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Marburg Menschen fliehen vor der Hitze ins Wasser
Marburg Menschen fliehen vor der Hitze ins Wasser
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00:17 01.08.2018
Der Seepark Niederweimar mit seiner Spaß- und Erlebniswelt erfreut sich dieser Tage einer großen Beliebtheit. Die Gäste nehmen ­dafür sogar recht weite Anfahrten in Kauf. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Lucien Gerkau, Betreiber des Seeparks in Niederweimar, will sich dieses Jahr nicht zu früh freuen. Auch im vergangenen Jahr sei der Sommer gut besucht gewesen, ein schlechter August habe aber die Jahresbilanz des Seeparks nach unten gezogen. „Das kann uns dieses Jahr auch noch passieren“, sagt Gerkau. Ein Resümee traut er sich erst Mitte September zu ziehen.

Gleichwohl sind die Besucherzahlen während der derzeitigen Hitzewelle erfreulich für den Seepark-Betreiber. 1 000 Menschen würden im Moment pro Tag nach Niederweimar strömen. Da viele mit dem Zug, Fahrrad oder Inlineskates anreisen würden, gebe es dennoch einige freie Parkplätze. „Es hat sich auf ein gutes Niveau eingependelt“, sagt Gerkau. Viele Menschen kämen gezielt morgens oder abends, wenn die ­Liegewiesen des Sees etwas leerer sind.

Während Gerkau die kontinuierliche Hitze erfreut, schlauchen die permanenten Besucherströme seine Mitarbeiter, sagt er. „Die gehen nach dem langen Sommer auf dem Zahnfleisch“, sagt Gerkau. Neue Arbeitskräfte seien deshalb willkommen, denn das bestehende Personal „würde sich über eine Entlastung freuen“.

Badetipps

Sascha Hörmann, Pressesprecher bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft in Marburg gibt Tipps zum ­Baden. Insbesondere bei ­hohen Temperaturen sollten laut Hörmann die folgenden Hinweise beim Schwimmen und in der Nähe von Gewässern beachtet werden:

  • Langsam ins Wasser ­gehen, damit sich der Körper auf das kühle Nass einstellen kann und das Herz-Kreislaufsystem nicht unnötig belastet wird.
  • Nicht alleine schwimmen, damit Hilfe in der ­Nähe ist, falls man die eigenen Kräfte überschätzt. „Das gilt erst recht für das Schwimmen in der Nähe von Wehranlagen, Schleusen oder auch Brücken. Dort lauern zum Teil gefährliche Strömungen, die man aus dem Schwimmbad nicht kennt und die besondere Herausforderungen mit sich bringen können“, sagt Hörmann.
  • Nicht in unbekannte ­Gewässer springen, da man dort durchaus auf ein Fahrrad, Einkaufswagen oder einen anderen Gegenstand mit erheblicher Verletzungsgefahr treffen könnte.
  • Smartphone beiseite ­legen, damit badende Kinder nie unbeobachtet sind. „Bei Kindern unter 15 Jahren ist Ertrinken die zweithäufigste Unfallart mit tödlichem Ausgang“, sagt Hörmann, „Erwachsene müssen immer in direkter Griffnähe sein.“

Angesichts der aktuellen Temperaturen und der Wasserknappheit steige in vielen Naturseen und Flüssen die Bakterienzahl. Hörmann rät, kein Wasser zu verschlucken und nach dem Baden schnell zu duschen. „Wer nicht nur diese Regeln beherzigt, sondern auch darüber hinaus grundsätzlich Rücksicht auf Mitmenschen und die Natur nimmt, sollte eine angenehme Zeit am und im Wasser verbringen können“, ist sich Hörmann sicher.

Vom bisherigen Supersommer profitiert neben dem Seepark auch das Marburger Bad. Über eine grundsätzlich hohe Besucherzahl im Marburger Freibad berichtete Rolf Klinge, Bäderchef des städtischen „Aquamar“ in Marburg. Allerdings ­habe es keine Spitzentage mit bis zu 2 500 Besuchern wie in den vergangenen Jahren gegeben. Stattdessen seien in den Sommerferien im Freibad kontinuierlich zwischen 700 und 800 Besucher verzeichnet worden‚ wohl auch wegen der hohen Anzahl an aufeinander folgenden sonnigen Tagen. Positiv daran: die Parkplatz-Situation war in diesem Sommer bisher nie so richtig angespannt.

Beim „Aquamar“ gibt es den Spe­zialfall, dass es ein Kombibad aus Freibad und Hallenbad ist, das in den Sommerferien mit einem Kombiticket auch gemeinsam benutzt werden kann. Bereinigt wurden als Freibadbesucher seit der Freibadöffnung im Mai bisher rund 45.000 Besucher gezählt. Das sind nach Angaben Klinges deutlich bessere Werte als noch im vergangenen Jahr.

Stressig ist es in Weidenhausen und Gladenbach. Nicht etwa für die Gäste von Freibad und Nautilust, sondern für die Angestellten. „Das ist jetzt eindeutig die besucherstärkste Zeit“, sagt Günter Euler, Geschäftsführer­ der städtischen Gesellschaft SEB (Stadtmarketing – Energie – Bäder). Und klar: Je mehr Menschen sich in den Becken tummeln, desto aufmerksamer muss das Personal sein. „Es ist schon eine Menge zu tun, aber momentan bekommen wir das noch gut gestemmt“, sagt Euler.

DLRG hilft am Wochenende bei der Badeaufsicht

Besonders dankbar ist er für die Hilfe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, die in den Bädern am Wochenende einen Teil der Aufsicht übernimmt. „In der Ferienzeit bekommen wir zudem auch immer verstärkt Unterstützung durch Schüler und Studenten, die sich etwas dazuverdienen möchten“. Natürlich müssen ­alle Kräfte mindestens einen Rettungsschein in Silber vorweisen.

An den Öffnungszeiten der Bäder rüttelt Euler indes nicht. „Es hat sich gezeigt, dass auch bei einer früheren Öffnung des ­Bades nicht automatisch mehr Besucher kommen“.

Starker Nachfrage erfreuen sich auch die Waldschwimmbäder. Auch „weil einige Seen wohl bereits drohen, umzukippen“, sagt Bernd Jung, Vorsitzender des Fördervereins in Kirchvers. Noch könnte das Bad den Andrang stemmen. „Diese Woche hatten wir volles Haus. Da war die Kapazität fast erschöpft“, sagt Jung. Das Waldschwimmbad hätte aber noch nicht wegen Überfüllung schließen müssen. In Dautphetal-Holzhausen sieht es ähnlich aus. An einzelnen Nachmittagen habe man zuzüglich zu den Jahreskarten mehr als 300 Einzelkarten verkauft. Dann bräuchte das Bad mehr Bademeister als geplant. „Wir haben ziemlich viele Mitarbeiter aus dem Ort. Die können schnell hochkommen – oder sind eh schon da und kommen einfach dazu“, sagt Bademeisterin Mathea Michel.

Baustelle hält Stammgäste vom Schwimmen ab

In Rauschenberg sind die Besucherzahlen nahe am Rekord. „Sollte es so weitergehen, werden wir wohl unser bestes Jahr erleben“, sagt Andrea Vitt, Büroleiterin der Stadtverwaltung. Stand Donnerstagabend kamen seit Saisoneröffnung 15 203 ­Besucher, allein am Donnerstag waren es 580. Nach der wetterbedingt schlechten Saison 2017 sind die Zahlen in Stadtallendorf aktuell hervorragend. In dieser Woche kamen zeitweise mehr als 1 100 Besucher am Tag in das Bad am Stadion. Aktuell liegt die Gesamtbesucherzahl bei 16 834 (Stand Donnerstag). Im Jahr 2017 waren insgesamt 14 460 Besucher im Bad.

Auch in Neustadt und Kirchhain sind die Besucherzahlen derzeit weitaus höher als im Normalfall. Durchschnittlich kamen nach Angaben der Stadt Kirchhain in dieser Woche rund 1 500 Menschen ins Freibad, der Spitzenwert lag bei knapp 1 800 Badegästen – an „normalen Sommertagen“, bei denen die Temperaturen um die 25 Grad liegen, seien es sonst um die 1 000 Besucher. Verdreifacht haben sich die Zahlen im Neustädter Freibad – für das die Stadt seit einigen Monaten die Sanierungspläne vorantreibt.

Zwischen 600 und 700 Menschen tummelten sich zumeist auf der Anlage – sonst sind es im Sommer täglich um die 200 Gäste. „Aber natürlich wechselt das von Tag zu Tag und ist von den äußeren Bedingungen abhängig“, betont Thomas Dickhaut, der Leiter des Fachbereichs II.

Allerdings seien die derzeitigen Besucherzahlen nichts im Vergleich „zu früher“, als meist mehr als 1 000 Badegäste kamen: „Die Zeiten haben sich geändert. Zu vielen Eigenheimen gehören inzwischen Pools“, analysiert er und stellt heraus, dass auch noch Sommerferien und mithin weniger Bürger in ihrer Heimat seien, was sich ebenfalls negativ auswirke.

Das Lahnauenbad in Biedenkopf ist noch entfernt von ­Rekordzahlen. „Wenn es nicht die vierwöchige Vollsperrung in Eckelshausen gegeben hätte, wären wir mit unserer Auslastung aber wohl auch an der Obergrenze“, sagt Denise Jung, 1. Vorsitzende des Fördervereins.

Durch die Bauarbeiten seien treue Stammgäste zu Hause­ geblieben. Seit Donnerstagabend aber ist die Straße wieder geöffnet. Jung geht davon aus, dass nun die Besucherzahlen ansteigen.

von unseren Redakteuren