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Marburg Start der zweiten Staffel "Charité"
Marburg Start der zweiten Staffel "Charité"
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00:19 22.02.2019
Professor Ferdinand Sauerbruch (Ulrich Noethen, links) und Martin Gruber (Jacob Matschenz, rechts) kümmern sich um den schwerverletzten Otto Marquardt (Jannik Schämann). Quelle: ARD/Julie Vrabelova
Marburg

Als eine der historischen ­Persönlichkeiten der deutschen Medizingeschichte spielte der Marburger Medizin-Nobelpreisträger Emil von Behring ­(1854 – 1917) in der vor zwei Jahren ausgestrahlten sechsteiligen ARD-Serie „Charité“-Serie eine tragende Rolle. Vor seiner Berufung als Professor nach Marburg hatte Emil von Behring eine erste berufliche Phase, die ihn als junger Arzt auch an die Berliner Klinik Charité geführt hatte. Dort arbeitete er Ende des 19. Jahrhunderts zusammen mit Forschern wie Robert Koch oder Paul Ehrlich. Für die Recherchen zur Serie wurden die beiden Autorinnen 2015 auch von der Marburger Medizinhistorikerin und Behring-Expertin Dr. ­Ulrike Enke beraten.

Gewissermaßen umgekehrt verhält es sich mit einem der Protagonisten in der zweiten Staffel­ der historischen Krankenhaus-Serie: Die Rede ist von Ferdinand Sauerbruch (1875–1951). Er wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem der bedeutendsten deutschen Ärzte. Mit einem Verfahren zur operativen Öffnung des Brustkorbs trug Sauerbruch zur Erneuerung seines medizinischen Fachgebiets bei. Von 1928 bis 1949 war der Chirurg dann Professor in Berlin und Arzt an der Charité.

Und da die zweite Serienstaffel dank eines Zeitsprungs in den Jahren des Nationalsozialismus spielt, dreht sich viel um Sauerbruch und seine Beziehungen zum NS-System. Der gebürtige Barmer hatte den Grundstein für seine medizinische und akademische Karriere in Marburg gelegt – zunächst ab 1896 als Student an der Universität Marburg und dann ab 1908 als Oberarzt und außerordent­licher Professor an der Philipps-Universität.

Autorin: "Die Charité ist die Hauptfigur"

Bei aller Fokussierung auf ­reale historische Persönlichkeiten der Medizingeschichte, die neben erfundenen Figuren eine wichtige Rolle spielen, sagte die Drehbuchautorin Dorothee Schön im Gespräch mit der OP: „Die Charité ist die Hauptfigur“. Die zweite Staffel umfasst sechs Folgen und führt gleich einige Jahrzehnte weiter in der Geschichte der Berliner Vorzeige-­Klinik. In Staffel eins ging es noch um die Zeit um 1900 im Kaiserreich, in der bahnbrechende medizinische Erfindungen gefeiert wurden. In der zweiten Staffel steht die „Medizin unter dem Hakenkreuz“ im Mittelpunkt. Die erste Folge mit dem Titel „Heimatschuss“ spielt im Jahr 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg. Im Mittelpunkt steht der junge Soldat Otto Marquardt (Jannik Schämann), der von der Front mit einer schweren Beinverletzung kam und in die Charité eingeliefert wurde.

Für Professor Ferdinand Sauerbruch (Ulrich Noethen), den berühmten chirurgischen Chefarzt an der Charité, bietet die schwere Verletzung die Chance, vor den Kameras der Wochenschau eine Operation vorzuführen, bei der mithilfe einer seiner Erfindungen nur ein Teil des Beins amputiert werden muss. Doch hat sich der Soldat den Beinschuss selbst beigebracht, um dem Krieg zu entrinnen?

Doku: "Medizin unterm Hakenkreuz"

Für ihre Doktorarbeit zum Thema Selbstverstümmelung von Patienten recherchiert die junge Nachwuchsmedizinerin Anni Waldhausen (Mala Emde), unterstützt von ihrem Doktorvater Professor Max de Crinis (Lukas Miko), einem glühenden Nationalsozialisten. In der Serie soll auch die Rolle der Ärzte im Nationalsozialismus ausgeleuchtet werden. „Keiner der international hoch geachteten Professoren wie Ferdinand Sauerbruch wurde Mitglied der NSDAP. Doch sie werden Aushängeschilder des Nationalsozialismus“, heißt es in der Ankündigung der ARD für die Dokumentation „Die Charité – Medizin unterm Hakenkreuz“, in der die Verstrickung von Ärzten und Forschern in die nationalsozialistische Gesundheitspolitik untersucht wird.

von Manfred Hitzeroth

Am 19. Februar werden in der ARD ab 20.15 Uhr die ersten beiden Folgen der zweiten Staffel der TV-Serie „Charité“ ausgestrahlt. Ab 21.45 Uhr wird die dazugehörige Dokumentation gezeigt.