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Marburg Elisabethschule hat akute Raumnot
Marburg Elisabethschule hat akute Raumnot
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08:00 27.12.2018
Schon seit Jahren weichen Schüler der Elisabethschule auf Räume im Gymnasium Philippinum aus. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Schulleiter Tobias­ Meinel kommentierte den Brief wie folgt: „Das Schreiben des Magistrats hat bei allen Gruppen der Schulgemeinde Enttäuschung und Verärgerung hervorgerufen.“ Der Elternbeirat der Schule hat den Brief an die Eltern weitergeleitet und äußert dazu einige Kritikpunkte.

Der Magistrat verweist in seinem Schreiben auf das Bildungsbauprogramm (Bibap).­ 2016 konnten die Schulen Vorschläge mit Prioritäten einreichen, die darin Berücksichtigung finden sollen. Die Elisabethschule gab damals neue Klassenräume nur dritte Priorität, hinter einer „Campushalle“ und der Sanierung der Naturwissenschaften.

Neue Räume nach 2021?

Letztere soll noch umgesetzt werden, die beiden anderen Vorschläge nicht. Stattdessen wird derzeit die Fassade samt Fenstern saniert, eine Maßnahme, die auf Platz 6 der Prioritätenliste stand. Im Magistratsschreiben heißt es, das Gremium habe der Schule vorgeschlagen, mit den Mitteln des Bibap­ nun statt der Sanierung der ­Naturwissenschaften neue Klassenräume zu bauen. „Wir bedauern es außerordentlich, dass die Schulgemeinde von diesem Angebot keinen Gebrauch gemacht hat“, schreibt der Magistrat.

Dr. Markus Rose, Mitglied im Elternbeirat, sagt im OP-Gespräch, die Biologie- und Physikräume müssten dringend modernisiert werden, darauf wolle die Schulgemeinde nicht verzichten. Stattdessen sollten­ zusätzliche Mittel für neue ­Unterrichtsräume aufgebracht werden. Die Haushaltseinbringung habe gezeigt, dass es um die Finanzen der Stadt derzeit nicht schlecht bestellt sei.

Im Magistratsschreiben heißt es jedoch, eine Ausweitung des Bibap sei derzeit nicht beabsichtigt. Falls das Programm nach dem Jahr 2021 fortgesetzt werden soll, werde die Erweiterung der Elisabethschule aber „sicherlich ein zentraler Diskussionspunkt sein“.

Rückkehr zu G9 bringt zusätzlichen Jahrgang

Aus Sicht der Schulgemeinde wäre eine Investition nach 2021 aber zu spät. Denn bis dahin soll wegen der Rückkehr zu G9 ein ganzer Jahrgang zusätzlich an der Schule sein. Nach der Rechnung, die in der Resolution aufgemacht wird, wären dafür mindestens fünf Klassenräume mehr erforderlich. Und auch die Fachräume müssten vergrößert werden. Auch der Magistrat geht von rund 200 Schülern mehr aus, die jedoch nicht in mehr Klassen unterrichtet werden sollen.

Damit würde die Schüleranzahl in den einzelnen Klassen offenbar steigen. Bereits jetzt herrscht in vielen Klassen qualvolle Enge: Es gibt meist Klassengrößen von 27 bis 31 Schülern. Die werden teilweise in Räumen von unter 50 Quadratmetern unterrichtet. Das sind nicht einmal zwei Quadratmeter pro Schüler – so viel wie ein Einzelbett.

Schon seit mehr als zehn Jahren nutzt die Elisabethschule daher Räume im benachbarten Gymnasium Philippinum – aus Platzmangel. Im Schreiben des Magistrats heißt es dazu, Grund für die Auslagerung von drei Klassen seien lediglich die aktuellen Baumaßnahmen an der Fassade. An anderer Stelle jedoch sind die drei Unterrichtsräume am Gymnasium Philippinum für den Magistrat aber Teil einer Übergangslösung bis zum möglichen Bau einer Erweiterung, neben „internen Umorganisationsmaßnahmen“.

Eltern hoffen auf Dialog

Die Schulgemeinde fürchtet, die Räume in rund anderthalb Jahren nicht mehr nutzen zu können. Denn das Philippinum kehrt bereits ein Jahr vor der Elisabethschule zu G9 zurück und braucht die Räume dann womöglich selbst.
Allgemein sieht der Magistrat durchaus aufgrund von Ganztagesangeboten einen zusätzlichen Bedarf an Räumen. Um „dauerhaft die Raumsituation zu entlasten“ will die Stadtregierung prüfen, ob künftig weniger Schüler aufgenommen werden sollen. Die Schule wäre statt fünf- nur noch vierzügig.

Schuldezernentin Kirsten Dinnebier erklärt auf OP-Nachfrage, dass dann pro Jahr rund 30 ­Schüler weniger aufgenommen würden. Entgegen der Vermutung des Elternbeirats stellt Sabine Hollstein-Diehl von der Pressestelle des Hessischen Kultusministeriums auf OP-Anfrage klar: „Diese Entscheidung würde der Stadt Marburg als Schulträger obliegen und müsste nicht vom Kultusministerium getroffen werden.“ Aber selbst dann, wenn die Vierzügigkeit kommt, würden den Prognosen zufolge im Schuljahr 2021/22 immer noch rund 120 Schüler mehr als jetzt die Elisabethschule besuchen.

Wie die Schulgemeinde mit dem Antwortschreiben des Magistrats weiter umgehen möchte, ist derzeit noch unklar. Dr. Markus Rose­ aus dem Elternbeirat sagt ­jedoch, die Eltern hofften auf ­einen Dialog mit der Stadt. Zur Not werde man aber auch „auf die Straße gehen“.

von Freya Altmüller