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Marburg Schlossberg-Center einsturzgefährdet
Marburg Schlossberg-Center einsturzgefährdet
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16:47 30.05.2018
Sintflutartiger Regen sorgte gestern in Marburg über Überflutungen. Im Schlossberg-Center herrscht derzeit Einsturzgefahr. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Aktualisierung 16.30 Uhr: Wie viel Regen kann das Marburger Kanalnetz überhaupt fassen? Diese Frage hat die OP den Stadtwerken gestellt. Für Starkregenereignisse wie am Dienstag seien die Rohrleitungen des Kanalnetzes nicht dimensioniert. „Unsere Kanäle sind auf einen Durchschnittsregen ausgelegt“, teilte Stadtwerkesprecherin Sarah Möller mit. „Die Berücksichtigung solch großer Regenmengen hätte Kanaldurchmesser zur Folge, die um ein Vielfaches größer als die vorhandenen Kanäle wären.“ Ein wirtschaftlicher Betrieb der Abwasseranlagen mit „moderaten Kanalgebühren“ seien dann nicht möglich, erklärt die Stadtwerke-Sprecherin.
Das Marburger Kanalnetz wachse stetig – aktuelles Beispiel sei die Marburger Straße. Doch würden solche Regenmassen wie vom Dienstag auch künftig „sicher nicht“ nur über das Kanalnetz aufgenommen werden können.

Aktualisierung 16.25 Uhr: Leserin Eva Kiltz berichtete der OP am Dienstag, dass der Zug von Frankfurt in Richtung Marburg im Unwetter kurz vor Niederwalgern auf freiem Feld stehenbleiben musse. Der Zugführer habe den Zug dann rückwärts bis Fronhausen fahren lassen, wo die Fahrgäste ausgestiegen seien. Dazu sagte ein Bahn-Sprecher am Mittwochnachmittag auf OP-Anfrage, dass durch den Sturm Äste in die Oberleitung geraten seien. Deshalb habe der Zug seine Fahrt nicht wie geplant fortsetzen können. Sonst habe es im Marburger Raum keine unwetterbedingten Probleme mit Bahnverbindungen gegeben.

Aktualisierung 16.00 Uhr: Wie die Stadt Marburg mitteilt, waren am Abend und in der Nacht alle 17 Stadtteilwehren im Einsatz. Carmen Werner, Einsatzleiterin der Feuerwehr, spricht vom stärksten Unwetterereignis seit Beginn des Jahrzehnts. Zum ersten Mal in diesem Zeitraum sei angesichts der Wettersituation „Vollalarm“ ausgelöst worden.

Die städtischen Fachdienste untersuchten am Mittwoch auch die Schäden an städtischen Gebäuden. Vor allem im Haus der Jugend in der Frankfurter Straße drang am Dienstagabend das Wasser in das Untergeschoss ein und stand 20 Zentimeter tief im Keller und im Discoraum des Jugendhauses. Die Feuerwehr pumpte mit Unterstützung von Hausmeister, städtischer Fachdienstleitung und Fachbereichsleiterin bis 24 Uhr das Wasser aus dem Keller. Die erheblichen Schäden werden am Mittwoch vom Fachdienst Hochbau der Stadt geprüft.

Zu Schäden kam es auch in mehreren Schulgebäuden der Stadt Marburg. So stand im Heizungskeller der Elisabethschule das Wasser etwa 60 Zentimeter hoch, die Heizungssteuerung ist dadurch ausgefallen, ebenso wie Lüftungsanlage und die Brandmeldeanlage. Auch der Schulhof der Elisabethschule stand etwa einen Meter unter Wasser, die rote Erde eines Teils des Außengeländes ist bis vor den Haupteingang geschwemmt worden. Die Feuerwehr pumpte bis Mitternacht die Keller aus.

In der Sophie-von-Brabant-Schule in Ockershausen ist durch einen Blitzeinschlag unter anderem die Brandmeldeanlage ausgefallen, außerdem drang Wasser in das Lehrerzimmer ein. In der Adolf-Reichwein-Schule stand der gesamte untere Bereich von Block B samt Küche unter Wasser, in der Schule am Schwanhof eine Dienstwohnung und das Archiv. Betroffen sind auch die Hausmeisterwohnung der Geschwister-Scholl-Schule, die Turnhalle der Richtsberg-Gesamtschule und die Mosaikschule. In der Otto-Ubbelohde-Schule (Toiletten und Keller) und in den Fluren der Erich-Kästner-Schule waren die Hausmeister in der Nacht damit beschäftigt, das Wasser zu beseitigen.

Der Parkettboden der Sporthalle des Philippinums stand nach dem Unwetter komplett unter Wasser. Die Folgen werden derzeit geprüft, die Schäden begutachtet. Auch in die Sporthalle der Jägerkaserne kam es zu einem Wassereinbruch. In der Georg-Gaßmann-Halle konnte der Hausmeister Schlimmeres verhindern. In der Stadtbücherei sowie in weiteren Verwaltungsgebäuden wie „Am Plan“ drückte der Starkregen durch die Fenster, in der Stadtbücherei hielt sich der Schaden jedoch in Grenzen. Im Stadtarchiv standen Böden unter Wasser – eingedrungen ist es durch die Eingangstür. Archivbestände sind dabei aber nicht zu Schaden gekommen.

Bis zu vier Zentimeter hoch stand das Wasser im zweiten Untergeschoss des Verwaltungsgebäudes in der Friedrichstraße. Größere Schäden konnten jedoch verhindert werden.

Im Aquamar drückte das Wasser vermutlich aufgrund eines Rückstaus durch die Gullys und setzte den Eingangsbereich, den Verkaufsshop, teilweise das Bistro sowie einen Teil des Flurs zu den Büroräumen und ein Büro unter Wasser. Das Wasser konnte jedoch in einige nicht verstopfte Gullys sowie über das Eingangsdrehkreuz und die Tür zurückgedrängt werden. Bereits beim Aufziehen des Gewitters war das Freibad geräumt worden. Der Badebetrieb im Hallenbereich konnte ungehindert weiterlaufen.

Wasser ist auch in die Kindertagesstätten am Erlenring und in der Erfurter Straße sowie in den Heizungsraum in der Goldbergstraße eingetreten.

Aktualisierung 14.05 Uhr: Von dem massiven Wassereinbruch im Marburger Schlossbergcenter und der daraus resultierenden Schließung des Gebäudes ist auch die Geschäftsstelle der Oberhessischen Presse betroffen. Für Kunden, Abonnenten und Interessierte sind wir natürlich weiterhin im Verlagsgebäude im Franz-Tuczek-Weg 1 zu erreichen. Sie haben Fragen an uns? Kein Problem: Den direkten Weg zum Online-Hilfecenter gibt es hier.   

Aktualisierung 13.14 Uhr: Auch Land- und Amtsgericht Marburg wurden vom Unwetter erwischt. Wassermassen hatten sich auf dem Mitarbeiterparkplatz gestaut. Durch den Druck zerbrachen Kellerfenster der beiden Gerichtsgebäude in der Universitätsstraße. „In manchen Kellerräumen stand das Wasser einen Meter hoch“, sagte Dr. Frank Oehm, Präsident des Landgerichts. Durch das Unwetter kamen auch Akten zu Schaden. Oehm geht allein beim Landgericht von „40 Kubikmetern Papier“ aus, die nun durchnässt sind und von einer Spezialfirma getrocknet werden müssen.

Welche Dokumente genau betroffen sind, ist noch unklar. „Ich hoffe, dass es nur Bei- und keine Hauptakten sind“, sagte Oehm. Zumindest in einem Fall aber seien auch Akten eines laufenden Prozesses betroffen. Schlimmeres habe eine Richterin auf Probe verhindert. Die „Heldin der Nacht“ (Oehm) habe ein Wasserrauschen gehört und sofort Alarm geschlagen.

Neben dem Papier kamen im Landgericht auch Schiebevorrichtungen für Akten zu Schaden. In den Geräten befinden sich Spanplatten, die durch das Wasser aufquollen. Das Amtsgericht traf es indes schlimmer – hier drangen auch Fäkalien aus der Kanalisation in den Keller ein, berichtet Oehm.

Aktualisierung 11.05 Uhr: Die Universitätsbibliothek ist seit heute morgen um 10 Uhr wieder geöffnet (Foto: Thorsten Richter). Das teilte Uni-Pressesprecherin Dr. Gabriele Neumann auf Nachfrage der OP mit. Das Regenwasser, das am Dienstag durch Lichtschächte ins Untergeschoss des Gebäudes eingedrungen war, sei inzwischen weitgehend beseitigt. Nach einem Hilferuf in den sozialen Medien beteiligten sich laut Neumann "sehr viele Helfer" bei den Aufräumarbeiten, "Studierende, Nachbarn, der Hausmeister, die Feuerwehr, Technikbetriebe".

Die Helfer setzen bis 3.30 Uhr in der Nacht Wassersauger und Pumpen ein, um die Überschwemmung zu beseitigen. Das Wasser hatte sich laut Neumann auf einer Fläche von etwa 4.500 Quadratmetern im Untergeschoss ausgebreitet, stand etwa zwei Zentimeter hoch auf dem Boden.

Der Literaturbestand habe kaum Schaden genommen. Bücher seien nicht betoffen, aber Zeitungen und Zeitschriften, die nun von einer Spezialfirma behandelt würden, um sie zu retten. "Sie werden erst eingefroren und später getrocknet, damit sie keinen Schaden nehmen, das ist das übliche Verfahren", erklärte Neumann.

Unwetter in Marburg

Die Ereignisse vom Dienstag können Sie hier nachlesen: Ticker zum Unwetter

Zur Schadenshöhe konnte die Uni-Pressesprecherin bislang keine Angaben machen. "Wir hatten Glück im Unglück." Zurzeit werde geprüft, ob ein Schaden an der Haustechnik entstanden sei.

Ob bauliche Mängel an der neuerrichteten und erst kürzlich eröffneten Uni-Bibliothek zu dem Wasserschaden führten, konnte Neumann nicht sagen. "Das wird geprüft." Vorsorglich würden die Lichtschächte, durch die das Wasser eingedrungen war, mit Sandsäcken gesichert, "falls weitere starke Gewitter kommen".

Aktualisierung: 10.28 Uhr: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen war Marburg von einem Unwetter heimgesucht worden. Als gestern am späten Nachmittag der sintflutartige Regen über der Lahnstadt hereinbrach, musste im Einkaufszentrum Schlossberg-Center nach einem Rohrbruch sofort mit dem Abpumpen begonnen werden. Von einem "massiven Wassereinbruch" spricht Florian Ebert, Haustechniker des Schlossberg-Centers.

Das Unwetter hat im Landkreis Marburg-Biedenkopf am Dienstag für überschwemmte Straßen und vollgelaufene Keller gesorgt. Die Feuerwehr ist im Dauereinsatz.

Ein altes Abflussrohr in der Decke über dem Fischrestaurant ist zerborsten, flutete die Decke und brachte diese zum Einstürzen. "Vollgesaugte Deckenteile können noch immer runterfallen, deswegen haben wir das Erdgeschoss rund um diesen Bereich komplett gesperrt", berichtet der Fachmann. 

Heute ist das komplette Obergeschoss sowie der Haupteingang gesperrt und eben auch Teile des unteren Bereiches. Besucher können den Eingang Gutenbergstraße uneingeschränkt nutzen. Bis Freitag soll das komplette Rohr ausgetauscht und die Schäden beseitigt sein, damit das Schlossberg-Center wieder normal öffnen kann.

Uni-Bibliothek derzeit geschlossen

Auch die neue Universitätsbibliothek in Marburg wurde Opfer der Regenmassen. Sie ist derzeit geschlossen, eine Krisensitzung wurde einberufen. Ob sie heute Nachmittag wieder öffnet, steht noch nicht fest. 

Von 170 Einsätzen spricht die Feuerwehr Marburg. "Und heute Morgen sind wir noch mit Aufräumen beschäftigt", erfuhr die OP auf Nachfrage.

Links zum Unwetter

von Katja Peters
und Carina Becker-Werner