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Alter Stoff in einem neuem Kleid

Theater Alter Stoff in einem neuem Kleid

Das ewige Menschheitsthema von Adam und Eva wird in „Der Liebhaber“ von Literaturnobelpreisträger Harold Pinter auf die Spitze getrieben.

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Nach einer unbedachten Frage ist nichts wie zuvor: Richard (René Rösler) und Sarah (Magdalena Kaim) verfangen sich in einer Liebes- und Identitätskrise.

Quelle: Kristina Gerstenmaier

Marburg. Mit diesem Stück brachte Regisseur Peter Gerst eine Neuinszenierung des für „Absurdes Theater“ bekannten Autors Harold Pinter auf die Bühne. Es behandelt die Liebesbeziehung zwischen Richard (gespielt von René Rösler) und Sarah (Magdalena Kaim).

Die Handlung setzt ein an einem Morgen, der eine Wende für das Paar einleitet. Richard macht sich krawatte-bindend für die Arbeit bereit. Sarah trinkt noch im Morgenmantel Kaffee.

Dann bricht er ein Tabu, das zwischen den beiden herrscht, indem er Fragen über Sarahs Liebhaber stellt, der sie am Nachmittag besuchen wird.

Was zunächst als bürgerliches Beziehungsdrama um Liebe und Eifersucht erscheint, verstrickt sich im Laufe des Stücks immer mehr, wird ungreifbarer, bis sich der Zuschauer irgendwann der wahren Identitäten der beiden Protagonisten bewusst wird. Erst ganz zum Schluss erschließt sich ihm die Tragweite des Rollenspiels, in das sich das Paar verstrickt, und die Doppeldeutigkeit der Dialoge. Wer den Stoff nicht kennt, bleibt verwirrt zurück.

Dabei wartete Regisseur Peter Gerst mit einer Inszenierung auf, die den schwer zugänglichen Stoff in eine Art Zeitlosigkeit versetzt. Akribisch und behutsam hatte er das 1963 uraufgeführte Stück aller Elemente, die auf die 60er Jahre hindeuten, entledigt und sterilisiert beziehungsweise einer bestimmten Epoche enthoben.

Das Bühnenbild, die Wohnung der beiden, kommt mit einigen wenigen stil- und kunstvoll angeordneten Requisiten und Einrichtungsgegenständen aus.

Auch der Text ist vor allem von den Geschlechterrollen der 60er Jahre befreit und in die heutige Zeit versetzt. Gerst war es dabei wichtig, dass sich der Zuschauer nicht von überkommenen Rollenklischees oder eindeutigen epochalen Zuordnungen dazu verleiten lässt, die Thematik des Stücks in eine andere Zeit zu versetzen. Jeder soll sich jederzeit darin wiederfinden können.

Das Stück besteht vor allem aus Dialogen, die sich zuweilen beinahe zu Stillleben verlangsamen. Vorangetrieben durch moderne, meist melancholische Musik, die die Szenen miteinander verbindet, steigert es sich und folgt einer Dramaturgie, die sich bis zum Schluss immer weiter erhöht. Die Dialoge nehmen an Tempo und Intensität zu.

Im Gegensatz zu anderen Inszenierungen enthebt sich diese der Zeit und stellt so die Beziehung zweier Menschen zueinander in den Mittelpunkt.

Eine gelungene Inszenierung, die vor allem durch die ausdrucksstarke Mimik und brillante stimmliche Ausdrucksfähigkeit der beiden Schauspieler des Vereins Theater GegenStand überzeugt.

Weitere Aufführungen finden Samstag und Sonntag um 20 Uhr in der Waggonhalle statt.

von Kristina Gerstenmaier

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