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Marburg Bewohner fürchten mehr Lkw-Verkehr
Marburg Bewohner fürchten mehr Lkw-Verkehr
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00:18 16.12.2018
Bekommt Haddamshausen eine Ortsumgehung oder rauscht der Verkehr weiter durch den Ort?  Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Mit Birgit Stein (stellvertretende Ortsvorsteherin), Gerlinde Mitschke, Christine Simon und Dr. Dorette Schrag-Floß hatte sich bereits im Vorfeld des Versammlung ein Team gebildet und mit der Thematik auseinandergesetzt.

Sven Stein führte die 120 Bürger am Montagabend in der Elnhäuser Mehrzweckhalle in die Chronologie ein. In einer Ortsvorsteherbesprechung habe Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) mitgeteilt, dass seitens des Magistrat bereits ein Antrag zur Aufnahme des Projektes in den Regionalen Entwicklungsplan gestellt worden sei.

Es sei vollkommen ungeklärt, warum der Magistrat vor dem 30. Oktober 2018 einen solchen Antrag gestellt habe und dies ohne politisches Mandat durch die Stadtverordnetenversammlung und die Anhörung der Ortsbeiräte.

Erhaltenswerte Natur

Die Hessische Gemeinde­ordnung sehe vor, dass das Stadtparlament politische Entschlüsse fasse, die vom Magistrat umzusetzen seien. „Demokratie ist anders“, sagte Stein, der auch das verneinende Argument der Stadtverwaltung mit „viel zu wenig Verkehr“ für die seinerzeit geforderte Anlage eines Zebrastreifens in der Ortslage Elnhausen anführte.

Gerlinde Mitschke trug ein Anschreiben an die Stadtverordneten vor, aus dem hervorgeht, dass ein solches Straßenbauprojekt einen herben Rückschritt in punkto­ nachhaltige Verkehrspolitik darstelle. Verkehrsprobleme mit noch mehr Straßen lösen zu wollen, stelle eine Abkehr von zukunftsorientierter Politik dar, die sich vielmehr der Herausforderung (Klimawandel) des 21. Jahrhunderts stellen müsse.

So würde der „Allnatalweg“ erhaltenswerte Natur sowie die Naherholung zerstören. Wirtschaftlich gesehen bedeute dieses Projekt keine Entlastung der „Ketzerbach“ oder neuer Stadtviertel, vielmehr könne sich der „Entlastungseffekt“ negativ auf die umliegenden Dörfer auswirken.

Fraglich sei auch die Kosten-Nutzen-Rechnung und dies im Verhältnis einer schnellen Anbindung zu den Behringwerken im Vergleich zu den Baukosten.

Verkehrszählung erforderlich

Zu bedenken sei ferner, dass ­dadurch auch eine mautfreie Strecke für den Lkw-Verkehr ­
geschaffen werde. „Wir möchten erreichen, dass die verantwortlichen Politiker Alternativen in die Prüfung mit einbeziehen und diese mit den Bürger diskutieren, bevor über unseren Kopf über unsere Lebensumstände und über die Zukunft unserer Kinder entschieden wird“, sagte Mitschke.

Günter Hartmannsgruber hatte in einer Verkehrszählung am „Michelbacher Kreisel“ ermittelt, dass vormittags gegen 11 Uhr in einem Zeitraum von zehn Minuten von 66 Fahrzeugen 14 und im Feierabendverkehr von 144 Fahrzeugen 21 nach Dagobertshausen abgebogen seien. „Wir sind als Ortsbeirat überrumpelt worden, denn es liegt kein Verkehrsgutachten vor.

Es sollte daher schnellstens ­eine Verkehrszählung erfolgen“, sagte Ortsvorsteher Jan von 
 Ploetz (CDU). Raphael Glade vermutete, dass es bei diesem Projekt nicht um den Individualverkehr gehe, sondern vielmehr um den Schwerlastverkehr. Marlene Schmidt forderte die Einholung von Studien, denn die Bürger würden ganz einfach für dumm verkauft. „Wir lösen letztendlich die Probleme anderer und nicht die der Marburger Bürger.“

Ackerland wird verbaut

„Wehret den Anfängen“, gab Edwin Vogel zu bedenken und rief zu der Einleitung einer Unterschriftenaktion auf. „Wir sind der Staat und müssen wehrhaft sein“, forderte eine Dagobertshäuser Bürgerin. „Die Allna wird renaturiert und nun soll es eine neue Straße geben. Wie passt das zusammen und was sagt ­eigentlich die EU dazu“, fragte Norbert Wiese (Haddamshausen).

Ein anderer Bürger führte an, dass durch dieses Straßenbauprojekt auch Ackerland mit verbaut werde und selbst Kreislandwirt Frank Staubitz darüber nicht informiert sei.

Die Diskussion ging hin bis zu einer möglichen Grundstücks-Zwangsenteignung, der jedoch immer eine Alternativ-Standortprüfung vorausgehen müsse, sagte Sven Stein. „Gezielte Aktionen und diese sofort“, mahnte ein weiterer Bürger aufgrund der Brisanz des Projektes an.

Das um Birgit Stein gebildete eingangs angeführte BI-Team, das in dieser Versammlung ohne Gegenstimmen offiziell gewählt wurde, forderte­ kräftige Unterstützung durch die Bürger sowohl finanziell als auch durch die Unterschriftensammlung ein.

Die Bürger wollen zur Stadtparlamentssitzung, die am Freitag um 16.30 Uhr ­beginnt, Präsenz zeigen.

Termine: In der Gaststätte „Zum Alten Schneider“ wird ab 7. Februar, 19.30 Uhr, ein Stammtisch eingerichtet. Am 31. Januar spricht zudem Verkehrsexperte Wulf Hahn zum Thema.

von Helga Peter