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Marburg OP-Warenkorb: Besonders Getränke sind teurer
Marburg OP-Warenkorb: Besonders Getränke sind teurer
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17:21 15.03.2019
Die OP füllt regelmäßig einen Einkaufswagen mit den selben ­Waren aus denselben Märkten im Landkreis, um die Preise zu ­vergleichen. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

101,25 Euro kosten die Lebensmittel, Drogerieprodukte und Getränke diesmal. So teuer war der Einkauf noch nie in der Geschichte des OP-Warenkorbes. Im Vergleich zum vergangenen Einkauf, der zwei Jahre zurückliegt, ist das ein Plus von knapp drei Prozent.

Im Einkaufswagen liegen Apfelmus, Pizzateig, Milch, Haferflocken, Gummibärchen und Käse, aber auch Baby-Windeln, Haarspray, Hautcreme, Rasierschaum, Toilettenpapier, Sekt, Bier, Cola light und Mineralwasser. Regelmäßig seit dem Jahr 2005 dokumentiert und vergleicht die Redaktion der Oberhessischen Presse die Preise der 35 im Warenkorb enthaltenen Produkte – zuletzt im Januar 2017. Damals waren 98,67 Euro für die Produkte aus vier Discountern und Supermärkten fällig.

Preissteigerung von drei Prozent im Jahr 2018

Die Preissteigerung für den OP-Warenkorb bestätigt, was das Statistische Bundesamt für das Jahr 2018 feststellte: Die Preise für Lebensmittel sind um gut drei Prozent gestiegen, ­während die Inflationsrate nur bei 1,3 Prozent liegt. Bedeutet: Im Vergleich zur allgemeinen Teuerungsrate haben sich die Lebensmittelpreise im Vergleich zum Jahr 2017 knapp doppelt so stark erhöht.

Besonders auffällig ist das im OP-Warenkorb bei den Getränken. Diese sind nochmal deutlich teurer: Für Bier, sowohl alkoholfreies wie auch alkoholhaltiges, musste im Vergleich zum Jahr 2017 mehr als ein Euro mehr bezahlt werden. Auch die Kiste Cola light ist einen Euro teurer als beim vergangenen OP-Einkauf.

Vergleicht man die Preise heute mit denen vor zehn Jahren, so ist der Preisunterschied gravierend. Bei Bier werden gleich 2,70 Euro mehr fällig, bei Cola 2,50 Euro, und für die Kiste Mineralwasser sind es 50 Cent. Allein der Einkauf im Getränkemarkt ist dadurch – verglichen mit 2017 – um acht Prozent teurer, im Vergleich zu vor zehn Jahren sind es sogar 16,5 Prozent mehr.

Hintergrund

  • Vergleich seit 2005: Die OP füllt seit dem Jahr 2005 regelmäßig ihren Einkaufswagen mit den immer gleichen 35 Artikeln aus den selben vier Supermärkten in Marburg, um so die Preisentwicklung zu dokumentieren.
  • Günstigster Einkauf: Der bislang günstigste Ein-kauf konnte im Sommer des Jahres 2010 getätigt werden. Damals mussten für die 35 Artikel nur insgesamt knapp 93 Euro bezahlt werden.
  • Teuerster Einkauf: Den teuersten Einkauf machte die Redaktion bei ihrem Einkauf in diesem Jahr: 101,25 Euro kosten die 35 Artikel.
  • Konstanter Preis: Ziemlich konstant über die Jahre hinweg ist der Preis für Alufolie. Die 30 Meter lange Rolle kostet heute 1,45 Euro, das hat sie auch im Jahr 2005 gekostet. 2009 war sie kurzzeitig etwas günstiger für 1,39 und 2010 etwas teurer für 1,49 Euro zu bekommen.
  • Größter Preissprung: Den größten Preisunterschied, auf die vergangenen 14 Jahre betrachtet, verzeichnet der Orangensaft. Der Liter kostete 2005 noch 0,55 Euro, heute sind dafür 0,95 Euro fällig – fast doppelt soviel.

Bei den Lebensmitteln macht sich die Preissteigerung im Vergleich mit den Preisen aus dem Jahr 2017 etwa bei Käse (+ 30 Cent), Haferflocken, Apfelmus und Erdnüssen (jeweils + 10 Cent) sowie Margarine (+ 6 Cent) bemerkbar. Bei den Drogeriewaren sind es unter anderem Toilettenpapier (+ 1 Euro), Haarspray (+ 90 Cent) und Küchenrolle (+ 20 Cent), die für ein Mehr an der Kasse sorgen. 

Verglichen mit den Preisen von vor zehn Jahren fällt auf, dass etwa Käse um 80 Cent teurer geworden ist, Erdnüsse um 20 Cent, Taschentücher ebenfalls um 20 Cent, Haferflocken und Apfelmus um 14 Cent. Es fällt außerdem auf, dass sich die Packungsgrößen einiger Produkte verändert haben: Die Gummi­bärchen etwa gab es vor zehn Jahren in der 300-Gramm-Packung für 0,89 Euro. Heute kosten 360 Gramm 1,09 Euro. Effektiv ist das ein Cent mehr je 100 Gramm.

Discounter-Streit macht Hoffnung auf Preisnachlässe

Gleiches gilt für Windeln. Auch dort kostet ein Stück genau einen Cent mehr als noch vor zehn Jahren. Günstiger als vor zehn Jahren gibt es unter anderem Duschgel (- 70 Cent) und Schaumfestiger (- 26 Cent) sowie Margarine (- 14 Cent).

Trotz der starken Preisanstiege gibt es für Verbraucher auch einen Grund zur Freude: Der Streit zwischen Aldi und Lidl um die Preishoheit im Discount-Geschäft geht seit Anfang Februar in eine neue Runde. Diesmal werden vor allem die Preise für Markenartikel gekürzt. „Es gibt jetzt tendenziell mehr Sonderangebote mit einem besonders hohen Abschlag, gern zum halben Preis.

„Sozusagen das Sonderangebot unter den Sonderangeboten“, erläutert Matthias Queck von Retailytics, der Analystengruppe der „Lebensmittel Zeitung“. Den Grund sieht Queck darin, dass Aldi im Preiseinstiegsbereich nach wie vor unangefochten der Lebensmittelhändler sei, „der mit seinen Eigenmarken die Preisuntergrenze definiert, und alle anderen folgen fast sklavisch diesen Vorgaben“. Diese Position wolle ­Aldi jetzt offenbar auch bei Sonderangeboten für Marken­artikel erzwingen – und die Konkurrenz ziehe nach.

von Katharina Kaufmann-Hirsch und Erich Reimann