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Marburg Barbarischer Held in Rosa
Marburg Barbarischer Held in Rosa
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17:42 11.06.2013
Conan wird in der schrillen Revue als ein Held mit angeklebten Muskeln aus rosa Schaumstoff. Foto: Florian Krauß
Marburg

Mal parodistisch, mal als seichte Konsum- und Kirchenkritik verbaut das Performance-Duo „Skart“ das Material des Fantasy-Filmklassikers „Conan der Barbar“ (1982) zu einer theatralischen Multimedia-Collage. Mit Video-Installationen, Licht- und Soundeffekten mischen Philipp Karau und Mark Schröppel ihren schrill-erotisierten „Conan“ in der Black Box des Hessischen Landestheaters Marburg neu.

Conan wird auf der Bühne geboren: Von einer gigantischen Übermutter mit Federmaske und ausladendem Planengewand. Ein Barbar mit angeklebten Muskeln aus rosa Schaumstoff, Latexhose und Perücke kriecht in das Geschehen, er schreit und jammert über sein Dasein. Schließlich fügt sich Conan in sein Schicksal als Barbar des 21. Jahrhunderts: Er geht arbeiten. Dazu rammt er einen überlangen Stab mit einem Dildo an der Spitze in den Turm auf Cola-Kisten. Der Stab wird zur Achse der Mühle, die Conan antreibt. Die Anlehnung an das „Rad der Schmerzen“ im Film ist überdeutlich, die phallische Betonung schlicht überflüssig.

Einfallsreich ist die Idee mit Conan als Abgussmodell: Er steckt in einem Latexsack, dem die Luft mittels Staubsauger entzogen wird. Die Übermutter zieht sich in gefühlter Zeitlupe ein zweites Verkleidungsset des barbarischen Superhelden an. Jeder kann Conan sein.

Die Doppelgänger rennen rasend um die Zuschauer - man fühlt sich zunehmend eingekreist -, dabei singen, schreien und debattieren sie hysterisch über die eigene Existenz. Banal, oft unfreiwillig komisch sind Symbolik und Dialoge, das Schauspiel ähnelt einem improvisierten Partygag, das Tempo der Dramaturgie ist oft zu rasend oder zu träge. Zunehmend albern wird der Auftritt einer Buddha-Gestalt mit Fischschwanz, die den modernen Barbar ins Zwiegespräch nimmt; ein Äquivalent zu Conans Film-Nemesis, dem Zauberer Thulsa Doom. Mit dem schnell besiegten Antagonisten wird eine zunehmend inhaltsleere Kritik an der Kirche deutlich, deren Höhepunkt in der Endszene erreicht wird: Das Publikum wird zur „Reise nach Jerusalem“ aufgefordert, in Folge derer alle ihre Sitzplätze verlieren und in einem Tarnnetz zusammengepfercht aus dem Raum geleitet werden. Im Nebenraum wird jeder in Reih und Glied sortiert, um dann eine Art Abendmahl-Ritus zu erleben, angeleitet von einem halbnackten Eremiten mit Sombrero.

Ein paar der Zuschauer gehen hinaus. Eine beklemmende Atmosphäre bleibt.

von Ben Wangler

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