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Abschiebepraxis hautnah zu erleben

Hessisches Landestheater Marburg Abschiebepraxis hautnah zu erleben

Das Hessische Landestheater präsentiert ein neues Klassenzimmerstück, das von Schulen gebucht werden kann: „Hier geblieben“ beschäftigt sich mit den gängigen Abschiebepraktiken in Deutschland.

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Gergana Muskalla spielt die junge Tanja, die abgeschoben werden soll. Im Hintergrund sind Oda Zuscheid und Charles Toulouse zu sehen.

Quelle: Ramon Haindl

Marburg. Das Klassenzimmer der 7a des Landschulheim Steinmühle in Marburg war Donnerstagmorgen der Ort für einen besonders anschaulichen Unterricht: Es bildete die Bühne für das Theaterstück „Hier geblieben“, das vom Landestheater im Rahmen des gleichnamigen bundesweiten Aktionsprogramms verschiedener Flüchtlingsorganisationen, wie beispielsweise „Pro Asyl“, einstudiert wurde.

Dadurch waren die Schülerinnen und Schüler hautnah bei der Geschichte von Tanja (gespielt von Gergana Muskalla) aus Berlin dabei. Mitten im Mathe-Unterricht wird Tanja von der Ausländerbehörde abgeholt und in Abschiebehaft gebracht. Ihre Familie soll nach Bosnien abgeschoben werden.

Das wollen ihre geschockten Freunde und Klassenkameraden Valli (Charles Toulouse) und Maja (Oda Zuschneid) nicht hinnehmen und fangen an, sich für das Bleiben von Tanja einzusetzen. Durch ihr Engagement schaffen sie es letztendlich, dass Tanja und ihre Familie unbefristet in Deutschland bleiben dürfen.

Das Klassenzimmer als Bühne für das Stück zu verwenden ist kein Zufall: bildet es doch den Ausgangspunkt der Geschichte – angelehnt an den authentischen Fall der Familie Ristic. Diese floh 1995 vor den Wirren des Bürgerkriegs in Jugoslawien nach Deutschland, um hier Asyl zu beantragen.

Perspektivisch berichten die Schauspieler den Schülern aus der Jetztzeit als auch im Rückblick von der Situation der geduldeten, von Abschiebung bedrohten Flüchtlinge: Rund 200.000 Menschen sind es derzeit in Deutschland.

Hintergrundgeräusche, wie Flughafengeräusche oder Schuldurchsagen machen das Geschehen im Klassenzimmer noch greifbarer und realistischer für die Schüler.

Für die rigorose Vorgehensweise bei Abschiebungen, die meistens fernab der Öffentlichkeit bei Nacht-und-Nebel-Aktionen über die Bühne gehen und bei der Kinder, die jahrelang in Deutschland leben aus ihrem Umfeld gerissen werden, gibt es auch Beispiele in der Region.

von Timo Scheibe

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