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Marburg Bewährung für Brandstifterin
Marburg Bewährung für Brandstifterin
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00:18 01.12.2018
Symbolbild: Das Urteil vor Gericht fiel milde aus. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Dabei war ein ­geschätzter Schaden von etwa­ 1.000 Euro entstanden und mehrere Helfer hatten leichte­ ­Rauchgasvergiftungen erlitten.­ Die Staatsanwaltschaft warf der Angeklagten deswegen versuchte schwere Brandstiftung, schwere Körperverletzung und Sachbeschädigung vor. Die Vorwürfe erwiesen sich letztlich als nur teilweise gerechtfertigt.

Die junge Frau soll nun in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden – sofern die fünfjährige Bewährungszeit keine Wirkung zeigt. Das Urteil fiel erwartungsgemäß aus – sowohl der Staatsanwalt, als auch der Verteidiger hatten diese Vorgehensweise in ihren Schlussvorträgen empfohlen. Auch der zu Rate gezogene Sachverständige sprach sich für eine Bewährungsstrafe aus. Der renommierte Psychiater hatte die diagnostizierte paranoide Schizophrenie der Beschuldigten bestätigt und als Hintergrund für ihre Taten ausgemacht.

Suizidale Neigungen der Angeklagten

Zur Debatte stand letztlich, aus welchen Motiven – krankhaft oder nicht – die Taten verübt wurden: Die Angeklagte soll nach den Taten sowohl den Satz: „Lasst mich sterben“, als auch die Worte: „Ich fackel euch die Hütte ab“ geschrien haben. Letztere standen in dem Kontext, dass die junge Frau mit dem Aufenthalt auf der Station unzufrieden war. Der psychiatrische Sachverständige stellte­ eine sogenannte „wahnhafte Besetzung“ des Klinikpersonals fest, die der damaligen Patientin zu dieser Zeit als „Vertreter des Bösen“ erschienen seien.

Die suizidalen Neigungen der Angeklagten waren schon in ihrer Jugend zu Tage getreten, weshalb das Gericht letztlich davon ausging, dass diese auch bei den betreffenden Handlungen eine Rolle gespielt haben könnten.
Die Beschuldigte selbst bestritt nie, die Taten begangen zu haben und zeigte sich im gesamten Prozess sehr einsichtig und ruhig. Als der Sachverständige­ sein Gutachten vortrug, hörte­ sie gebannt zu und bestätigte die Diagnosen mit gelegentlichem Kopfnicken.

Ambulante Betreuung durch forensische Psychiatrie

Das milde Urteil bedeutet für sie nun, dass sie weiterhin in der Wohngruppe bleiben darf, in der sie seit Anfang des Jahres lebt. Zusätzlich wird ihr eine ambulante Betreuung durch die forensische Psychiatrie auferlegt, die für eine „doppelte Absicherung“ sorgen soll.

Zuvor war die 25-Jährige noch nie straffällig geworden. Die ­negative Legalprognose, die ihr bescheinigt wurde, ergibt sich daraus, dass man von Rechts wegen dabei stets vom unbehandelten Zustand ausgeht. In diesem sahen Richter und Staatsanwaltschaft eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Psychose erneut zu ähnlichen Taten führen könnte. Da die aktuelle Medikation jedoch gut zu wirken scheint, geht das Gericht davon aus, dass die Bewährungsstrafe absolut ausreicht.

von Melchior Bonacker