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Marburg Aus Fundstücken wird Kunst
Marburg Aus Fundstücken wird Kunst
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18:20 21.11.2013
„Man darf den Bildern die Mühe nicht ansehen“, meint der Schweizer Künstler Alfonso Hüppi.Foto: Uwe Badouin
Marburg

78 Jahre alt ist Alfonso Hüppi. Zu merken ist davon nichts beim Gespräch im Kunstverein. Man bekommt höchstens dann eine Ahnung davon, wenn er beiläufig erwähnt, dass er die „schweren Sachen“ nicht mehr so ohne weiteres alleine bewegen könne.

Diese schweren Sachen sind meist aus Holz, eines der bevorzugten Materialien des Künstlers, der 1972 und 1977 zur Weltkunstausstellung documenta eingeladen wurde. Im gesamten Obergeschoss präsentiert der Kunstverein Hüppis Objekte. Bemalte Bretter und Holzreste, die er zu Objekten anordnet.

Alfonso Hüppi ist ein Sammler. Alles kann bei ihm zu Kunst werden. „Wenn eine Porzellanschale herunterfällt und zerbricht, dann schaue ich erst einmal, was daraus geworden ist“, sagt er. So hat er auch nicht die Fotos weggeworfen, die auf seiner letzten Reise mit seinen Kunststudenten in Armenien entstanden sind und eigentlich alle unscharf waren, weil niemand vorher die Kamera auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft hatte. Doch was macht man mit 200 unscharfen Fotos? Hüppi macht daraus großartige Kunst: Er hat die Fotos vergrößert, übermalt „und das herausgekitzelt, was nicht zu sehen war - Geister und Gespenster in gedeckten Farben.“ Die großformatigen Drucke auf einem festen Baumwoll-Canvas-Stoff sind im Erdgeschoss zu sehen. Gezeigt wurden sie schon in Seoul, in Canberra und Berlin.

„Die Bilder waren schon ein bisschen unterwegs“, sagt er. Das gleiche gilt für ihn. Von 1974 bis 1999 hatte er eine Professur für Malerei an der Kunstakademie in Düsseldorf inne. Immer wieder ist er in dieser Zeit mit Studierenden aufgebrochen in Regionen, die Touristen nur selten besuchen. Er war in Kurdistan, in Syrien, im Iran, im Vorderen Orient und in Afrika.

In Namibia etwa hat der seit 1964 in Baden-Baden lebende Künstler gemeinsam mit einem Freund auch ein Kunstmuseum gegründet - „mitten im Busch“. Und wer kommt dahin? „Niemand“, sagt er. „Das liegt völlig abseits.“ Wenn er dort sei und etwas zu essen brauche, müsse er jagen gehen. „Bespielt“ wird dieses „Museum im Busch“ von Kunststudenten, die für eine gewisse Zeit dort abseits jeden Trubels in einer Art Klausur arbeiten und ausstellen.

Hüppi hat Arbeiten aus 50 Jahren mit nach Marburg gebracht, einen kleinen Querschnitt aus seinem umfangreichen Werk. Arbeiten des Mitglieds der Akademie der Künste sind in vielen öffentlichen Sammlungen vertreten.

Die Ausstellung wird heute um 18 Uhr eröffnet. In das Werk führt Hüppis Freund Otte Jägersberg ein. Die Ausstellung ist bis zum 9. Januar zu sehen.

von Uwe Badouin

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