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Marburg „Es war eine dumme Idee“
Marburg „Es war eine dumme Idee“
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18:06 29.03.2018
Die Angeklagten mussten sich vor dem Amtsgericht Marburg verantworten. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Nachdem die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift verlesen hatte, räumten die zwei erwachsenen Angeklagten sofort alles ein. Der jugendliche Mitangeklagte war zur ­Verhandlung unentschuldigt nicht erschienen und muss jetzt damit rechnen, bei dem Folgetermin polizeilich vorgeführt zu werden.

Folgendes hatte sich zugetragen: Ein 29 Jahre alter Familienvater hatte zwei seiner Arbeitskollegen aus Geldnot, wie dieser sagt, einen Vorschlag unterbreitet, für dessen Einwilligung die beiden je 300 Euro erhalten sollten. Im Vorfeld hatte er bei einem amerikanischen Online-Versandhändler zwei Notebooks im Wert von je 269 Euro erstanden.

Im Februar 2017 fuhren die drei zu einem Marburger Elektronikfachmarkt, wo einer der Angeklagten ein hochwertiges Notebook im Wert von mehr als 1 500 Euro kaufte. Zurück im Auto öffneten die Angeklagten die Verpackung, tauschten das hochwertige Notebook durch eines der beiden vorher bestellten günstigen aus und wollten es anschließend im Geschäft reklamieren. Was sowohl bei Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung für erstaunte Blicke sorgte: Der Mitarbeiter des Elektronikfachhandels händigte dem Angeklagten tatsächlich ein weiteres hochwertiges Notebook desselben Typs nochmal aus.

Doch damit nicht genug. Der Dritte im Bunde sollte die Aktion einige Tage später ein weiteres Mal durchführen – doch diesmal ohne Erfolg. Dieser hatte diesmal ein Notebook im Wert von knapp 3 800 Euro ausgesucht, gekauft und im ­Auto die Geräte abermals ausgetauscht. Im Laden wollte er dann eine hohe Summe geltend machen, doch dieser Mitarbeiter verwehrte ihm die Forderung.

Mittlerweile sind beide hochwertigen Notebooks wieder beim Elektronikfachmarkt, die Angeklagten hätten letztendlich keinen Schaden verursacht – außer bei sich selbst. „Jetzt habe ich nur noch alles schlimmer gemacht“, bedauerte der 29-jährige Angeklagte. Inzwischen habe er sich psychologische Unterstützung gesucht, wie sein Verteidiger Alexander Pfaff berichtete.

Anwalt: „Mein Mandant schämt sich sehr dafür“

Auch der 22-jährige Mitangeklagte gestand: „Es war eine dumme Idee.“ Da er noch bei seinen Eltern lebe, habe er laut Verteidiger Christoph Fockenberg bereits Druck „von zu Hause“ bekommen, und: „Mein Mandant schämt sich sehr dafür“, sagte Fockenberg.

Richter Thomas Rohner warf dem 29-jährigen Angeklagten „eine gewisse kriminelle Energie“ nach einer solchen Planung vor. Letztendlich belief sich das Urteil für ihn wegen Betrugs und versuchten Betrugs auf 70 Tagessätze zu je 35 Euro. Der 22-jährige Angeklagte wurde indes zu 50 Tagessätzen à 60 Euro verurteilt. Schließlich habe er keine Unterhaltsverpflichtungen, die Höhe der Geldstrafe orientiere sich selbstverständlich am Einkommen.

von Beatrix Achinger