor und die Kantorei der Elisabethkirche noch in unverbrauchter Frische und mit hoher Textverständlichkeit.
Zum anderen in den Chorälen. Sie hatten das richtige Zeitmaß: Zügig, aber nicht gehetzt; immer innig und graziös, mitfühlend und beseelt.

Hier war der Chorklang himmlisch ausgewogen und transparent, leicht und schwebend. Der Marburger Kinderchor steuerte jugendlichen Stimmenglanz bei: bezaubernd zart wie „liebe Engelein“.

Die punktuellen Schwächen der Kantorei lassen sich minimieren: Hier dominierte mal der Sopran, dort waren mal seine Einsätze zu hart; der Alt wirkte nicht immer wendig und der Tenor etwas angestrengt; der Bass übte sich in Schüchternheit. Die manchmal überschäumende Freude der Kinder am Singen darf noch geschickter eingebunden werden.

Die vier Vokalsolisten sangen auf hohem Niveau. Erfreulich, dass Nils Kuppe mit Alexander Schneider einen Altus, also einen Countertenor, verpflichten konnte. Melodiös-zärtlich gestaltete er die Arie „Bereit dich, Zion“. Er sang mit Herzlichkeit und Innigkeit das erste der beiden Wiegenlieder. Damit verzieh man ihm kraft- und glanzlose Passagen.

Peter Ling überzeugte mit kraftvollem Bass, mit tonaler und rhythmischer Sicherheit. Henrike Nonnenmann begeisterte mit jugendlich-frischem Sopran. Beim Tenor Jörg Nitschke klangen die Höhen leicht angestrengt, mittige und tiefe Lagen waren hell und klar. Erneut begleitete das Barockensemble Solamente Naturali auf historischen Instrumenten die Kantorei der Elisabethkirche.

Wieder begeisternd mit herrlich warmem und differenziertem Orchesterklang, mit glanzvollen Blechbläsern und Holzbläsern voller Wärme im Ton. Nur das eine Cello war stellenweise zu kräftig.Solamente Naturali spielte mit Seele im Ton sowie mit Leidenschaft für Form und Struktur. Feinfühlig und mit Schmelz begleitete die Solovioline sowie in tonaler und rhythmischer Wendigkeit die Traversflöte.

Nils Kuppe dirigierte fließend, federnd, eng, mit unauffälligen Korrekturen, mit schwingenden Hand- und Armbewegungen. Er vermittelte seine Leidenschaft am Musizieren und seine Freude an diesem Werk dem Marburger Kinderchor, der Kantorei der Elisabethkirche, den Instrumentalisten und Vokalsolisten, die sich von ihm anstecken ließen. Dabei ließ er ihnen größtmöglichen Gestaltungsfreiraum.

Mit lustvollem Musizieren transferierte er Glauben, Demut, göttliche Liebe und freudige Botschaft als spirituelle Einheit. Für dieses Erlebnis bedankte sich das Publikum fünf Minuten lang mit stürmischem Applaus und einigen Bravo-Rufen.

von Helmut Rottmann

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