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Marburg Der aktuelle Stand in Sachen Lokschuppen
Marburg Der aktuelle Stand in Sachen Lokschuppen
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00:18 27.08.2018
Der Umbau des privatisierten Lokschuppens in ein Veranstaltungszentrum, der laut Ursprungsplänen bereits vor Monaten hätte ­beginnen sollen, verzögert sich. Am Freitag gibt es zum Thema Waggonhallenareal eine Bürgerversammlung. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Das Hotel auf den Grundmauern des Werkstattgebäudes soll größer werden als geplant. Es gibt Konflikte zwischen Nutzungskonzept und Stellplatzsatzung. Der Denkmalschutz erhebt Einspruch. Die Kontamination des Erdbodens erschwert den Baubeginn. Der Projektpartner Christmann + Pfeifer steigt aus – in den vergangenen Wochen gab es viele Gerüchte rund um den Lokschuppen. Was ist dran an den Mutmaßungen? Auf der für morgen überraschend einberufenen Bürgerinformations­versammlung erhoffen sich ­viele Bewohner des Ortenbergs Antworten, ob und wie es auf dem Gelände weitergeht.

Denn der Investor plante seit der Konzeptvorstellung vor eineinhalb Jahren mit einem Baubeginn im Frühjahr 2018 und mit einer Fertigstellung des Umbaus im Herbst 2019. Ein Zeitplan, der nicht mehr zu halten sein dürfte. Der Kaufvertrag wurde im März unterschrieben – geplant war der Besitzerwechsel eigentlich bis Dezember 2017. Auch der Bauantrag des Investors hätte ursprünglich bereits vor den Sommerferien gestellt sein müssen, die Frist wurde in den laufenden August ­hinein verlängert.

In den vergangenen Monaten gab es Hinweise auf mögliche Parkplatzprobleme, auf Konflikte zwischen der geplanten Veranstaltungszentrums-Kapazität und der städtischen Stellplatzsatzung. Die bislang verfügbare Zahl von rund 70 Pkw-Plätzen sollte ursprünglich durch ein mehrstöckiges Parkdeck deutlich erweitert werden. Formal nicht genug Parkplätze vor Ort vorhalten zu können, dürfte aber wegen der Möglichkeit pro nicht nachgewiesenem Stellplatz – es müssten wohl mindestens 126 nachgewiesen werden – eine Ablösegebühr zu zahlen, kein Projekt-Hinderungsgrund sein (die OP berichtete).

Schon vor der Privatisierung und etwaigen Bebauung des jahrelang von der Gewobau verwalteten Geländes warnten Experten zudem vor der Kontamination des Erdbodens. Altlasten, Chemikalien aus der Bahnbetriebsgeschichte belasten demnach das Erdreich. Ein Grund, warum Tiefbauarbeiten – also der Aushub etwa für ­eine Unterkellerung von Gebäuden – als problematisch ­angesehen werden. Zudem müsste der Investor die fachgerechte Ent­sorgung des kontaminierten Bodens sicherstellen und mindestens teilweise bezahlen. Dem Verkauf an die Bietergemeinschaft Optik Schneider und Christmann + Pfeifer vorausgegangen war ein umstrittenes Bieterverfahren. Vier Interessenten gab es, ein südhessischer Investor flog nach der Bewertung durch ein städtisches Auswahlgremium raus.

Klage gegen Vergabe ist bislang ausgeblieben

Nach einem Zusammenschluss der ehemaligen Bieterkonkurrenten C+P und Optik Schneider – zwei Firmen aus dem Hinterland – fiel die Entscheidung zwischen den Neupartnern und dem Konzept des Fördervereins Lokschuppen. Nach Konzept-Modifikationen empfahl das Auswahlgremium dem Stadtparlament einen Verkauf der Immobilie an die Bietergemeinschaft. Das sorgte vor allem im linkspolitischen Lager und beim Förderverein für Kritik – zu einer wie einst angedrohten Klage gegen die Vergabe ist es aber bis heute nicht gekommen.

Die Proteste richteten sich im vergangenen Jahr vor allem gegen Gunter Schneider und den „Christus Treff“ (CT), der ein zentraler Teil des Ursprungskonzepts Schneiders war. Der CT wollte auf dem Lokschuppen-Areal einen Deutschland-Treffpunkt samt zentraler Verwaltung aufbauen. Als sich – auch wegen Demonstrationen gegen christlichen Fundamentalismus – abzeichnete, dass die CT-Frage das Stadtparlament spaltete und keine Mehrheit für Schneiders breit gefeierten Veranstaltungszentrums-Konzeptentwurf in Aussicht war, wurde aus dem Mitinvestor CT ein möglicher Lokschuppen-Mieter.

von Björn Wisker

Infoabend

Am Freitag, 24. August, findet ­eine Bürgerversammlung zum Thema Entwicklung des Waggonhallen-Areals, speziell des Lokschuppens, statt. Beginn ist um 19 Uhr im Stadtverordnetensitzungssaal (Barfüßerstraße 50). Lokschuppen-Investor Gunter Schneider wird nach Angaben der Stadtverwaltung über den Ist-Stand zum Sanierungsvorhaben informieren. Über das noch in städtischem Besitz befindliche benachbarte Waggonhallen-Areal informiert Gewobau Marburg. Fragerunden sind vorgesehen.