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Marburg „Ein Sammelbecken für Kriminelle“
Marburg „Ein Sammelbecken für Kriminelle“
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00:18 29.09.2018
(Symbolfoto) Shopping im Internet ist laut Polizei mit erhöhter Betrugsgefahr verbunden. Quelle: Inga Kjer
Marburg

Die sogenannten Fake-Shops sind vermeintliche Online-Shops, die Ware im Internet anbieten, sie aber im Falle eines Kaufes nicht zusenden. „Dabei kann es sich um jegliche Art von Waren handeln, wobei Elektronik am meisten im Vordergrund steht“, erklärt Peter Lassek, Rechtsanwalt und Referent der Verbraucherschutzzentrale Hessen. Im Internet sei man so anonym wie nirgends sonst, sagt Ulrike Ristau, Marburger Rechtsanwältin, so ergebe sich im Internet ein „Sammelbecken für Kriminelle“.

Wie erkennt man also im Internet, welche Online-Shops seriös sind und bei welchen Händlern Vorsicht geboten sein sollte? Allgemein gilt: „Man sollte immer misstrauisch sein, vor allem, wenn ein Händler die Zahlungsart Vorkasse angibt und sich keine Alternative findet“, warnt Ristau, „denn nur ein geschultes Auge kann erkennen, dass es sich um einen Fake-Shop handelt. Außerdem sollte man bei zu niedrigen Preisen vorsichtig sein, da es öfter vorkommt, dass es sich bei der Ware um gestohlene Objekte handelt. So könnte der Käufer sogar der Hehlerei bezichtigt werden“, so Ristau weiter, „denn Dummheit schützt vor Strafe nicht“.

Polizei: Nicht nur hinter Minipreisen lauert Betrug

Ein Käufer sollte misstrauisch werden, wenn bei der Artikelbeschreibung die Rede von fehlender Verpackung oder fehlender Einzelteile wie beispielsweise Ladekabeln ist, empfiehlt Bernd Schneider, Beauftragter für Betrugsdelikte und Internetkriminalität bei der Polizei ­Marburg-Biedenkopf. Außerdem sollte man Vorsicht walten lassen, wenn es sich um ausländische Konten handelt, auf die das Geld überwiesen werden soll, so ließen sich in einem Betrugsfall Schadenersatzansprüche schwerer geltend machen, erklärt er. Einer OP-Internetrecherche zufolge findet man im Netz sogar ganze Seiten, die bekannte Fälle von Fake-Shops listen. Wer sich also beim nächsten Kauf sicher sein will, ein echtes Schnäppchen gemacht zu haben, sollte den Online-Shop mit solchen Listen abgleichen.

Das Fehlen eines Impressums oder der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), so Lassek, kann ein weiteres Indiz dafür sein, auf einen Fake-Shop gestoßen zu sein. Auf Gütesiegel wie „Trusted Shops“ o.Ä., solle man sich nur verlassen, wenn man das Logo dazu anklicken könne und es zu der Website des Logos führt, sei dies nicht der Fall, wurde das Logo des Gütesiegels schlicht kopiert und eingefügt. Betrüger häufen sich gerne auf Gebrauchtwaren-Plattformen wie Ebay und Co. Viele Käufer lesen sich die Artikelbeschreibung der Händler nicht sorgfältig durch und bestellen das, was auf dem Bild zu sehen ist. Das führte zum Beispiel in einem Fall dazu, dass ein Käufer anstatt des erwarteten Smartphones nur die Verpackung zugeliefert bekam. Der Täter konnte nicht belangt werden, da sich in der Artikelbeschreibung der Hinweis befand, dass es sich lediglich um die Verpackung handelte.

Doch selbst wenn ein Betrüger auffliegt, man als Käufer nach der angemessenen Lieferzeit keine Ware bekommt, ist das Geld oft futsch. „Wird ein Betrüger von der Polizei festgenommen, was nicht dem Regelfall entspricht, da die Händler meist nirgendwo registriert sind oder sich hinter einem Pseudo-Unternehmen verstecken, ist nicht garantiert, dass die nötigen finanziellen Ressourcen gegeben sind, die Opfer auszubezahlen.“, sagt Peter Lassek.

Auch die Polizei in Marburg warnt vor dem zunehmenden Phänomen des Online-Betrugs. Martin Ahlich, Polizeisprecher, warnt vor „absurden Angeboten“ und macht gleichzeitig darauf aufmerksam, dass es sich bei Online-Betrug nicht nur um Angebote mit sogenannten Dumpingpreisen handele, sondern auch durchaus adäquate Preise verlangt würden: „Die Betrüger wissen, dass ein Käufer bei zu niedrigen Preisen misstrauisch wird“, erklärt er.

Oftmals würden auch schon bestehende Ebay-Konten gehackt und für betrügerische Verkäufe missbraucht, sagt Schneider: „Es muss nicht sofort auffallen, wenn das eigene Ebay-Konto gehackt wurde, man sollte also sein Profil regelmäßig überprüfen, und das Passwort öfter ändern.“ Bernd Homberger, Sachbearbeiter im Betrugskommissariat hat dazu einen Tipp: „Überlegt man sich einen Satz und nimmt jeweils die Anfangsbuchstaben der Wörter, hat man schon ein relativ sicheres Passwort“.

Für alle Käufer gilt: Accounts der Verkäufer immer danach prüfen, welche Artikel sie bisher verkauft haben, passt dies nicht zum aktuellen Angebot, könnte das ein Indiz dafür sein, dass sie es mit einem gehackten Account zu tun haben. Umgekehrt gibt es die Betrugsmasche auch: „Es gibt potentielle Käufer, die eine Zahlung vortäuschen, woraufhin der Verkäufer die Ware zusendet, aber sein Geld nicht bekommt“, sagt Schneider. Man solle sich bei einem Verkauf auf Plattformen wie Ebay nicht darauf einlassen, erst die Ware zu senden und dann das Geld dafür zu bekommen, rät er.

von Larissa Pitzen