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Marburg BUND: Westumfahrung nicht zukunftsfähig
Marburg BUND: Westumfahrung nicht zukunftsfähig
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08:59 11.01.2019
Der Umweltschutzverband BUND fordert konsequenten Ausbau des Radverkehrs und öffentlichen Nahverkehrs. Quelle: Michael Rinde / Archiv
Marburg

Bis kurz vor dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zur Bebauung des Hasenkopfs und Oberen Rotenbergs hätten die SPD, ihr Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies wie der städtische Bauamtsleiter die These vertreten, die Verkehrsprobleme im Marburger Westen seien mit dem bestehenden Straßen- und Verkehrsnetz beherrschbar. Begründet worden sei diese Annahme mit Hinweisen auf die Lenkungselemente ÖPNV, Radverkehrsmobilität, Carsharing, teilt der BUND-Kreisverband mit.

„Diese Argumentation war jedoch von Anfang an aus der Luft gegriffen, da zu keinem einzigen Sachverhalt der vernetzten Verkehrsstrukturen im Marburger Westen belastbare Daten existieren“, sagt Ingmar Kirck, Vorstand des BUND-Kreisverbands Marburg-Biedenkopf. „Die letzte Verkehrszählung hat im Zeitraum um 2007 beschränkt auf den Bereich Rotenberg/Hohe Leuchte im Zusammenhang mit einem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Gießen stattgefunden.“

Kritik: Griff in die Mottenkiste

Mit den gleichen Defiziten sei der aus der Hüfte geschossene Plan einer Westumfahrung belastet. Er beruhe ausschließlich auf der vagen und nicht belegten Hoffnung, die Innenstadt könne dadurch verkehrlich entlastet werden. „Die mannigfaltigen naturschutzfachlichen Probleme bei einer möglichen Umsetzung des Vorschlags werden von Beginn an kleingeredet“, sagt Kirck.

Der Vorschlag Westumfahrung erweise sich überdies als Griff in die Mottenkiste veralteter Verkehrspolitik. Anstelle eines zukunftsfähigen Ansatzes im Kontext Klimaschutz werde weiterhin auf Lenkung und Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs gesetzt, nicht aber auf dessen Vermeidung. „Die politischen Entscheidungsträger erscheinen als nicht lernfähig, obwohl das zunehmende Scheitern des motorisierten Individualverkehrs in Marburg täglich erlebbare Realität ist“, sagt Kirck.

Der BUND setze dagegen auf den konsequenten und zielgerichteten Ausbau des Radverkehrs und öffentlichen Nahverkehrs, unter anderem durch ­eine verbesserte Anbindung des Görzhäuser Hofes an das Schienennetz. Ein Gleisanschluss des Gewerbegebiets sollte im Rahmen einer Machbarkeitsstudie geprüft werden. Darin liege die Zukunft und nicht in noch mehr Straßen, die nur noch mehr ­
Verkehr erzeugen.