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Marburg Schutzhütte ist kein Baudenkmal
Marburg Schutzhütte ist kein Baudenkmal
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00:17 07.11.2018
An dieser Stelle stand bis Mitte August die Schutzhütte, die Besuchern des Alten Botanischen Gartens bei Regen Schutz bot und früher von Studierenden auch für das Botanisieren verwendet wurde. Quelle: Manfred Hitzeroth
Marburg

Der aufmerksame OP-Leser und ehemalige Uni-Bedienstete Jürgen Benz brachte es an den Tag: Die Schutzhütte in unmittelbarer Nähe des Teiches am Alten Botanischen Garten wurde abgebaut und ist verschwunden. Bei der Präsentation des Parkpflegewerks vor etwas mehr als zwei Wochen durch die Uni-Verantwortlichen wurde das allerdings überhaupt nicht erwähnt. „Bedauerlicherweise fühlt sich die für die Erhaltung des Gartens zuständige Universität dieser Zielsetzung nicht verpflichtet“, kommentiert Benz. „Klammheimlich hat sie die Schutzhütte neben dem Teich entfernt und soll dem Vernehmen nach nicht wieder aufgebaut werden“, ärgert er sich.
Die OP fragte bei Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne nach, ob das denn stimmt und wollte auch wissen, wann und wieso die Hütte abgebaut wurde.

Der Rückbau des Holzunterstands, dessen Alter unklar sei und der keinen Denkmalschutz genieße, sei bereits am 9. August von einer Fachfirma ausgeführt worden, so der Kanzler. „Im Anschluss sei der Holzunterstand von Mitarbeitern des Botanischen Gartens eingelagert worden“, teilte­ Nonne in seiner schriftlichen Antwort mit. Veranlasst worden sei der „Rückbau“ aufgrund einer „in jüngerer Zeit vermehrt aufgetretenen Nutzung auf eine Weise, die der Gartenordnung nicht entspricht“. Auf Nachfrage der OP, was für eine Nutzung das gewesen sei, konkretisierte der Kanzler seine Antwort. „Im Bereich des Holzunterstands gab es Verstöße gegen die Nachtruhe sowie gegen das Alkoholverbot, das im Alten Botanischen Garten gilt“, meinte Nonne.

Ersatz ist nicht vorgesehen

Die OP wollte vom Kanzler auch wissen, wieso die Uni-Leitung die Öffentlichkeit nicht über den Abriss informiert hatte, und zwar auch nicht anlässlich der Präsentation des Parkpflegewerks. „Die Angelegenheit erschien nicht bedeutsam. Daher erfolgte keine Informa­tion“, teilte Nonne dazu mit.

Bis auf Weiteres sei auch kein Ersatz vorgesehen, da der ursprüngliche Zweck – das Botanisieren – entfallen sei. Nach Informationen der OP handelte es sich bei der Hütte um ein Gebäude, das Biologiestudierende­ früher dazu nutzten, dort im Park gesammelte Pflanzen auf dem Tisch in der Mitte der Hütte zu lagern oder zu trocknen.

Jürgen Benz zeigt sich als langjähriger Besucher des Gartens enttäuscht. „Auch wenn das Häuschen sich in etwas schäbigem Zustand befand und als Aufenthaltsort eher unerwünschter Besucher missbraucht ­wurde, stellt sein Verschwinden
einen schweren Verlust dar“, meint Benz. Abgesehen von seiner nützlichen Funktion als Unterstand bei ­Regen sei die Hütte auch ein ­Bestandteil des Gartendenkmals und müsse daher auch ­eigentlich unter Denkmalschutz stehen und somit vor einem­ ­Abbruch geschützt sein.

Kein Bedarf mehr für Biologiestudierende

Dieser Einschätzung widersprach jedoch Kanzler Nonne­ auf OP-Anfrage. Die Hütte sei nicht unter Denkmalschutz gestanden und der Abbruch sei nach Rücksprache mit der Denkmalpflege erfolgt.
„Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen hatte nach eingehender Prüfung des Vorhabens der Marburger Uni-Leitung keine Einwände gegen den Abriss der Schutzhütte“. Dies teilte­ ­Bezirksdenkmalpfleger Dr. Bernhard Buchstab vom Landesamt für Denkmalpflege der OP dazu auf Anfrage mit. Der Unterstand sei baukünstlerisch von untergeordneter Bedeutung, sagte Buchstab. Zudem habe das Gebäude innerhalb des Gartendenkmals nur einen begrenzten historischen Wert. Denn der Bestand der Hütte stamme nach mehreren Umbauten aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und nicht aus der Anfangszeit des Botanischen Gartens Anfang des 19. Jahrhunderts. Interessanter sei der Standort, denn schon vor der Erbauung der Schutzhütte­ hätten die Gärtner an dieser Stelle die Aufzucht von Pflanzen überwacht.

Die Denkmalpflege habe­ in der Angelegenheit sehr genau zwischen der Wertigkeit des Bestands und dem öffentlichen Nutzen des Ortes abgewogen. Da die Hütte schon seit vielen Jahren nicht mehr für botanische Zwecke genutzt worden sei, sei das Ansinnen der Universität, die Hütte wegen der Nutzung als Treffpunkt bestimmter Gruppierungen abzureißen, aus Sicht der Denkmalpflege nachvollziehbar gewesen.

von Manfred Hitzeroth