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Alte Musik in jugendlicher Frische

Schlosskonzert Alte Musik in jugendlicher Frische

Das zweite diesjährige Schlosskonzert war genau das Richtige für die 150 Liebhaber der Musik aus Renaissance und Barock: Das Boreas Blockflöten Quartett aus Bremen verlieh den Werken jugendlichen Charme und Esprit.

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Das Boreas Blockflötenquartett Bremen spielte im Fürstensaal des Marburger Schlosses Musik aus der Zeit der Renaissance und des Barocks.

Quelle: Helmut Rottmann

Marburg. Die vier jungen Musikerinnen sind noch nicht in Routine erstarrt. Das spontane Austeilen von einigen Programmen während des zweiten Schlosskonzerts am Samstagabend im Marburger Fürstensaal mit Zusatzinformationen zu den Werken war eine nette Geste. Fix verdoppelte man die wenigen Blätter mit dem Hinweis, dass ja immer zwei Besucher in ein Blatt reinschauen können. Für Heiterkeit sorgte auch die Ansage der Zugabe vor dem letzten Programmpunkt.

Das Spiel des Boreas Quartetts Bremen mit Jin-Ju ­Baek, Elisabeth Champollion, Julia Fritz und Luise Manske auf unterschiedlichen Blockflöten war bezaubernd. Die vier Musikerinnen verliehen der Musik aus dem 14. bis Ende des 18. Jahrhunderts unter dem Programmtitel „En vray amour“ jugendliche Frische, gepaart mit Charme und Esprit.

Das Quartett verlieh schlichten Melodien und Harmonien weichen Klang, ummantelte sie mit Zartheit und Weichheit. Es hörte intensiv in den einzelnen Ton und den Ensembleklang hinein und schenkte beiden die Zeit, sich in ihrer obertonreichen Farbigkeit in der exzellenten Akustik des Fürstensaals zu entfalten.

Die vier Musikerinnen spielten ebenmäßig und gleichwertig, schmückten Melodie und Harmonik reichlich mit kunstvollen Verzierungen und Umspielungen aus. Sie schwelgten in Tongirlanden, glitten galant durch Tonarten und Rhythmen, knüpften um den Cantus firmus herum ein feines Netz aus Kontrapunkt und Polyphonie.

Das Quartett warf sich über dem orgelpunktartigen Tonfundament geschickt tonale Frage- und Antwortsequenzen zu, wechselten leichten Tons in tänzerische Elemente, um all dies mit solistischen Einlagen zu garnieren. Das Ergebnis war immer ein exzellentes Klangmenü für die Ohren.

Glanzpunkte des Abends waren fünf der knapp 80 nicht choralgebundenen Orgelwerke Johann Sebastian Bachs. Von begeisternder Leichtigkeit des flüssig-fließenden Spiels verträumter Melodik in farbenreicher Harmonik zu Fugen in transparentem Klang: Das Boreas Blockflötenquartett Bremen musizierte mit toller Atemtechnik in leidenschaftlicher Virtuosität.

Es setzte mit feinsinniger Agogik bewundernswert zarte Nuancen und dezente Akzente. Dabei verschmolzen schwingende Töne zu zarten Klangwolken, die durch den Fürstensaal schwebten, um sich, wie im Largo, in Lieblichkeit, Sanftheit und Zärtlichkeit aufzulösen.

Am Ende gab es für die Künstlerinnen stürmischen Beifall, der sich zu rhythmischem Klatschen steigerte. Dafür gab es als bereitwillig gewährte Zugabe die „Flashing flutes“ von Piet Swerts nebst Anekdote - beide höchst amüsant.

Beim nächsten Schlosskonzert am Samstag, 18. August, um 20 Uhr im Fürstensaal Marburg, spielen Gambistin Simone Eckert und Cembalist Michael Fürst Musik des 18. Jahrhunderts.

von Helmut Rottmann

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