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Marburg Von finanziellen Sorgen bis Dauerbelastung
Marburg Von finanziellen Sorgen bis Dauerbelastung
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13:06 27.05.2018
Von psychischen Problemen bis zum Ausfüllen des Bafög-Antrags: Bei zwei Beratungsstellen erhalten Studierende Unterstützung. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Die Party am Wochenende war super. Glaubt sie zumindest. Denn eigentlich kann sie sich an nichts mehr erinnern. Und eigentlich ist es noch viel schlimmer. Sie hat einen absoluten Filmriss, ohne viel Alkohol getrunken zu haben. Jemand muss ihr etwas ins Getränk geschüttet haben.
Thomas Schneyer könnte über viele dramatische Ereignisse im Leben von Studierenden berichten.

Natürlich anonymisiert, denn die Beratung bei ihm ist vertraulich. Der Diplom-Psychologe und Psychotherapeut teilt sich mit seiner Kollegin Kathleen Meyer die Psychotherapeutische Beratungsstelle für Studierende (PBS) der Philipps-Universität. 

Und dahin können Studierende ohne Voranmeldung kommen. „Einfach an die Tür klopfen“, sagt Schneyer (Foto: Schwalm) – so wie es die junge Frau gemacht hat, der jemand K.O.-Tropfen untergejubelt hatte. Allein im vergangenen Jahr haben rund 670 Studierende die Beratung in Anspruch genommen.

Bei seinem Kollegen Dieter Schulz von der Sozialberatungsstelle des Studentenwerks sind es rund 900 pro Jahr. Vermehrte Anfragen gebe es besonders direkt nach Semesterstart. „Dann können es auch mal zwischen 12 bis 15 Beratungen pro Tag sein, ansonsten sind es durchschnittlich zwischen 5 und 6 täglich“, sagt der Sozialarbeiter.

Seit Jahren sei der Bedarf nach Beratung groß, berichtet Schulz. Die Berater sind Ansprechpartner bei Problemen rund ums Studium, die nicht direkt etwas mit dem Studienfach zu tun haben, denn dafür gibt es separat die Zentrale Allgemeine Studienberatung (ZAS). Etwa ein Drittel der Studierenden, die bei Schneyer oder seiner Kollegin Beratung suchen, kommen, weil sie Probleme mit ihrem Studium haben, etwa über einen Fachwechsel nachdenken.

„Permanentem Leistungsdruck ausgesetzt“

Viele wenden sich außerdem an die PBS wegen Problemen im sozialen Umfeld mit Familie oder in der Partnerschaft. Bei den psychischen Problemen spielen vor allem Depressionen eine große Rolle. In den meisten Fällen bleibe es laut Schneyer bei einer Erstberatung. Bei etwa 30 Prozent der Studierenden, die die Beratung aufsuchen, empfiehlt er eine weiterführende Therapie. Doch nicht immer sind die Probleme so schwerwiegend, haben jedoch Auswirkungen auf das Studium, etwa bei Prüfungsangst.

Schulz erlebt außerdem im Zusammenhang mit den Bachelor- und Masterstudiengängen seit einigen Jahren einen Anstieg an Dauerbelastung. „Das Studium ist wesentlich verschulter, die Studierenden sind permanentem Leistungsdruck ausgesetzt.“ Für viele sei es daher schwierig, neben dem Studium noch zusätzlich zu arbeiten. Daher wären auch die Anfragen nach einem Studienkredit gestiegen. Diesen Trend findet Schulz sehr negativ und berät daher zu Alternativen.

Überhaupt sei ein großer Schwerpunkt in der Sozialberatungsstelle eine umfangreiche Finanzierungsberatung. Selbst beim Ausfüllen des Antrags auf Ausbildungsförderung (Bafög) hat Schulz (Foto: Schwalm) Studierende schon unterstützt. Denn über gesetzliche Änderungen, was etwa Bafög, Wohngeld oder Mutterschutz angeht, ist er stets durch Fortbildungen informiert.

Bei den meisten Problemen ist die Sozialberatungsstelle die erste Anlaufstelle. Schulz vergleicht das mit einem Hausarzt. „Bei vielen Fragen und Problemen kann ich direkt beraten, aber manches ist zu speziell, dann verweise ich weiter – so wie der Hausarzt an einen Facharzt.“ Bei psychischen Problemen etwa verweist Schulz daher an die PBS, für chronisch Kranke und Behinderte beispielsweise gibt es eine separate Servicestelle, für ausländisch Studierende das „International Office“ und Rechtsberatung beim Allgemeinen Studierenden-Ausschuss.

Doch sowohl Schulz als auch Schneyer sehen sich mit ihrem jeweiligen Beratungsangebot als ganz offene Anlaufstelle für viele Sorgen und Nöte. Und so fasst Schneyer zusammen: „Jeder Studierende kann mit allem zu uns kommen.“

  • Kontakt zur Sozialberatung telefonisch unter 06421/296176. Kontakt zur Psychotherapeutischen Beratungsstelle zu Thomas Schneyer unter Telefon 06421/2865240 und zu Kathleen Meyer unter 06421/5866881.

von Simone Schwalm