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Alles Banane - oder was?

Thomas Baumgärtel im Kunstverein Marburg Alles Banane - oder was?

Thomas Baumgärtel hat Ikonen des 20. Jahrhunderts gemalt: Steve Jobs, Robin Gibb, Mark Zuckerberg oder Lady Di - aber eben alle in seinem Bananenstil. Am Freitag, 31. August, wird um 18 Uhr seine Ausstellung im Kunstverein eröffnet.

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Lady Di in Bananengelb: Wer etwas genauer hinschaut auf dieses ungewöhnliche, großformatige Porträt, das ungerahmt an einer der Wände des Kunstvereins hängt, wird überall Bananen entdecken, ohne die kaum ein Bild von Thomas Baumgärtel auskommt. Der Kunstv

Marburg. Wenn morgen früh ein Sprayer durch die Stadt zieht und Marburger Kunstorte mit seinen gelben Spraybananen markiert, sollte man ihn nicht sofort wegen Sachbeschädigung verhaften. Es ist Thomas Baumgärtel. Der Künstler aus Köln ist der wohl bekannteste Sprayer Deutschlands. Er ist in die Kunstprovinz gereist, um heute Abend seine Ausstellung im Kunstverein zu eröffnen.

Die Marburger Kunstorte, die er mit seiner Banane markiert, die an Andy Warhols Velvet-Underground-Banane erinnert, befänden sich dann in guter Gesellschaft: Rund 4000 Museen und Galerien in Deutschland und im Ausland - in Moskau, New York, London oder Paris - hat Baumgärtel seinen Bananen-Stempel aufgedrückt.

Baumgärtel, 1960 in Köln geboren, ist schon früh auf die Banane gekommen. Laut seiner Vita hat er 1983 als Zivi in einem katholischen Krankenhaus in Rheinberg seine erste Banane gekreuzigt. Drei Jahre später hat er den ersten Kunst-Ort mit einer Banane markiert. Die krummen Früchte sind ihm bis heute lieb und teuer: Er habe schon bis zu 30000 Euro Schadenersatz für seine Spraybananen gezahlt, verriet er der Bild-Zeitung.

„Es ist ein Riesenglück, dass wir Thomas Baumgärtel überhaupt für eine Ausstellung gewinnen konnten“, sagt Dr. Gerhard Pätzold, der Vorsitzende des Kunstvereins. Spätestens seit er 1992 auf der documenta 9 seine Spraybananen zeigte, stellt Baumgärtel weltweit aus. Entsprechend hoch ist die Versicherungssumme der Marburger Schau, Preislisten gibt es nicht, Preise werden nur auf Anfrage genannt - vermutlich leise geraunt.

Zum Pressegespräch gab es als Snack natürlich Bananen. Auch an den Wänden Bananen. In allen Formen und Größen. Adam und Eva, Stilikonen der Malerei des Mittelalters und der Renaissance, finden sich auch bei Baumgärtel wieder: Lucas Cranach der Ältere malte das Vorbild, Baumgärtel nahm Eva den Apfel weg und sprayte ihr natürlich eine Banane in die Hand.

Direkt daneben bedeckt die sorgfältig gehängte 96-teilige Serie „Metamorphosen der Banane“ eine große Wand: Bananen mit roten Zipfelmützen, Bananen mit Ohren, das deutsche Wappentier in Bananengelb, selbst die Comic-Helden Tim und Struppi haben etwas eindeutig Bananiges.

Auch Francois Bouchers „Odalisque“ ist zu entdecken - doch anders als im Original aus dem Jahr 1749 räkelt sich die pralle Schöne nicht auf einem weichen Bett sondern selbstverständlich auf Bananen.

Im Obergeschoss gibt es den Bananenberg zu entdecken und man erfährt: „Putin ist eine Banane“. Selbst das Brandenburger Tor ist bei Baumgärtel von einer Banane versperrt.

Neben seinen Spraybananen hat der Künstler einen weiteren Stil kreiert - den vielfarbigen Bananenpointilismus. Setzten die Pointilisten um die Wende zum 20. Jahrhundert ihre Bilder aus einer Unmenge von Punkten zusammen, so entstehen Baumgärtels Porträts aus einer Fülle von Bananenstielen: den verstorbenen Apple-Chef Steve Jobs hat er so gemalt, den Bee-Gees-Star Robin Gibb und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Daneben hängt riesig Lady Di, gemalt im Farbton nicht ganz ausgereifter Bananen: Lippen, Nase, Haare und das Diadem - alles Bananen.

Es gibt nur ganz wenige Bilder ohne Banane und Baumgärtel, der in Köln Freie Kunst studierte und zudem ausgebildeter Gesprächstherapeut ist, zeigt mit klassischen, geradezu altmeisterlichen Stillleben, dass er neben seiner Bananen-Obsession viele andere Talente besitzt.

Die Ausstellung wird am 31. August um 18 Uhr eröffnet. Sie ist bis zum 18. Oktober zu sehen; geöffnet Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, Mittwoch von 11 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Führungen: samstags ab 16 Uhr, für Schulklassen und Gruppen auch nach Vereinbarung.

von Uwe Badouin

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