Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Autorin läutet „Nach-Potter-Ära“ ein

Neuer Roman von Joanne K. Rowling Autorin läutet „Nach-Potter-Ära“ ein

Joanne K. Rowlings „Harry Potter“-Bücher verkauften sich mehr als 450 Millionen Mal. Nun muss sich zeigen, ob ihr erstes Erwachsenenbuch genauso viele Leser in den Bann ziehen. Die deutsche Startauflage beträgt 500000 Exemplare.

Voriger Artikel
Rettungsdienst prüft 80 Einsätze
Nächster Artikel
Die Eintracht mischt die Bundesliga auf

Christine Fortier von der Buchhandlung Elwert in Marburg stellt das neue Buch „Ein plötzlicher Todesfall“ von J.K. Rowling in die Auslage. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Barry Fairbrother wäre lieber zu Hause geblieben.“ So beginnt Joanne K. Rowling, seit der Harry-Potter-Manie die erfolgreichste Autorin der Welt, ihren neuen Roman „Ein plötzlicher Todesfall“. Zwei Seiten später ist Barry tot.

Es ist ein gewaltiger Sprung von der Zaubererschule Hogwarts in eine englische Kleinstadt. Fünf Jahre nach dem letzten „Harry Potter“-Band erschien gestern Rowlings 576 Seiten starker Roman mit dem Titel „Ein plötzlicher Todesfall“ (Originaltitel: „The Casual Vacancy“) in Deutschland, Großbritannien und den USA.

Ein Käuferansturm wie bei den Bänden über den Zauberlehrling blieb aus. Für die 47 Jahre alte Britin, die mit der „Potter“-Reihe zur Multimillionärin wurde, beginnt eine neue Phase ihrer Karriere. Mit Blick auf die hohen Erwartungen von Kritikern und Fans in aller Welt hatte sie vorher betont: „Ich muss mir nichts beweisen.“ Rowling erzählt in dem Roman von den Verwicklungen nach dem Tod eines Gemeinderatsmitglieds in einem kleinen englischen Ort.

Das Buch war vor der Veröffentlichung streng geheim gehalten worden. Buchhandlungen erhielten die Lieferung vom Verlag erst am Vorabend in verplombten Kartons. Nur wenige große Medien weltweit durften vor der Veröffentlichung einen Blick in das Buch werfen.

Die ersten Einschätzungen der Literaturexperten fielen gemischt aus. „Es ist ein großer, ambitionierter, brillanter, profaner, lustiger, tief erschütternder und großartig eloquenter Roman über das zeitgenössische England“, schrieb das Magazin „Time“ auf seiner Homepage. Die britische Zeitung „The Guardian“ lobte, das Buch vermittle die Botschaft, Verantwortung für andere zu übernehmen - kam aber trotzdem zu einem eher negativen Fazit: „Es hinterlässt ein leichtes Gefühl der Enttäuschung.“ Deutlicher wurden die Rezensenten der „New York Times“: „Leider ist die Welt, die sie beschreibt, so vorsätzlich banal und bedrückend klischeehaft, dass ‚The Casual Vacancy‘ nicht nur enttäuscht - es ist niveaulos.“

„Das ist wirklich kein Buch für Kinder“, hatte Rowling in einem der wenigen Interviews, die sie zuvor gegeben hatte, dem Sender BBC gesagt. In dem Stoff verarbeite sie auch Themen, die ihr eigenes Leben mitbestimmt hätten, wie Armut und Depression. Angeblich soll es sich um ein heimliches Porträt des Ortes Tutshill bei Bristol handeln, wo Rowling als Mädchen lebte.

In deutschen Großstädten wie München, Hamburg oder Stuttgart gab es vor den Buchhandlungen keine Schlangen. Auch in Marburg blieb es eher ruhig, sagte Barbara Amend von der Universitätsbuchhandlung Elwert. Viele Buchläden in Rowlings Heimatland Großbritannien öffneten eine Stunde früher als üblich. Erwartet werden hohe Verkaufszahlen. Dies legen auch Reaktionen bei Online-Buchhändlern nahe, wo Rowlings neuer Roman gleich auf Spitzenplätze kletterte.

Schauspielerin Emma Watson, die in den „Harry Potter“-Filmen die Rolle der Hermine spielte, erklärte, sie hoffe, die Leser begegneten Rowlings neuer Schreibrichtung mit Offenheit und Unterstützung. „Eine solche Situation ist unvermeidlich nervenaufreibend, wenn so viel Aufmerksamkeit auf einem selber liegt, und darauf, was man tut und welche Entscheidungen man trifft.“

Der Hamburger Carlsen Verlag ließ zum Start zunächst eine halbe Million Bände drucken, hofft aber auf doppelt so hohe Verkaufszahlen. Carlsen veröffentlicht auch die E-Book-Version des Romans. Das Hörbuch wird nach Angaben des Münchner Hörverlags Ende Oktober/Anfang November erscheinen.

In Großbritannien wurden bei großen Buchmachern Wetten darauf abgeschlossen, dass „The Casual Vacancy“ am ersten Tag mehr als 2,6 Millionen mal verkauft wird. Dann hätte das Buch den siebten und letzten Harry-Potter-Band geschlagen.

Joanne K. Rowling: „Ein plötzlicher Todesfall“, Carlsen-Verlag, 575 Seiten, 24,90 Euro

von Britta Gürke und Elke Vogel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg