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Marburg Pharmaserv wechselt Geschäftsführung
Marburg Pharmaserv wechselt Geschäftsführung
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00:17 26.12.2018
Standortbetrieb in neuen Händen: Infrareal-Geschäftsführer Thomas Janssen (von links) mit der neuen Geschäftsführung der Pharmaserv GmbH, Thomas Görge, Dr. Martin Egger und Peter Michael Weimar. Foto: Andreas Schmidt Quelle: Standortbetrieb in neuen Händen: Infrareal-Geschäftsführer Thomas Janssen (von links) mit der neuen Geschäftsführung der Pharmaserv GmbH, Thomas Görge, Dr. Martin Egger und Peter Michael Weimar. Foto: Andreas Schmidt
Marburg

Die Behringwerke, Görzhausen, der ganze Marburger Pharmastandort wächst. Es herrscht regelrecht Aufbruchstimmung – auch bei der Pharmaserv GmbH, die sich an die Entwicklung anpasst. Während die Weiterentwicklung von Görzhausen auf vollen Touren läuft, will das Unternehmen seine Kräfte neu bündeln. Bislang war der Standortbetreiber in Görzhausen und Marbach verstreut, will fortan konzentrierter arbeiten. Die Infrareal GmbH – Muttergesellschaft von Pharmaserv – macht Platz, wechselt den Standort und wird in Wehrda angesiedelt.

Thomas Janssen, bisheriger Geschäftsführer der Pharmaserv GmbH, wechselt ab 2019 gemeinsam mit Jürgen ­Schroetter und Stefan Waldschmidt als Geschäftsführer zu Infrareal. „Das ist ein Stück weit der Entwicklung geschuldet“, erklärt Janssen im OP-Gespräch. Seine vordergründigste Aufgabe sieht er künftig in der Akquise neuer Industriestandorte, bundesweit sowie im europäischen Ausland. Einen Teil der administrativen Aufgaben, von Einkauf bis Marketing, nimmt er mit. Ebenso wie 34 der insgesamt 420 Mitarbeiter, „der Rest verbleibt in der Pharmaserv“, betont Janssen.

Im Zuge der Neustrukturierung entstehen beim Standortbetreiber drei neue Geschäftsbereiche – darunter das Standortmanagement, das unter der Leitung von Thomas Görge, zudem Sprecher der neuen Geschäftsführung, als neuer Baustein die Führungsebene ergänzt. Den Geschäftsbereich Technik übernimmt Peter Michael Weimar, die Logistik führt Dr. Martin Egger.

Prinzipiell mache die anhaltende Entwicklung der Behring-Nachfolgefirmen und ein wachsender Aufgabenbereich eine­ Neustrukturierung notwendig, wenn auch mit gewohntem Konzept. Denn: „der Standort brummt“, betont Janssen. Neue Forschungseinrichtungen, Produktionshallen und Büros entstehen, ebenso wird die Zahl der bisher rund 5 500 Mitarbeiter weiter wachsen.

Neues Kesselhaus wird zum energetischen Herzstück

Erkennbar wird die Entwicklung bei einem Rundgang über das Gelände Görzhausen, wo an verschiedener Stelle gebaut, modernisiert und erweitert wird. Etwa rund um die Großbaustelle der Basisfraktionierung von CSL Behring, wo ab Ende 2021 jährlich 4,2 Millionen Liter Blutplasma fraktioniert werden sollen.

Dazu braucht es viel Energie – direkt daneben entsteht das neue Kesselhaus. Im Inneren des Rohbaus stehen bereits drei moderne Kessel bereit, die künftig mit einer Leistung von insgesamt 36 Megawatt die Industriebetriebe in der Umgebung versorgen werden. Neben Wärme wird ebenso Kälte erzeugt – die Kühlleistung der Anlage beträgt bis zu zehn Megawatt. Vorsorglich wurde zusätzlicher Platz für einen weiteren Kessel eingeplant, der eventuell auch für ein späteres Blockheizkraftwerk genutzt werden könnte. Sobald das neue, effizientere Kesselhaus ans Netz gehen kann, wird das alte stillgelegt.

Darüber hinaus wird derzeit die Kantine samt Zentralküche erweitert und modernisiert. Übergangsweise wird in einem neu errichteten Containerdorf im alten Gutshof auf dem Gelände gekocht und gegessen. In naher Zukunft soll ebenfalls die Kantine im Hauptwerk modernisiert werden.

Organisation und Entwicklung der Infrastruktur übernimmt Pharmaserv, die dabei meist auf den eigenen Flächen agieren kann. Von den Gebäuden vor Ort gehören 120 der Gesellschaft, ebenso der Großteil der Flächen. Das mache Ausbau und Erweiterung unkomplizierter, erklärt Janssen. Mit der Entwicklung des florierenden Standorts wächst auch der Bedarf an Verwaltung. Unter anderem steht der Ausbau der Standortsicherheit an, der Technikbereich soll noch spezialisierter werden, zudem ist eine erweiterte Infrastruktur auf allen Ebenen geplant – alles Aufgaben der Pharmaserv. Geschäftführer Görge spricht von einer „massiven Entwicklung“, die eine „volle Bandbreite an Herausforderungen“ mit sich bringt, auf die es zu reagieren gilt.

Verkehr und Flächen bleiben aktuelles Thema

Künftig sollen unter anderem Logistik und Technik weiterentwickelt werden. Auf der Agenda ganz oben steht vor allem die Mobilität. Die betrifft die Verkehrsströme, innerhalb und außerhalb. Gerade dort müsse sichergestellt werden, dass der Verkehrsfluss vom und zum Standort „gut funktioniert“. Für dieses Ziel steht das Unternehmen im Gespräch mit Stadt und Landkreis, „wir fordern das ein“, erklärt Görge. Klare Erwartungen hat der Konzern auch beim Thema Flächen für die künftige Entwicklung.

Darüber hinaus werde auch der Parkraum auf dem Gelände „zunehmend knapp“, die Schaffung neuer Parkplätze sei daher „ein gesetztes Thema“. Welche Projekte konkret in den kommenden Jahren zuerst anstehen – darauf will sich die neue Geschäftsführung noch nicht festlegen.

Weitere Folge der Standorterweiterung ist der Ausbau der Werksfeuerwehr: Die soll in Teilen in eine hauptberufliche Feuerwehr umstrukturiert werden. Bisher sind sechs hauptberufliche Einsatzkräfte geplant, welche die nebenberufliche Wehr ergänzen sollen. Für ­eine „Rund-um-die-Uhr-Versorgung“ also 27 Mitarbeiter.

von Ina Tannert