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Marburg Berufsverbote für Steuersünder
Marburg Berufsverbote für Steuersünder
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12:39 22.02.2018
Über Jahre hinweg sollen zwei Unternehmer aus dem Hinterland Steuer- und Sozialabgaben einbehalten und so den Staat um mehr als 130 000 Euro gebracht haben.  Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Zu Freiheitsstrafen von jeweils einem Jahr und fünf Monaten, samt Berufsverbot, hat das Amtsgericht zwei ehemalige Gesellschafter aus dem Hinterland verurteilt.
„Ab 2011 haben wir die Kontrolle völlig verloren“, räumte­ der 40-jährige Angeklagte während der Verhandlung am 15. Februar ein. Mit dem ebenfalls 40 Jahre alten Mitangeklagten hatte er im Jahr 2009 ein Garten- und Landschaftsbaugewerbe als Gesellschaft bürgerlichen Rechts im Hinterland gegründet, das 2014 schließlich ins Insolvenzverfahren ging.

Laut eines Zeugen, ein ehemaliger Mitarbeiter, soll sich die Firma auf Pflasterarbeiten spezialisiert haben und zehn Mitarbeiter beschäftigt haben. Im Jahr 2013 übernahm das Unternehmen einen Auftrag am Flughafen Kassel-Calden. Die dortige Baustelle erhielt Besuch vom Zoll, der sich laut Zeugen zu ­einer „Spontankontrolle“ entschlossen hatte und vier Mitarbeiter der Firma antraf.

Nur sporadischer Kontakt zur Bürokraft

Ein erster Verdacht auf Schwarzarbeit entstand durch die Befragung der Mitarbeiter, bei deren Angaben über ihr Arbeitsverhältnis Unstimmigkeiten auftraten. Demnach verfügte nur einer der vier Befragten über eine gültige Arbeitsgenehmigung. Bei einer späteren Durchsuchung der Firmenräume stießen die Ermittler auf eine lückenhafte Buchhaltung. Ein Großteil der erforderlichen Unterlagen fehlte.

Nach einer Schätzung der Rentenversicherung sollen im Jahr 2012 über 70 000 Euro als Abgaben an die Sozialversicherung vorenthalten worden sein, sowohl von Arbeitgeber- als auch von Arbeitnehmerseite. Außerdem sollen die Gesellschafter keine Lohnsteuer abgeführt haben, wodurch zwischen 2011 und 2014 ein Schaden von über 63 000 Euro entstanden sein soll. Arbeitnehmer sollen zudem nicht angemessen gemeldet gewesen sein. Wie der Zeuge aussagte, sollen die Angestellten stundenweise entlohnt worden sein. Er selber beteuerte, einen Arbeitsvertrag gehabt zu haben.

„Wo sind denn Stundenzettel, Aufträge und Rechnungen?“, fragte Richter Thomas Rohner genauer nach. Dazu teilten die beiden Angeklagten mit, dass sie selber mit der Büroarbeit nicht betraut gewesen waren und ausschließlich auf Baustellen gearbeitet hätten. Zu der zuständigen Bürokraft habe nur sporadischer Kontakt bestanden.

Zu den Vorwürfen der Vorenthaltung und Veruntreuung in zwölf Fällen und der Steuerhinterziehung in vier Fällen legten beide Beschuldigte ein Geständnis ab. „Das ist uns über den Kopf gewachsen“, gestand einer der Angeklagten. Richter Rohner unterstellte den beiden eine „Unbedarftheit in ­geschäftlichen Dingen“, dabei kein planmäßiges Vorgehen, da Meldungen an das Finanzamt sporadisch erfolgt waren. Das Gericht verurteilte beide Männer zu Freiheitsstrafen von je 17 Monaten zur Bewährung und einem dreijährigen Berufsverbot im Falle einer erneuten ­Gewerbeanmeldung.

von Beatrix Achinger