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Marburg Bauerbacher fühlen sich abgehängt
Marburg Bauerbacher fühlen sich abgehängt
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00:19 13.09.2018
Vor wenigen Tagen haben die ersten Abrissarbeiten der Asphaltdecke auf der Waldtalstraße begonnen, die bis Ende des Jahres gesperrt sein wird. Quelle: Tobias Hirsch
Bauerbach

Radler aus Bauerbach fühlen sich übergangen, im Stich gelassen, ein Stück weit abgehängt und durch den Waldwegebau rund um die Lahnberge in ihrer Freiheit beschnitten.

Und zwar die Freiheit, auf direkten, befestigten Wegen gen Marburg radeln zu können, ohne witterungsbedingte Sicherheitsbedenken und auf einer harten Asphaltfläche. Ersteres werden sie auch nach Abschluss der Kanalarbeiten noch können, letzteres, nach Meinung der Bürger, dann nicht mehr.

Die Zukunft der Waldtalstraße, wo der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZWM) derzeit an der Neuverlegung der Trinkwasserleitung arbeitet, ging dem knappen Dutzend Bürger, die am Mittwoch mit im Ortsbeirat saßen, nahe. „Ökonomie wird hier vor den Bürgerwillen gestellt“, kritisierte unter anderem Hans-Georg Roder. Auch das vorherige Genehmigungsverfahren sei „wieder an der Öffentlichkeit vorbeigegangen“, befand Gerhard Dziehel, Ortsvorsteher von Waldtal.

Weitere Anwesende brachten ihre Sorgen vor, dass der Weg, der am Ende statt aus einer Asphaltdecke, aus einer Schotter- und obenauf einer Feinsplitt-Schicht bestehen soll, fahruntauglich gemacht werde.

Den Ärger ab bekam der Bauerbacher Revierförster Christian Korff, der sich um Erklärungen bemühte. Einerseits sei Hessen Forst nicht für die Pläne verantwortlich, „wir haben da keinen Spielraum und sind auch nicht Baulastträger“. Ins Rollen gebracht habe das Ganze der ZMW, wobei schon bei ersten Planungen klar war, dass auf eine Asphaltdecke verzichtet werde. Dies sei auch der Stadt lange bekannt gewesen.

Keine Asphaltdecke trotz Radroute

Andererseits sei der Rückbau von Schwarzteerdecken im Wald schon per Gesetz vorgegeben und längst Standard. „Im Wald wird kein Asphalt verbaut – das ist Vergangenheit“, betonte Korff. Daran ändere auch nicht, dass Hessen Forst erst sehr spät davon erfahren habe, dass die Strecke als Radroute, wenn auch nicht als offizieller Radweg, ausgewiesen ist. Korff versprach erneut, dass der Weg am Ende „gut abgesandet“ und sicher befahrbar sei, wenn auch nicht so stabil wie ein Asphaltweg. Das reichte manchen Anwesenden nicht aus. Einige Bürger brachten zudem ihren Unmut über die Stellungnahme des Umweltministeriums zum Ausdruck: In ihrer Antwort auf den Appell von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies für einen Erhalt der Waldtalstraße hatte Umweltministerin Priska Hinz unter anderem darauf hingewiesen, dass die Lahnberge verkehrstechnisch bereits erschlossen seien, auch für den Radverkehr. Zudem hob sie die forstwirtschaftliche Nutzung sowie die gesetzlich vorgegebene Duldungspflicht für Radverkehr auf Waldwegen hervor.

Das stieß im Ortsbeirat ebenfalls auf Kritik. Der Verweis auf alternative Anbindungen, wie die Panoramastraße, sei „eine Anmaßung und unmöglicher Vorschlag, den man sich hätte sparen können“, fand Roder. Andere Radrouten seien indes „viel zu gefährlich – damit werden die Bürger gezwungen, wieder auf das Auto umzusteigen, es kann doch nicht immer alles der Wirtschaftlichkeit untergeordnet werden“, meinte auch Annerose Glöckner.

Stadt könnte Pflegekosten für Weg übernehmen

Ein Gegenvorschlag fand auch nicht bei jedem Anklang: nämlich die Idee, dass zwischen Stadt und Hessen Forst per Gestattungsvertrag eine intensivere Pflege des Weges sichergestellt werde. Laut Korff gibt es eine solche Vereinbarung für den Alten Kirchhainer Weg, der derzeit noch nicht ganz fertig abgewalzt sei, in Zukunft aber jedes Jahr durch den Landesbetrieb instand gesetzt werde. Auf Kosten der Stadt. Damit würde diese Strecke intensiver gepflegt, als das mit dem Budget von Hessen Forst für andere Wege generell möglich sei, so Korff. Dies könne er sich ebenfalls für die Waldtalstraße vorstellen, zumal man beide Pflegemaßnahmen leicht verbinden könne, etwa wenn schweres Gerät bereits vor Ort stehe.

Ebenfalls vorstellen könnten sich einige Bürger, dass die Stadt den Weg vom Land übernehmen könnte. Zudem wünschen sich die Radfans, dass die Waldtalstraße in die gerade laufende Fortschreibung der Radverkehrsplanung mit aufgenommen werde. Die Ortsbeiräte Bauerbach und Waldtal planen nun, sich mit einer gemeinsamen Forderung an den Magistrat, Hessen Forst und das hessische Umweltministerium zu wenden. Denn: „Wir hätten gerne eine asphaltierte Wegedecke“, sagte Ortsvorsteher Lothar Böttner.

von Ina Tannert