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Arbeitsmarkt trotzt dem Februar-Frost

Arbeitslosenquote gesunken Arbeitsmarkt trotzt dem Februar-Frost

Der Winter kann dem Arbeitsmarkt im Landkreis nichts anhaben: Im Vergleich zum Vorjahr sank die Arbeitslosigkeit um 6,2 Prozent – 5 127 Menschen waren ohne Arbeit.

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Quelle: Oliver Berg

Marburg. „Spitzenreiter“ bei der Arbeitslosenquote ist das Hinterland: Dort sank die Arbeitslosenquote binnen Jahresfrist um 0,1 Punkte auf 3,5 Prozent. „Stadtallendorf war ja früher einmal unser Sorgenkind“, sagt Agenturleiter Volker Breustedt – doch diese Zeiten sind offenbar vorbei, denn in der zweitgrößten Stadt des Landkreises sind 1282 Menschen ­arbeitslos gemeldet, die Quote sank im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Punkte auf 4,0 Prozent. 

„Im Vergleich zum Vorjahr sind dort 186 Menschen weniger ­arbeitslos gemeldet, das ist ein satter Rückgang um 26,2 Prozent“, verdeutlicht Breustedt. Zurückzuführen sei dies vor allem auf „ein Unternehmen der Süßwarenbranche“, sagt er – doch gebe es „in allen Branchen Bewegung“.

Und auch in Marburg ist die Zahl der Arbeitslosen im Jahresvergleich um gut 100 Menschen auf 2.707 Personen zurückgegangen, was einer Quote von 4,1 Prozent entspricht.

Insgesamt sei auffällig, dass in den vergangenen Monaten immer weniger Menschen ihre Arbeit verlieren würden, wie Breustedt sagt: „Wer Personal hat, der hält es.“ Bemerkbar mache sich auch der milde Winter, „auch, wenn man das bei den derzeitigen Temperaturen nicht meint“, sagt der Agenturleiter. Doch die Witterung der vergangenen Tage habe noch keinen Einfluss auf die Statistik, „insgesamt war das Wetter gut, die meisten Gewerke haben durchgearbeitet. In der Folge hat der Zustrom an Arbeitslosen nachgelassen“.

Doch nicht alle Personengruppen können laut dem Agenturleiter von der positiven Stimmung am Arbeitsmarkt profitieren: Die Schwerbehinderten und die Ausländer. „498 Schwerbehinderte sind arbeitslos gemeldet, das sind fast 10 Prozent aller Arbeitslosen – dort gab es lediglich ein Minus von 0,8 Prozent“, sagt er. Mehr als die Hälfte – nämlich 258 – entfalle auf die Zuständigkeit des Kreisjobcenters (KJC).

„Vor diesem Hintergrund ist es völlig unverständlich, dass ein Projekt wie ,In‘, das sich hervorragend um die Vermittlung von Schwerbehinderten gekümmert hat, nicht fortgeführt wird“, sagt Breustedt. Die dort erzielten Vermittlungsquoten unterstrichen, dass solche Projekte notwendig seien – „und zwar nicht nur projekthaft“, wie der Agenturleiter betont, sondern als ­Regel-Angebot.

Zahl der neu gemeldeten Arbeitslosen ist gesunken

Bei den Ausländern gebe es einen leichten Anstieg um 1,3 Prozent auf 1.502 Arbeitslose, der Großteil ebenfalls in der ­Zuständigkeit des KJC. Die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten stieg binnen Jahresfrist um 2,4 Prozent oder 2.127 Menschen auf 90.604 Frauen und Männer.

Neu arbeitslos meldeten sich im Landkreis im Februar 1.529 Personen, 125 oder 15,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. Zuvor erwerbstätig waren 616 ­Personen gewesen. Gleichzeitig meldeten sich 1.571 Personen aus der Arbeitslosigkeit ab – 153 oder rund 9 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Die Arbeitgeber meldeten im Februar 721 neue Arbeitsstellen, was einem Zuwachs von gut 50 Prozent oder 243 Stellen entspricht. Aktuell sind 2.389 sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet, 346 oder rund 17 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Trotz der positiven Entwicklungen am Arbeitsmarkt mahnt Volker Breustedt bereits jetzt, dass es beim Thema Ausbildung und der damit verbundenen Beratung von Schülern einen extremen Nachholbedarf gebe. „Noch gibt es keine Zahlen – aber Tendenzen“, erläutert Breustedt. Und die liefen in die Richtung, dass sich nur sehr wenige Schüler über eine Ausbildung informierten.

Zwar gebe es „Altbewerber“, die im vergangenen oder dem vorherigen Jahr von der Schule abgegangen seien. „Aber wir stellen extremst fest, dass die Kollegen der Berufsberatung gerade in den Abgangsklassen der Realschulen fast keine Bewerber mehr bekommen. Denn die Tendenz geht stark in die Richtung, dass die Schüler die Schule fortsetzen, ins Ausland gehen oder ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren wollen“, erläutert Breustedt.

Dagegen sei nichts einzuwenden, „das ist alles wichtig und dient auch der Selbstfindung. Aber dennoch sollten sich die Schüler oder auch deren Eltern von uns unverbindlich beraten lassen“. Denn: Wenn die weiterführende Schule den Schüler ablehne, sei es in punkto Ausbildungsstelle vielleicht schon zu spät. „Wahrscheinlich wissen die wenigsten Schüler, dass sie auch erst eine Ausbildung machen können, dann ein Jahr Fachoberschule dranhängen – und so automatisch die Fachhochschulreife haben.“ Die Inanspruchnahme von Beratung sei derzeit „schlichtweg katas­trophal“.

Kreisjobcenter setzt auf verstärkte Aktivierung

Die Zahl der Arbeitslosen, die das Kreisjobcenter Marburg-Biedenkopf (KJC) betreut (Rechtskreis SGB II), ist im Februar auf 3.043 Personen gesunken. Das sind 6 Personen oder 0,1 Prozent weniger als im Januar. Gegenüber dem Vorjahresmonat sank die Zahl um 56 Personen oder 1,8 Prozent. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt unverändert zum Vormonat bei 2,3 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 2,4 Prozent.

„Die Lage auf dem regionalen Arbeitsmarkt im Februar weist eine stabile Arbeitslosenzahl aus – und das trotz eines Zuwachses an erwerbsfähigen Leistungsberechtigten“, erklärte der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Sozialdezernent Marian Zachow (CDU). „Erfreulich ist, dass wir durch starke Aktivierung und Qualifizierungen einen Zuwachs an Arbeitslosen vermeiden konnten“, so Zachow weiter.

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften stieg im Vergleich zum Vormonat um 60 oder 0,9 Prozent auf insgesamt 6.905 an. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen Anstieg um 201 oder 3 Prozent. Auch die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum Vormonat angestiegen: Um 105 oder 1,2 Prozent auf 9.084 Personen. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 4,1 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einem Anstieg um 354 Personen.

von Andreas Schmidt

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