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Marburg Bewaffneter Täter: „Überfall! Geld her, schnell!“
Marburg Bewaffneter Täter: „Überfall! Geld her, schnell!“
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00:17 14.02.2019
Symbolfoto: Die Verhandlung wir am Montag ab 9 Uhr im Landgericht fortgesetzt.  Quelle: Volker Hartmann
Marburg

Anfang 2018 hielt eine Überfallserie die Marburger Kriminalpolizei auf Trab. Der Täter schlug in fast allen Himmelsrichtungen um Marburg herum sowie in der Kernstadt zu. In Kirchhain, Gladenbach, Hungen und Staufenberg trieb er sein Unwesen und erbeutete insgesamt 6.769,66 Euro.
Für die Taten, die zwischen Januar und März 2018 verübt wurden, muss sich ein 27-jähriger Mann verantworten, der jedoch nicht alleine gehandelt, sondern eine Komplizin gehabt haben soll. Die 44-jährige Frau soll unter anderem einige Objekte der Begierde ausgekundschaftet und die Informationen an den Angeklagten weitergegeben haben.
Beide Angeklagten machten weder Einlassungen noch Angaben zu persönlichen Verhältnissen, was laut den Verteidigern Sascha Marks und Stefan Adler möglicherweise an einem späteren Verhandlungstag geschehen könnte. Den Vorsitz der Großen Strafkammer – drei Richter und zwei Schöffen – hat Richter Dr. Marco Herzog.
Die Beschuldigten haben laut eigenen Aussagen seit längerem keinen Kontakt mehr zueinander. Seit seiner Verhaftung im März 2018 befindet sich der ­Angeklagte in der Justizvollzugsanstalt Gießen.
Bei den vorgeworfenen Taten soll er stets nach dem gleichen Muster vorgegangen sein: Er betrat den Tatort, zog eine Pistole oder eine Scheinwaffe, hielt diese den Verkäufern vor und forderte Bargeld, das er anschließend in eine mitgeführte Tüte oder Tasche stopfte und flüchtete. 

Tankstellen-Angestellte: Angeklagter wirkte nervös 

Mit Aufforderungen wie „Überfall! Geld her, schnell!“ oder „Kohle, Kohle! Pack alles ein!“ verlieh er seinem Begehren Nachdruck.
So angeblich auch am 25. ­Januar 2018, als eine Tankstelle in Staufenberg ausgeraubt wurde. Die beiden Angeklagten verbrachten laut Janina Pristl, Vertreterin der Anklage, den Abend des Tattages miteinander, bevor sie sich im Auto der 44-Jährigen auf den Weg machten. In Staufenberg angekommen, soll der 27-Jährige zur Tat geschritten sein. Ergebnis des Raubzuges waren 731,06 Euro.
Das Überwachungsvideo der Tankstelle – vom Zuschauerraum nicht einsehbar – führten sich die Prozessbeteiligten zu Gemüte. Ob der Angeklagte die Gestalt auf dem Band war, konnte die Tankstellenangestellte nicht bestätigen. „Er hatte eine schwarze Kapuze auf und etwas vor seinen Mund gezogen“, erklärte sie. Der Körperbau sei allerdings ähnlich – mittelgroß und recht schmal. „Ich mache seitdem keine Nachtschicht mehr alleine“, sagte die Frau. Sie beschrieb den Angeklagten als nervös: „Er ist von ­einem Bein aufs andere getreten. Es ging ihm alles nicht schnell genug.“

Polizist:"Sowas sieht man nur in Actionfilmen"

Kurzerhand ließ er die gesamte Kassenlade, der er sich auf der Flucht entledigte, mitgehen. Diese wurde im Zuge der Ermittlungen von einem Kriminaloberkommissar gefunden, der das Überwachungsvideo ebenfalls sichtete und ­eine Einschätzung zur Waffenhaltung des Angeklagten abgab. Dieser hielt die Pistole seitlich. „Niemand, der den Umgang mit Waffen geübt ist, hält eine Pistole so. So was sieht man nur in Actionfilmen oder Rap-Videos“, meinte der Polizist.