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Appetit anregen oder Fliegen töten

Führung durch Universitätssammlung Appetit anregen oder Fliegen töten

Der Name dieser universitären Sammlung rutscht Laien nicht so leicht über die Zunge: Die Pharmakognostik hilft, Arzneirohstoffe zu erkennen. Das lernten die Besucher, die an einer Führung im Landgrafenschloss teilnahmen.

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Dr. Barbara Rumpf-Lehmann (Mitte) spricht über Pharmakognostik.

Quelle: Claudia Weber

Marburg. Ein altägyptischer Mumienschädel der Zoologischen Sammlung, das Gipsmodell eines Meteoriten aus der Mineralogischen Sammlung und ein fehlgebildeter Schädel des Medizinhistorischen Museums sind die vielleicht spektakulärsten Exponate der Ausstellung „Sehen und Verstehen“, durch die Dr. Barbara Rumpf-Lehmann in der vergangenen Woche die Besucher führte.

Die Vitrine der Pharmakognostischen Sammlung – ihres eigenen Fachgebiets – hingegen wirkt auf den ersten Blick, als hätte ein Kind darin seine Süßigkeiten vergessen. Lakritz und eine Schweppes-Flasche wirken ungewohnt zwischen den historischen Instrumenten und vergilbten Schriftstücken der anderen Sammlungen. Sie stehen jedoch für zwei von mehreren Verwendungsmöglichkeiten der ausgestellten Rohstoffe der medizinischen Drogensammlung, die der Botaniker Albert Wiegand im 19. Jahrhundert gründete. Chinin ist ein Inhaltsstoff von Bitter Lemon-Getränken, aber auch Bestandteil von Arzneien gegen Malaria und wird aus der südamerikanischen Chinarinde gewonnen. Diese stellte Apotheker im 19. Jahrhundert vor eine große Herausforderung, da sie die richtige aus 30 verschiedenen Sorten auswählen mussten. Hierbei half ihnen die Pharmakognosie – das Erkennen von Arzneirohstoffen. Lakritz wird aus Süßholzsaft hergestellt, während die Wurzel zu Hustenmitteln verarbeitet („geraspelt“) werden kann. Beides wurde zu früheren Zeiten in Apotheken gehandelt. Extrakte aus Bitterholz schließlich können sowohl den Appetit anregen, als auch Fliegen töten – ganz nach Bedarf und Dosierung.

von Claudia Weber

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Printausgabe der OP.

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