Volltextsuche über das Angebot:

31 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Barock-Oper wird neu entdeckt

Klassik in Kassel Barock-Oper wird neu entdeckt

Alessandro Scarlattis letzte von 114 Opern ist eine Entdeckung, die lohnt. Zumindest in der von Wagner-Länge auf gut zwei Stunden gekürzten Version, wie sie in Kassel zu erleben ist.

Voriger Artikel
„Marburg, ein kulturelles Fundament der Republik“
Nächster Artikel
Der Zorn der Reisevermittler

NIna Bernsteiner als Griselda (von links), Igor Durlovski als Gualtiero und LinLin Fan als Costanza in der Kasseler Inszenierung von Alessandro Scarlattis Barockoper „Griselda“.

Quelle: Kliner

Kassel. Die auf einer Novelle aus Boccaccios „Decamerone“ fußende Handlung taugt nicht für eine Aktualisierung. Heute würde sich eine Frau kaum von ihrem Mann grausamsten Prüfungen unterziehen lassen, nur um ihre Treue und Liebe zu ihm zu beweisen.

Stephan Müller setzt deshalb in seiner „Griselda“-Inszenierung am Staatstheater Kassel moderne Akzente sparsam – etwa in Carla Caminatis Kostümen, die Historisierendes mit modischem Chic verbinden, vor allem aber in der Darstellung von Gewalt, für die der Regisseur sieben Kampfsportler aufbietet. Sie wirken bedrohlich, in ihrem Macho-Gehabe jedoch auch lächerlich.

Müller konzentriert sich ganz auf die Choreographie von Gemütszuständen wie Freude, Verlangen, Trauer, Hass und Liebe, die der bedeutendste Komponist des italienischen Hochbarock und Vater des Tastenzauberers Domenico Scarlatti, 1721 so meisterhaft in Töne gesetzt hat.

Dazu holt der Regisseur die singenden Darsteller ganz nah heran ans Publikum, lässt sie mit ausdrucksvoller Gebärdensprache agieren auf der Brüstung vor dem Orchestergraben und an der Bühnenrampe vor einer Wand aus geschwärzten Spiegeltüren, die nur gelegentlich gleißendes Licht hereinlassen ins düster-freudlose Reich des Königs Gualtiero.

von Michael Arndt

Mehr lesen Sie am Mittwoch in der Printausgabe der OP und bereits am Dienstagabend auf Ihrem iPad.

Voriger Artikel
Nächster Artikel