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Ein "Stern", der seinen Namen trägt

Asteroid nach Marburger benannt Ein "Stern", der seinen Namen trägt

Nach dem Marburger Mathematik-Studenten und Hobby-Astronom Daniel Bamberger ist jetzt ein Asteroid benannt worden.

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Daniel Bamberger (links) und Guy Wells freuen sich darüber, dass zwei Asteroiden nach ihnen benannt worden sind.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. Er bezeichnet sich selbst als „Asteroiden-Jäger“. Klar ist auf jeden Fall, dass der Marburger Mathematik-Student Daniel Bamberger ein ausgesprochenes Faible für Asteroiden (siehe „Hintergrund“) hat. Gemeinsam mit dem Briten Guy Wells hat er vor einigen Jahren ein Observatorium aufgebaut, das sich am Wohnort von Wells im Westen der britischen Hauptstadt London im Stadtteil Northolt befindet.

Seitdem Bamberger Wells im Jahr 2015 zufällig kennengelernt hatte, arbeiten die beiden zusammen bei ihrem gemeinsamen Anliegen. Zwar besucht Bamberger nach eigenen Angaben das Observatorium, das „Northolt Branch Observatories“ im Garten von Guy Wells üblicherweise nur einmal pro Jahr. Aber das Internet erlaubt es dem Marburger, auch aus  der Ferne mit seinem britischen Freund zusammenzuarbeiten. „Ich arbeite täglich an Beobachtungsplanung, Auswertung, Verbesserungsideen und anderem“, erläutert  Bamberger im Gespräch mit der OP.

5.000 Messungen

Mit Hilfe des Spezialteleskops in London können die Asteroiden beobachtet werden. Wenn sie fotografiert worden sind, folgen weitere Messungen, wozu beispielsweise die genaue Positionsbestimmung sowie die Schätzung der Helligkeit des Objekts gehört. „Ungefähr einmal pro Woche helfen wir mit, einen Asteroiden zu entdecken“, schätzt Bamberger.

Seit der Gründung des Observatoriums haben die beiden Amateur-Astronomen bereits 5.000 Messungen an erdnahen Asteroiden gemacht. „Wir sind das momentan aktivste Asteroiden-Observatorium in England und eines der 50 aktivsten weltweit“, berichtet Bamberger.

Jetzt gibt es eine große Anerkennung und Ehre für die beiden: Der Asteroid mit der Nummer 128345 trägt künftig den Namen Danielbamberger, und der Asteroid mit der Nummer 72834 heißt künftig Guywells. Das Recht der Namensvergabe hat in Sachen Asteroiden immer der Entdecker. Das ungeschriebene Gesetz lautet allerdings, dass er sie nicht nach sich selber benennen kann. In beiden Fällen hat dieses Mal der 1948 geborene, international anerkannte Amateur-Astronom Loren Ball aus dem US-Bundesstaat Alabama die Namen für die „Asteroidentaufe“ vorgeschlagen. Die Benennung ist immer ein langwieriger Prozess. Dem Namensvorschlag muss letztlich die Internationale Astronomische Union IAU zustimmen.

Nachricht kam am 1. April

Dies geschah in beiden Fällen. Bisher hatten beide Asteroiden keinen Namen, sondern nur eine Katalog-Nummer. Aus dem 2001 entdeckten Asteroid 2001 HQ16 wurde nun (72384) Guywells, und der 2004  entdeckte Asteroid 2004 GY18 wurde in (128345) Danielbamberger umbenannt.

„Die Nachricht kam übrigens am 1. April“, erklärt ­Daniel ­Bamberger. Er sei dann aber doch sehr froh gewesen, dass dies kein Aprilscherz gewesen sei. „Es ist cool“, freut sich der Marburger. Er habe zwar von den beiden Vorschlägen gewusst, aber natürlich nur hoffen können, dass sie Erfolg haben. Und Guy Wells sei sogar richtig davon überrascht worden.

Insgesamt findet Amateurastronom Bamberger es ein sehr faszinierendes Hobby, Asteroiden am Firmament zu beobachten. „Das Spannende ist es, wie viele es davon gibt und wie viele da draußen rumschwirren“, erzählt er.
Der nach ihm benannte Asteroid hat übrigens einen Durchmesser zwischen zwei und fünf Kilometer. Die genaue Material­art (Stein oder Metall) ließ sich bisher nicht genauer bestimmen. Die kürzeste Entfernung auf der Umlaufbahn des Asteroiden zur Erde ist übrigens etwas länger als die Entfernung von der Erde bis zur Sonne und beträgt rund 177 Millionen Kilometer. Derzeit ist der Asteroid in unseren Gefilden allerdings erst wieder ab November sichtbar.

von Manfred Hitzeroth

 
Hintergrund

Als Asteroiden werden astronomische Kleinkörper bezeichnet, die sich auf keplerschen Umlaufbahnen um die Sonne bewegen. Sie sind größer als Meteoriden (Millimeter bis Meter), aber kleiner als Zwergplaneten (tausend Kilometer).
Bislang sind mehr als 750 000 Asteroiden im Sonnensystem bekannt. Es sind aber wahrscheinlich weitaus mehr.

Asteroiden haben im Gegensatz zu den Zwergplaneten ­eine zu geringe Masse, um ­eine runde Form anzunehmen. Sie haben generell unregelmäßig geformte Körper.
Nur die wenigsten haben mehr als einige 100 Kilometer Durchmesser.

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