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„Bewahrer des Wahren und Schönen“

Auszeichnung für Martin Mosebach „Bewahrer des Wahren und Schönen“

Die Neue Literarische Gesellschaft hat 2012 wieder einen Literaturpreis ins Leben gerufen. Der Frankfurter Martin Mosebach ist der inzwischen dritte Preisträger. Am Sonntag wurde er im Café Vetter geehrt.

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Martin Mosebach las anlässlich seiner Auszeichnung aus seinem Roman „Mogador“.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. Für gewöhnlich werden die Empfänger von Literaturpreisen durch überschaubare Kommissionen und hinter verschlossenen Türen ausgewählt, sodass die Leserinnen und Leser an der Entscheidung eher wenig Anteil haben. Wer aber den Preis der Neuen Literarischen Gesellschaft (NLG) aus Marburg erhalten möchte, der muss die Mehrheit an Mitgliedern des Vereins von sich überzeugen, denn dort wird über die Vergabe basisdemokratisch entschieden.

„Aus diesem Grund müssen sich potenzielle Kandidaten auch schon im Club vorgestellt haben, was bei unserem heutigen Ausgezeichneten Martin Mosebach bereits durch zwei seiner Romane geschehen ist. Mosebach ist damit nicht nur bei uns eine bekannte Größe, sondern als Träger des berühmten Georg-Büchner-Preises einer der großen Schriftsteller unserer Zeit. Seine Gesellschaftsromane mit besonderem Stil haben dabei oft etwas mit seiner Heimat Frankfurt zu tun, mit der ihn eine innige Hassliebe verbindet, wenn er schreibt, dass die Metropole am Main eine verdorbene und hässliche Stadt und doch von innerer Schönheit erfüllt ist,“ bemerkte der NLG-Vorsitzende Ludwig Legge in seiner Eröffnungsrede.

Als Ort für diese dritte Verleihung wurde natürlich wieder das Café Vetter gewählt, seit mehr als 40 Jahren „Stammhaus“ des Vereins. Dessen Tische waren am Sonntagmorgen fast vollständig besetzt.

„Er lebt die Literatur mit aller Konsequenz“

Das Preisgeld in Höhe von 3000 Euro setzt sich paritätisch aus Spenden der Marburger Literaturfreunde und Sponsoren des Vereins sowie der Universitätsstadt Marburg zusammen. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) bemerkte dazu in seiner Ansprache: „Es passt zu unserer weltoffenen und politisch engagierten Stadt, dass dieser Preis demokratisch verliehen wird und sich mit Galsan Tschinag aus der Mongolei und Prinz Dr. Asfa Wossen Asserate aus Äthiopien auch Preisträger aus der ganzen Welt hier eingefunden haben.“

Dr. Asserate hielt schließlich auch die Laudatio für seinen Freund Mosebach. „Martin lebt die Literatur mit aller Konsequenz und das seit Jahrzehnten, was ihn zu einem der besten Autoren geformt hat, der eine Satzbaukunst mit formvollendetem Stil beherrscht. Nachdem er erst nach seinem 30. Lebensjahr feststellte, dass er als Jurist völlig untauglich ist, darf man ihn als literarischen Spätentwickler bezeichnen. Heute ist er ein Konservativer im besten Wortsinne, ein Bewahrer des Wahren, Guten und Schönen.“

Nach der Verleihung bemerkte Mosebach selbst: „Natürlich möchte ich mich bei allen bedanken, die sich dafür eingesetzt haben. Als Schriftsteller hat man ja keine Vorstellung über diejenigen, welche den Text einmal lesen werden. Das ist also so, wie mit einer Flaschenpost. Dementsprechend ist es etwas Besonderes, wenn man auf interessierte Literaturkenner trifft, welche die eigene Arbeit so zu schätzen wissen.“

Zum Abschluss der Preisverleihung las der frischgebackene Preisträger aus seinem 2016 erschienenen Roman „Mogador“, welcher von einem jungen, erfolgreichen Bankier handelt, der ein Verbrechen seines Arbeitgebers ignoriert und später deshalb selbst vor den Justizbehörden nach Marokko flieht. Dort hofft er auf Hilfe eines mächtigen Finanziers. Aber Patrick Elff, so der Name des Bankangestellten, muss auch dort untertauchen.

von Marcus Hergenhan

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