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Marburg Ausleihe dauert derzeit länger
Marburg Ausleihe dauert derzeit länger
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08:00 26.03.2018
Studentin Sina Schindler hat es geschafft: Sie hat vier Bücher aus der alten UB abgeholt.  Quelle: Kim Meulenbeld
Marburg

„Unser Ziel war es, die Beeinträchtigungen für die Nutzer so übersichtlich wie möglich zu halten. Das ist uns aus meiner Sicht gelungen“: Das sagt Renate Stegerhoff-Raab, die stellvertretende Leiterin der Marburger Uni-Bibliothek. Sie hat in den vergangenen Wochen federführend alle praktischen Aspekte des Umzugs betreut.

„Der Umzug erfolgt in mehreren Abschnitten, erläutert Stegerhoff-Raab im Gespräch mit der OP. Im Januar dieses Jahres startete der Umzug von der alten Bibliothek in den Neubau zunächst vor allem mit allen Beständen aus dem Magazinbereich der Zentralbibliothek, die nicht so häufig bestellt werden.

Es folgten dann in der nächsten Phase zum Start der Semesterferien die Bücher und Medien aus den 13 Bereichsbibliotheken, die ebenfalls in den Neubau umziehen. Dazu zählte beispielsweise die Bibliothek der Politikwissenschaften. Ziel war es, in dieser Phase die jeweiligen Umzüge so schnell wie möglich über die Bühne zu bekommen, aber trotzdem auch zwischendurch die Bücher möglichst schnell wieder ausleihbar zu erhalten.

Improvisationstalent war dabei aber vor allem bei den ­größeren Institutsbibliotheken ­gefragt. Das galt beispielsweise­ bei der Germanistik-Bibliothek, die laut Stegerhoff-Raab sieben Werktage für den Umzug benötigte. „Bücher, die in dieser Phase bestellt wurden, wurden möglichst von den Bibliothekaren noch rausgesucht“, erläuterte Stegerhoff-Raab.

Erfahrungsbericht einer Studentin

von Kim Meulenbeld

Als Studentin freue ich mich grundsätzlich natürlich über eine neue Universitätsbibliothek. Die alte Zentralbibliothek in der Wilhelm-Röpke-Straße ist ja auch wirklich keine Schönheit. Darüber, dass gerade jetzt in den Semesterferien, in denen viele Studentinnen und Studenten an ihren Hausarbeiten schreiben, die Bestände der Fachschaftsbibliotheken umziehen müssen, freue ich mich allerdings nicht.

Gar nicht, um genau zu sein. Für eine meiner Hausarbeiten möchte ich das Buch „Theorie U: von der Zukunft her führen; Presencing als soziale Technik“ ausleihen, das es in Marburgs Universitätsbibliotheken genau zweimal gibt. Eins der beiden Exemplare ist zurzeit ausgeliehen, das andere steht in der ­Bibliothek für Erziehungswissenschaften.

Das entliehene Exemplar ­gehört zum Bestand der Bibliothek Wirtschaftswissenschaften, in der bereits seit einigen Wochen die Selbstverbuchung, wegen Sanierungsarbeiten, nicht mehr möglich ist.

Der Standort des anderen Exemplars, die Bibliothek für Erziehungswissenschaften, ist bereits seit dem 26. Februar geschlossen. Das steht allerdings nicht im Katalog Plus, in dem man online nach Büchern, Autoren und Artikeln suchen kann, sondern auf der Homepage, der Bibliothek für Erziehungswissenschaften, die ich im Normalfall nicht besucht hätte. Dort erhält man dann schließlich die Info, wie man zurzeit an die gewünschte Literatur kommt.

Die benötigten Bücher müssen Online zur Leihstelle in der Wilhelm-Röpke-Straße bestellt werden, die Lieferzeit betrage in der Regel einen Tag.

Natürlich kann man einen Tag Lieferzeit in seinen Zeitplan integrieren. Trotzdem macht der Umzug der Universitätsbibliothek das Recherchieren nicht unbedingt einfacher, zumal man schnell den Überblick verliert, welche Bibliotheken umziehen und welche ihren Standort behalten.

  • Kim Meulenbeld war Praktikantin in der Redaktion der Oberhessischen Presse und studiert im 5. Semester­ ­Medienwissenschaft an der Philipps-Universität.

 

Abgesehen von der jeweiligen Übergangsphase des Umzugs gibt es aber für die bestellbaren Bücher, die bereits in der neuen UB stehen, bis zur Eröffnung des Neubaus eine Besonderheit. Sie werden nach einer Bestellung jeweils zweimal am Tag mit einem der Umzugswagen der Umzugsfirma vom Neubau in den Altbau transportiert, wo sie dann abgeholt werden können.

Das bedeutet, dass sich die Zeit von der Online-Bestellung bis zum Abholen verzögert. Statt bisher nach 45 Minuten können die Nutzer – vorwiegend Studierende – die Bücher erst nach einem Tag abholen. Diese grundlegende Einschränkung war vorab ausführlich kommuniziert worden. Das habe im Großen und Ganzen gut funktioniert. Möglicherweise sei aber nicht alles sofort an die richtige Stelle gekommen, meint Stegerhoff-Raab.

Die stellvertretende Bibliotheks-Direktorin bittet alle Studierenden um Verständnis für diese Einschränkungen des ­Bibliotheksbetriebs. Weil die bisherigen Institutsbibliotheken­ auch Lernorte waren, wurden sie teilweise auch nach dem Ausräumen wieder geöffnet, um während der Semesterferien weiter als Lernorte zur ­Verfügung zu stehen.

Die Zeit des Improvisierens wird aber bald vorbei sein: Voraussichtlich in der zweiten Aprilwoche beginnt der inoffizielle Testbetrieb in der neuen UB. Dieser erfolgt dann, wenn alle Bücher im neuen, erweiterten Freihand-Bereich stehen. Die offizielle Einweihung erfolgt am 30. April.

von Manfred Hitzeroth