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Marburg Auf den Spuren der Revolution
Marburg Auf den Spuren der Revolution
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18:23 14.08.2012
Student Franz (Andreas Krieg) will sich 1848 den Revolutionären in Baden anschließen. Mit Lisbeth (Corinna Kilger) verbringt er in der Marburger Oberstadt seinen letzten Abend.Foto: Björn-Uwe Klein
Marburg

Drei Studenten, drei Wege zur Revolution. Das ist der Stoff, aus dem das Stück des Theaters GegenStand besteht, das am Montagabend seine Premiere hatte. Es spielt zunächst am Vorabend der Revolution von 1848, bei der Studenten und Intellektuelle in verschiedenen Teilen Deutschlands gegen die bestehende fürstliche Ordnung aufbegehrten und mehr Bürgerrechte forderten. Im weiteren Verlauf des Stücks zieht sich die Handlung bis ins Zeitalter von Facebook. Die Orte, an denen die Theaterszenen gezeigt werden, wechseln. Der Walk-Act, an dem 33 Mitwirkende beteiligt sind, beginnt am Schloss und endet im Kerner.

Am Montagabend waren alle drei Vorstellungen ausverkauft. Mehr als 60 Besucher begleiteten in drei Gruppen jeweils einen Studenten durch das Marburg von 1848 bis 2012. Die Studenten haben unterschiedliche Charaktere. Entsprechend unterschiedlich verhalten sie sich in den Spielsituationen, so dass jede Gruppe, die im Abstand von 30 Minuten startet, den Abend etwas anders erlebte.

Student Franz (Andreas Krieg) ist ein eher verträumter Typ, der nur ungern auf die Freuden des Lebens verzichtet. Er pflegt zwei Liebschaften, die seinem revolutionären Gedankengut nichts abgewinnen können. Die Vorstellung, seine Freundinnen Lara (Corinna Kilger) und Lisbeth (Mareike Kempf) zurückzulassen und sich voll auf die Revolution zu konzentrieren, bringt ihn in Zweifel. Ebenso auch die Ansichten des inhaftierten Professors Silvester Jordan (Peter Gerst), der ihm ein Vorbild ist. Jordan mahnt „verantwortungsvolles Handeln im Rahmen der bestehenden Ordnung“ an. Eine bewaffnete Revolution lehnt er ab. Es kostet Franz große Überwindung, doch am Ende steht sein Entschluss, nach Baden zu reisen, wo die Revolution beginnen soll.

Auch Student Julius (Tobi Klös) ist nicht ohne Zweifel. Anders als bei Franz teilt seine Freundin Anna (Mareike Kempf) das revolutionäre Gedankengut und reist mit ihm. Verständnis erfährt auch der Student Thomas von Seiten seiner Freundin Lara (Corinna Kilger), die aber Angst um ihn hat und ihn zurückzuhalten versucht.

Viele Spielszenen mit viel Liebe zum Detail

Mit viel Liebe zum Detail wie zeitgenössischen Kostümen und starker Symbolik hat das Theater unter der Leitung von Stefan Blix und Willi Schmidt eine Vielfalt an Szenen entworfen, die das gesellschaftliche Klima zeigen sollen, in dem Revolutionen entstehen. So erleben die Besucher etwa eine Situation, in der Polizisten einen Protestmusiker (Bernd Duve) auffordern, keine sozialkritischen Texte mehr zu singen.

Aussagekräftig sind auch die Szenen, die sich auf einem Markt in der Wolfsburg abspielen. Etwa das Gespräch zwischen einer Lehrerin (Evelin Reinhardt) und einem Hochschulprofessor (Gunther Gruber). Beide echauffieren sich über den Sittenverfall. Was in der Schule beginnt, setzt sich an der Universität fort, ist sich der Professor sicher. Und er sehnt sich wie die Lehrerin, nach einem harten Durchgreifen.

Was aber sind gute Sitten? Für den Hochschulprofessor aus den 1930er Jahren und die Lehrerin aus den 1960er Jahren steht jedenfalls fest, dass Rocklänge, Schuhmode und das Verhältnis zum Küssen in der Öffentlichkeit erkennen lassen, wie es um die Sitten steht.

Das Stück stellt die Frage in den Mittelpunkt, wo Revolution beginnt. Der Begriff „Revolution“ wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet - auch aus einer sehr aktuellen: So sind sich die modernen Studenten Tom (Abhinav Sawhney) und Christopher (Manuel Bäuerle), die in der letzten Szene in Erscheinung treten, sicher, dass auch über Facebook Revolutionen möglich sind. „Von innen heraus“, wie sie betonen.

Die Darsteller hinterließen ein begeistertes Publikum. So manches Gespräch zwischen interessierten Besuchern und den Mitwirkenden ergab sich im Anschluss an die Aufführung. Thematisiert wurden zum Beispiel die häufig vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten einzelner Szenen oder auch Verständnisfragen zum historischen Hintergrund der Handlung.

„Vorabend“ ist bis Sonntag, 19. August, um 19.30, 20 und 20.30 Uhr zu sehen. Treffpunkt ist am Parkplatz am Schloss. Es empfiehlt sich der Vorverkauf bei MTM am Pilgrimstein, im Rotkehlchen in der Waggonhalle oder unter www.theater-gegenstand.de

von Björn-Uwe Klein

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