Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Angeklagter wollte Feuer mit Papier löschen
Marburg Angeklagter wollte Feuer mit Papier löschen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 07.09.2018
(Symbolfoto) Versuchter Mord und Brandstiftung? Im November soll ein Mann aus Marburg mit einem Stück Papier und einem Teelicht absichtlich seine Wohnung angezündet haben. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Laut Anklage soll der Marburger in der Nacht auf den 20. November 2017 seine Wohnung in der Straße An der Zahlbach absichtlich in Brand gesetzt haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe dabei zumindest billigend in Kauf genommen, dass sieben andere Hausbewohner dabei zu Schaden kommen oder sogar getötet werden könnten. Die Brandstiftung räumte der Angeklagte ein, gab aber zu Protokoll, er halte den Vorwurf des versuchten Mordes für unangemessen.

Seine Erklärung: Er habe keinen Brandbeschleuniger benutzt, sondern lediglich etwas Papier über ein brennendes Teelicht gehalten – um es zu löschen. Das Teelicht habe bereits gebrannt, als er nachts plötzlich wach geworden sei. Den Grund dafür könne er sich nicht erklären, meinte der Angeklagte. Bei seinem Löschversuch sei erst eine Ecke des Papiers in die Flamme geraten, die er sodann mit einem anderen Papier zu ersticken versuchte. Wie er auf die Idee gekommen sei, Feuer mit Papier zu löschen, dessen Brennbarkeit ihm durchaus bekannt sein dürfte, wusste der Beschuldigte ebenfalls nicht mehr. Das Ganze sei in einer manischen Phase seiner diagnostizierten bipolaren Störung passiert, wenngleich er sich „nicht hinter der Krankheit verstecken“ wolle.

Nachdem sich das Feuer in seiner Wohnung ausbreitete, hatte er sich auf die Außentreppe des Hauses an einen Tisch gesetzt, was mehrere Feuerwehrleute bestätigten. Trotz der Gefahr weigerte er sich, seinen Platz in unmittelbarer Nähe der brennenden Wohnung zu verlassen.

Die Gruppenführerin der freiwilligen Feuerwehr versuchte ihn vergeblich von dort wegzuholen – erst als der hinzueilende Zugführer den Tisch, an dem der Mann saß, vom Treppenabsatz auf die Wiese warf, begab sich der Mann in Sicherheit. Den Einsatzkräften gegenüber hatte er da bereits bestätigt, den Brand gelegt zu haben.

Dabei wirkte der Mann „irgendwie fahrig“, schilderte die Gruppenführerin seinen Zustand. Außerdem habe er sich angesichts des brennendes Hauses „seltsam ruhig“ verhalten. Eine Blutuntersuchung des Beschuldigten ergab später, dass er weder Alkohol noch andere Drogen konsumiert hatte. Er gilt als schuldunfähig. Auf die Frage, ob sich noch andere Personen in den Wohnungen des Mehrparteienhauses befänden, habe er geantwortet: „So verrückt bin ich ja nun auch nicht. Ich mach das nicht, wenn da jemand drinnen ist.“ Tatsächlich hatten sich bereits alle weiteren Hausbewohner auf der Straße in Sicherheit gebracht.

von Melchior Bonacker

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.