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Marburg Kleine, aber feine Konzertreihe
Marburg Kleine, aber feine Konzertreihe
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17:55 10.05.2017
Die Musica Camerata Marburg musizierte in der kleinen Bauerbacher Kreuzkirche. Quelle: privat
Bauerbach

In den Kirchen des Landkreises Marburg-Biedenkopf erklingt viel Musik. Das liegt auch an Dekanen wie Hermann Köhler, an Kantoren wie dem Bezirkskantor des Kirchenkreises Kirchhain Peter Groß und an Musikern wie Matthias­ Friederich, der seit 1980 1. Oboist am Philharmonischen Orchester Heidelberg ist und seit 1999 die Musica Camerata Marburg leitet.

Beliebt sind inzwischen die Sonntagskonzerte bei den von Peter Groß initiierten Bauerbacher Musiktagen in der kleinen Kreuzkirche des Marburger Stadtteils. Vor gut 80 Musikfreunden fand am Sonntag das vierte Konzert der aktuellen Reihe statt: Es spielte die Camerata unter Matthias Friederich (Altblockflöte, Oboe, Infos zum Programm), Kantor Groß war an der Orgel, am Cembalo und als Bariton zu hören, Pfarrerin Berit Hartmann begleitete das Konzert geistlich.

Erst meditativ, dann furios

Den Auftakt machten die zehn Camerata-Streicher mit der „Sinfonietta Nr. 2 in D-Dur“ von Johann Christian Bach. Gefällig waren die Klänge, filigran im Andante, zierlich im Menuett. Beide Sätze waren von der 1. Geige dominiert: Wundervoll spielte Karin Schmidt, das kleine Orchester fügte sich harmonisch ein, besonders der Kontrabass, der dem heiteren Werk einen melancholischen Unterton gab.

Das zweite Instrumentalwerk war Georg Philipp Telemanns „Konzert in e-Moll“ für Blockflöte und Orchester mit Peter Groß am Cembalo. Im zweiten Largo erklangen gezupfte Bratschen-, Cello- und Kontrabasstöne: Pizzicato heißt das Zupfen. Es erzeugte eine meditative Stimmung. Das anschließende Presto mit seinen langgezogenen Blockflötentönen war ­furios.

Als drittes Instrumentalwerk erklang Telemanns „Suite in a-Moll“ für Blockflöte und ­Orchester. Besonders im letzten Satz war der schnelle Griffwechsel in Matthias Friederichs Flötenspiel zu bewundern. Als nach der Rejouissance eine kleine Stille entstand, weckte Matthias Friederich das Publikum mit den Worten: „Wir sind fertig.“ Die Reaktion war Gelächter und Beifall.

Erste Arie reich an Koloraturen

Als letztes Instrumentalwerk stand Georg Friedrich Händels „Konzert in F-Dur“ für Orgel und Orchester auf dem Programm. Herrlich erklang die Dorfkirchenorgel. Die Oboenklänge im 1. Allegro erinnerten fast an Fanfaren, im 2. Allegro dominierten hohe, schnelle­ Querflötentöne, die Andrea Rüppel souverän meisterte. Als Camerata-Dirigent wechselte Matthias Friederich scheinbar mühelos zwischen Spielen und Dirigieren.

Das Abend-Singstück war die Kantate „Ich schaue bloß auf Gottes Güte“ des Barockkomponisten Telemann für Bariton, Querflöte und Basso continuo: Kantor Groß sang. Die erste Arie war reich an Koloraturen, das Rezitativ wirkte durch seine Wortdehnungen. Die Continuo-Instrumentalisten waren Daniel Vargas (Cello), Sophia Mott (Kontrabass) und Martin Kaiser (Cembalo). Andrea Rüppel (Querflöte) pointierte herrlich den Wortsinn.

Die Zuhörer zeigten sich begeistert. Immer wieder gab es zwischen den Werken Beifall, am Ende starken Applaus für ­alle Mitwirkenden.

von Silke Leich

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