Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Ablenkung ist häufige Unfallursache
Marburg Ablenkung ist häufige Unfallursache
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:58 12.01.2019
Wenn das Smartphone wegen einer neuen Nachricht aufleuchtet, können viele auch während der Fahrt nicht widerstehen, sie sofort zu lesen. Quelle: Holger Hollemann/dpa
Marburg

Erst 2017 waren die Bußgelder für Telefonieren am Steuer deutlich erhöht worden. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf werden laut Polizeipressesprecher Martin Ahlich regelmäßig Kontrollen durchgeführt. Die Hessische Verkehrswacht sieht in der Ablenkung unter anderem durch Smartphones eine immer größer werdende Gefahr.

Es gebe Statistiken, wonach Ablenkung wie der Blick auf das Smartphone schon die zweit- oder dritthäufigste Unfallursache sei, sagt Geschäftsstellenleiter Thomas Conrad. Auch der Marburger Polizeipressesprecher Martin Ahlich sagt: „Die Benutzung des Handys ist eine der Ursachen, die häufig zu Unfällen mit schweren Folgen führen.“ Wie viele Unfälle dadurch im Landkreis verursacht werden, kann Ahlich nicht sagen.

Laut Landesverkehrswacht beobachten Experten auch die Zunahme völlig neuer Unfallarten wie zwei Autos, die auf gerader Straße frontal kollidieren. Wäre früher meist ein Suizid als Erklärung infrage gekommen, wird heute oft angenommen, dass beide Fahrer ihre Handys in der Hand hatten.

Rechenbeispiel soll aufrütteln

Polizeisprecher Ahlich zufolge müsse bei so einem Verdacht die Benutzung erst nachgewiesen werden. Dazu werde das Handy sichergestellt, um zu prüfen, ob es zur Unfallzeit ein Telefonat gab oder eine Nachricht eingegangen ist. Dafür bedürfe es jedoch eines richterlichen Beschlusses, so Ahlich. „Das wird umso eher gemacht, je schwerer die Unfallfolgen sind.“

Dass auch schon ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit gefährlich sein kann, macht Ahlich an folgenden Zahlen deutlich: Wer bei einer Geschwindigkeit von 40 Stundenkilometern eine Sekunde abgelenkt ist, legt 11 Meter „blind“ zurück, bei 80 Stundenkilometern sind es 22 Meter Blindflug.

„Eine Freisprechanlage einfacher Art kostet nicht mal so viel wie ein Verwarnungsgeld,“ sagt Ahlich. Erst 2017 wurden die Bußgelder erhöht. Wer sein Handy hinterm Steuer nutzt, zahlt 100 Euro und verliert einen Punkt. Wer dabei auch noch andere durch seine Fahrweise gefährdet oder etwas beschädigt, verliert nicht nur jeweils zwei Punkte, sondern darf auch ­einen Monat lang nicht Auto fahren. Außerdem müssen bis zu 200 Euro gezahlt werden. Laut Ahlich sei jedoch die Bedienung der im Auto eingebauten Technik erlaubt, was nicht selten für Kontroversen sorge. Denn auch das Benutzen des ­Zigarettenanzünders oder des Radios lenkten ab.

Auch Telefonieren auf
 dem Fahrrad ist verboten

Nicht nur beim Autofahren, auch beim Radfahren ist es verboten, das Handy zu bedienen. 55 Euro zahlt man bei einem Verstoß. Mit Headset hingegen droht keine Strafe.

Nach den der Polizei vorliegenden Statistiken nutzt jeder zweite Verkehrsteilnehmer sein Handy ohne Freisprechanlage und jeder sechste schreibt Nachrichten auf dem Smartphone. Besonders betroffen sind nach Angaben der Landesverkehrswacht Jugendliche und jüngere­ Fahrer, die es gewohnt sind, immer online zu sein. Um sie zu erreichen, geht die Landesverkehrswacht in Schulen und ist auch auf Internet-Plattformen wie YouTube aktiv.

Verständnis ist aus Sicht des Verkehrsexperten die einzige Möglichkeit, um eine Verhaltensänderung zu bewirken. „Es bringt relativ wenig, wenn man den Bußgeldkatalog nach oben schraubt“, sagte Geschäftsstellenleiter Conrad. Dafür bräuchte es auch ein engmaschiges Netz der Verfolgung, was die Polizei bei ihren Aufgaben heute gar nicht leisten könne.

Laut Polizeipressesprecher Ahlich werden im Landkreis Marburg-Biedenkopf regelmäßig Kontrollen durchgeführt. Und auch Streifenpolizisten achteten im Verkehr auf Verstöße mit dem Handy, die ähnlich wie das Fahren ohne Sicherheitsgurt ja von außen zu erkennen seien.

von Freya Altmüller
 und unserer Agentur