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Alte Schätze werden neu präsentiert

Universitätsmuseum Alte Schätze werden neu präsentiert

Seit wann gibt es Kunst? Darüber streiten Gelehrte. Der französische Avantgarde-Künstler Robert Filliou hat den Geburtstag der Kunst willkürlich auf eine Million Jahre vor dem 17. Januar 1953 festgelegt. Heute ist also der Geburtstag der Kunst.

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Der Restaurator Ulrich Ostendorf präsentiert eine Münze aus einem keltischen Münzschatz bestehend aus 200 goldenen „Regenbogenschüsselchen“, der 1880 in Mardorf gefunden wurde. Das Marburger Universitätsmuseum besitzt fünf Münzen, der Rest befindet sich im Landesmuseum in Kassel.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. „Alles begann an einem 17. Januar vor 1000000 Jahren“, schrieb der Avantgardekünstler Robert Filliou im Jahr 1963. „Ein Mann nahm einen trockenen Schwamm und ließ ihn in einen Eimer Wasser fallen. Wer dieser Mann war, ist nicht wichtig. Er ist tot, aber die Kunst ist lebendig.“ Es ist die Geburtsstunde der Kunst, behauptete der 1987 verstorbene Künstler. Das ist künstlerische Freiheit, aber wissenschaftlicher Unsinn. Doch eines hat Filliou damit erreicht: Der 17. Januar macht auf die Präsenz der Kunst im täglichen Leben aufmerksam.

Doch wann beginnt die Kunst? „Aus der letzten Eiszeit vor rund 40000 Jahren sind die ersten Werke darstellender Kunst überliefert“, sagen Dr. Christoph Otterbeck, Direktor des Marburger Universitätsmuseums, und der Vor- und Frühgeschichtler Dr. Tobias Mühlenbruch. Damals entstanden die Höhlenmalereien im spanischen El Castillo und in den berühmten Höhlen von Chauvet und Lascaux. Und es gibt erste, geschnitzte Reliefs auf Knochen und Elfenbein. Auch Musik müssen die Menschen damals schon gekannt haben, betont Mühlenbruch und verweist auf ganz frühe Flöten.

Die beiden Wissenschaftler haben die OP für den Art‘s Birthday, den Geburtstag der Kunst, einen Blick in die derzeit geschlossene Abteilung für Vor- und Frühgeschichte des Universitätsmuseums im Schloss werfen lassen.

Die komplette Abteilung wird derzeit neu gestaltet. Otterbeck hofft, dass zumindest ein Teil der Ausstellung in einem der Kellergewölbe im Sommer freigegeben werden kann.

In Vitrinen lagern dort wahrhaft alte Schätze. Es sind hunderte Exponate aus einem Zeitraum, der rund 500000 Jahre umfasst: Faustkeile und sogenannte Chopping Tools, also einfache Schneidwerkzeuge aus Stein, die etwa 500000 Jahre alt sind und in Münzenberg bei Gießen gefunden wurden. Es gibt Becher, Tongefäße aus der Jungsteinzeit um etwa 5500 vor Christus, Steinbeile aus dieser Epoche aus Speckswinkel, Amöneburg, Betziesdorf und Burgholz. Diese Werkzeuge waren aus heutiger Sicht einfach, aber sie waren wirkungsvoll: „Damit konnte man Bäume fällen“, sagt Mühlenbruch.

Aus einem 1931 bei Lohra entdeckten Megalithgrab stammen Schalen, Becher, Tassen und Krüge. Gut 20 Menschen wurden dort etwa 3000 vor Christus mit diesen Beigaben bestattet.

Viele Funde aus der Bronzezeit um 2200 bis 800 vor Christus aus Amöneburg, Caldern und von den Lahnbergen liegen in dieser Abteilung des Museums: Schmuck, Waffen, Pfeilspitzen und Beile.

Otterbeck und Mühlenbruch wollen die Ausstellung moderner und zeitgemäßer präsentieren. Gemeinsam mit 15 Studierenden entwickelt Mühlenbruch ein Konzept.

Das Problem ist, wie so oft, das Geld. Für eine wirklich moderne, sinnliche und haptische Präsentation, etwa den Nachbau von Steinzeithöhlen oder Bronzezeithütten, fehlen den Wissenschaftlern die Mittel.

Dennoch gibt es in der Sammlung viele alte Schätze zu entdecken, wie etwa einen keltischen Münzschatz: 1880 wurden bei Mardorf 200 kleine, sorgfältig geprägte Goldmünzen entdeckt. Fünf bekam das Universitätsmuseum, der Rest liegt im Landesmuseum in Kassel. Die Sammlung endet mit Exponaten aus dem Hochmittelalter.

von Uwe Badouin

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