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Marburg Punkmusical macht globale Zusammenhänge verständlich
Marburg Punkmusical macht globale Zusammenhänge verständlich
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00:17 14.07.2018
Jungmusiker in Aktion (von links): Andy Little als Gabe, Karolin Blumenstengel als Nia und Maja ­Rodigast als Skazz. Quelle: Bettina Preussner
Marburg

Die Theatergruppe „Sonni Maier“ aus Witten trat im Rahmen des Marburger Ferienpasses in der Alten Mensa auf. Dabei gelang es den drei Schauspielerinnen und Schauspielern, mit fetziger Musik und gekonntem Spiel, die Kinder und Jugendlichen im Publikum mitzureißen und zu begeistern.

Das Musical „Global Playerz“­ war nicht nur toll gemacht und sehr unterhaltsam, es hatte auch durchaus Tiefgang. Es ging um zwei junge Frauen, Nia und Skazz, die in einer Band spielen. Ihre Gedanken kreisen vor allem um die Auftritte ihrer Gruppe, um einen Song-Contest und das passende Outfit für den großen Auftritt. Nia, die aus einer reichen Familie stammt, hat vor allem ihr Pony im Kopf und die Frage, ob das nächste Wellness-Wochenende klappt.

Ernstes Thema jugendgerecht präsentiert

Da werden die beiden ganz plötzlich mit der Realität in einem anderen Teil der Welt konfrontiert: Sie hören von der himmelschreienden Armut in Afrika. Katie, ein weiteres Bandmitglied, besucht dort gerade ihre Familie, die in einem Slum leben muss. Per Skype und Handy erfahren Nia und Skazz von Unterernährung und Perspektivlosigkeit, von Hunger und Verzweiflung und sind schockiert. Da beschließen die beiden Musikerinnen, nicht weiter untätig zu bleiben und etwas zu unternehmen.

Den Machern des Musicals gelang es, ein vielschichtiges und ernstes Thema jugendgerecht zu präsentieren. Das lag zum ­einen an der mitreißenden Musik und den schrill-bunten Kostümen, aber auch am Engagement und am Können der drei Darstellerinnen und Darsteller, die mit Herzblut bei der Sache waren.

Das Musical war nicht nur unterhaltsam, sondern auch informativ. So wurde auf einige der Ursachen der Armut in Afrika hingewiesen: Anbau von Futter- und Energiepflanzen für die Industrieländer und ausländische Investoren, die viel zu niedrige Löhne zahlen.

Praktische Tipps, wie junge Menschen helfen können

In der Show gab es dann ganz praktische Tipps, wie schon junge Menschen etwas gegen die Situation in Afrika unternehmen können, beispielsweise einen Sponsorenlauf mit der Klasse organisieren, beim Einkaufen auf Fairtrade-Produkte achten, weniger Fleisch essen und mehr Fahrrad fahren. Die Kinder und Jugendlichen waren begeistert von der Aufführung und bedankten sich am Ende mit viel Applaus. Schade nur, dass der kleine Saal in der Alten Mensa höchstens halb gefüllt war.

Das Theater „Sonni Maier“ wurde von der Theaterpädagogin Sonni Maier gegründet. Seit 2008 entwickelt sie Stücke für Jugendliche zu Problemthemen, die in ganz Deutschland sowie neun weiteren europäischen Ländern gezeigt wurden. Die Truppe erhielt 2016 den Deutschen Fair Trade Award. Fördergelder für das Theater kommen unter anderem vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, vom Ministerium für ­Familie, Kinder und Jugend Nordrhein-Westfalen und von Brot für die Welt.

von Bettina Preussner