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Marburg Bauerbacher hat Krippe aus Bethlehem
Marburg Bauerbacher hat Krippe aus Bethlehem
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00:16 27.12.2018
Die Olivenholz-Krippe aus Bethlehem hat 18 Figuren. Quelle: Freya Altmüller
Bauerbach

Es war in einem Geschäft in Bethlehem, wo der damals 36-Jährige Krippen aus Olivenholz entdeckte. Seine Reisegruppe hielt sich lange in dem Geschäft auf, bewunderte die fein geschnitzten Figuren. Fichtner hatte es die größte der Krippen angetan. 50 mal 50 Zentimeter groß war der Stall, 27 Zentimeter hoch die größte Figur. Er hatte Angst, dass er es nicht schaffen würde, so eine große Fracht nach Hause zu transportieren oder dass man sie ihm abnehmen könnte. Schließlich war es ihm aber egal, er musste die Krippe haben.

Ganz einfach war die Heimreise damit tatsächlich nicht. Er war voll bepackt mit zwei zusätzlichen Kartons. Am Flughafen in Tel Aviv musste er jede Figur auspacken, alles wurde genau untersucht und durchleuchtet.
Ganz unverdächtig habe er im Jahr 1977 mit schwarzem Haar und Bart in Zeiten des Terrors in Deutschland ja auch nicht ausgesehen. Man habe vermutlich gedacht, dass er Munition oder Waffen transportieren wolle, sagt Fichtner. Schließlich lag überall das Papier verstreut, er musste alles wieder einpacken, um nassgeschwitzt zum Flieger zu eilen.

Wert ist seit damals gestiegen

„Ich habe während der Kontrollen gedacht, und wenn das Flugzeug ohne mich fliegt, ich will diese Krippe haben“, sagt der heute 77-Jährige. Aber es ging mit dem Rückflug alles gut und er konnte zu Hause stolz seiner Frau und seinen drei Kindern das neue Schmuckstück präsentieren. Schon damals war es mit 350 D-Mark nicht ganz günstig gewesen. Heute ist der Wert der Krippe auf rund 3 000 Euro gestiegen, sagt Fichtner.

Die Figuren und der Stall sehen noch immer aus wie neu. Rudolf Fichtner und seine Frau Agnes verpacken alles jedes Jahr in Küchenpapier und spannen Gummis drum herum. Dann verschwindet alles in Kartons. „Ich bin bis heute stolz darauf und immer sehr glücklich, die Krippe aufzubauen“, sagt Fichtner. Eines Tages soll sie mal eines der Kinder erben. Der 77-Jährige lässt sie immer bis Lichtmess Anfang Februar stehen, um länger etwas davon zu haben.

Krippe weckt Reiseerinnerungen

Noch nach 41 Jahren riecht das Holz nach Olive. „Wenn ich sie sehe, bin ich automatisch wieder dort, wo ich sie gekauft habe“, sagt Fichtner. Die Studienreise war von der Volkshochschule in Fulda organisiert und führte an mehrere Orte, die in der Bibel eine wichtige Rolle spielen.

„Wir sind zum Berg Sinai geflogen und nachts um zwei Uhr hoch gewandert. Beim Aufgang der Sonne ist es mir kalt den Rücken hinunter gelaufen“, erzählt Fichtner. Auch im Toten Meer Baden war die Reisegruppe. „Ich habe nie geglaubt, dass man tatsächlich auf dem Wasser liegen kann, ohne unterzugehen.“ Davon habe er sich selbst überzeugen wollen, erinnert er sich.

Wenn er jetzt im Gottesdienst Worten aus der Bibel lauscht, denkt er an die Orte, die er selbst gesehen hat. „Ich passe in der Kirche besser auf“, scherzt er.
Kürzlich war Fichtner mit seiner Frau bei einer Krippenausstellung im Marburger Rathaus. Dieses Jahr gab es dort so eine ähnliche, auch aus Olivenholz, erzählt der 77-Jährige. Es gab welche aus Brasilien, Tschetschenien, Mexiko – aber keine sei so schön und „lebensecht“ wie seine eigene gewesen, sagt Fichtner.

von Freya Altmüller