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Marburg Bewährung für psychisch kranken Täter
Marburg Bewährung für psychisch kranken Täter
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00:17 31.01.2019
(Symbolfoto) Eine Zeugin sagte, sie sei mit der Faust ins Gesicht geschlagen worden. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Der psychisch kranke Mann hatte Ende 2015 seine Medikamente abgesetzt und in der Folge eine schwere Entgleisung seiner Erkrankung erlebt. In diesem psychotischen Zustand war er fünf Frauen und einem Mann gegenüber handgreiflich geworden. Nun stand er wegen Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung im Zustand der Schuldunfähigkeit vor dem Landgericht. Dieses setzte die zu beurteilende Einweisung in die forensische Psychiatrie zur Bewährung aus.

Am letzten Verhandlungstag trug der psychiatrische Sachverständige Dr. Wolf Speier sein Gutachten vor. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob eine Bewährungsstrafe für den 64 Jahre alten Mann möglich wäre. Speier sprach sich nach sehr detaillierten Ausführungen zum Krankheitsbild und -verlauf des Mannes für eine Aussetzung nach Paragraf 67b des Strafgesetzbuchs aus.

Der Angeklagte profitiert dabei von der enormen Verzögerung des Prozesses. In den vergangenen knapp drei Jahren stabilisierte sich seine Lebenssituation enorm: Nachdem seine Medikation in Folge der Taten geändert worden war, klang die Psychose des gelernten KFZ-Schlossers ab. Abseits der Psychosen sei er „gutmütig und alles andere als aggressiv“, beschrieb der Sachverständige den Angeklagten.

Ganz im Gegensatz dazu stehen die Taten des gebürtigen Lambertheimers sowie das Verhalten direkt nach der Tat. Am 15. Februar 2016 schlug er einem anderen Mann auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz ins Gesicht, nachdem dieser zu ihm „Nimm bitte deine Medikamente“ gesagt hatte. Am darauffolgenden Tag schlug er auf seinem Weg vom Rudolphsplatz in Richtung der Elisabethkirche ohne ersichtlichen Grund fünf Frauen.

Die erste Geschädigte sah bei dem Angeklagten zudem ein Messer, das später auch sichergestellt werden konnte. Der Begleiter des Opfers gab im Verfahren an, der Mann habe der jungen Frau das Messer ins Gesicht gehalten und sie mit dem Messergriff ins Gesicht geschlagen. Die 33-Jährige selbst hingegen sprach von einem Faustschlag.

Das Gericht sah es letztlich als erwiesen an, dass die Taten als sechs Körperverletzungen, in einem Fall in Tateinheit mit Beleidigung sowie Bedrohung, gewertet werden müssen. Eine Unterbringung des Mannes in einer psychiatrischen Anstalt stand somit als Strafmaß fest. Nur wegen der positiven Entwicklung bei dem 64-Jährigen konnte man die Strafe zur Bewährung aussetzen.

von Melchior Bonacker