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Marburg Als sei man in der New Yorker Metropolitan Opera
Marburg Als sei man in der New Yorker Metropolitan Opera
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20:57 01.10.2009

Marburg. Die Marburger sind dabei, wenn die New Yorker Besucher ihre Plätzen in dem weltgrößten Opernhaus einnehmen, hören das Gemurmel des Publikums, sehen wie der Dirigent James Levine zum Pult geht, das Orchester einsetzt, Karita Mattila, Marcelo Álvarez und George Gagnidze die tragische Geschichte von Liebe, Gefahr und Verrat im italienischen Original singen. Die deutsche Übersetzung wird als Untertitel eingeblendet.

Per Satellit werden Bilder von einem Dutzend zum Teil mobilen Kameras ins Marburger Cineplex geschickt. Damit sind die Zuschauer im fernen Deutschland visuell näher am Geschehen dran als die Amerikaner in ihren Logen. In den beiden Pausen, die Übertragung dauert etwa 3,5 Stunden, zeigen die Kameras mal das Publikum beim Smalltalk im Foyer, mal Interviews mit Darstellern, mal fahren sie hinter die Kulissen der „Met“ und in die Garderoben.

Die Tragödie „Tosca“ spielt in Rom im Juni des Jahres 1800. Den Truppen des Königs Ferdinand IV. von Neapel war es gelungen, die französischen Revolutionstruppen, die den Kirchenstaat erobert hatten, vo rübergehend zu vertreiben. Cesare Angelotti, der von den Franzosen in die Regierung berufen worden war, wird von der Geheimpolizei eingekerkert. Chef dieser Polizei ist der finstere Baron Vitello Scarpia, dessen Part in Luc Bondys Neuinszenierung von dem georgischen Bass George Gagnidze übernommen wird.

Der Maler und Freidenker Mario Cavarodossi und die Sängerin Floria Tosca lieben sich, doch der Chef der Geheimpolizei hat sein Herz für die Schöne entdeckt.
Scarpia lässt Cavarodossi verhaften. Er will ihn erst wieder freilassen, wenn Tosca mit ihm eine Liebesnacht verbringt. Tosca stimmt zu, doch sobald sie das Begnadigungsschreiben in der Hand hält, ersticht sie Scarpia und flieht. Als sie erfährt, dass ihr geliebter Cavarodossi erschossen wurde, stürzt sie sich von der Engelsburg.

Die historische Geschichte diente Puccini einzig als Folie für sein Drama der Leidenschaften mit Dreiecksdramaturgie, urteilt der Brockhaus „Musik“. Doch anders als damals üblich, stemmt sich Tosca als leidenschaftlich liebende Frau mit aller Macht gegen das Schicksal und wird so zu einer der eindrucksvollsten Figuren der Operngeschichte.

„Tosca“ wurde am 14. Januar 1900 im Teatro Costanzi in Rom uraufgeführt, das Libretto schrieben Giuseppe Giacosa und Luigi Illica nach einem Drama von Victorien Sardou. Puccini (1858 – 1924) interpretiert mit „Tosca“ ein Thema der normalen Welt, es geht nicht um Sagengestalten und Königshäuser.

Luc Bondys moderne Inszenierung in der New Yorker Met hat beim eher konservativen amerikanischen Publikum große Kontroversen ausgelöst. Europäer sind mehr Experimente gewohnt. „Schön, dass wir uns jetzt auch selbst ein Bild machen“, freut sich die „Tele München Gruppe“, die vor zwei Jahren erstmals eine Live-Übertragung in ein deutsches Kino bewerkstelligte. In diesem Jahr bieten neben 44 deutschen Kinos weitere zehn in Österreich und Bozen ihren Gästen je eine Übertragung aller Inszenierungen der Met in dieser Saison an.

Einlass ist in Marburg ab 18.30 Uhr, kurz vor Beginn der Nachmittagsvorstellung in New York. Karten im Cineplex kosten regulär 24,90 Euro, Schüler und Studenten zahlen 19,90 Euro. OP-Leser haben die Chance, ganz umsonst mit dabei zu sein: Gemeinsam mit dem Cineplex verlosen wir fünf mal zwei Karten für die Vorstellung. Wer die Tickets gewinnen möchte, schreibt bis zum 7. Oktober an die Oberhessische Presse, Kulturredaktion, Stichwort „Tosca“, Franz-Tuczek-Weg 1, in 35039 Marburg oder eine Mail an gewinnspiel@op-marburg.de. Bitte das Stichwort „Tosca“ in die Betreffzeile schreiben, Name, Adresse und Telefonnummer nicht vergessen.

Weitere Opernübertragungen aus der Met: Am 7. November „Turandot“, 19. Dezember „Les Contes D-Hoffmann, 16. Januar „Carmen“, 6. Februar „Simon Boccanegra“, 27. März „Hamlet“ und am 1. Mai „Arminda“.

von Christine Krauskopf