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A-cappella-Gesang der Spitzenklasse

Abschlussprogramm des Stadtfestes A-cappella-Gesang der Spitzenklasse

Nach drei turbulenten Tagen in Feierlaune konnte das Festpublikum am Sonntagabend wieder zur Ruhe kommen – den 40 Sängerinnen und Sängern aus dem Schwabenland sei Dank.

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Der Maulbronner Kammerchor gestaltete das Abschlusskonzert des Stadtfestes in der Elisabethkirche.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Es ist gute Tradition beim Stadtfest „Drei Tage Marburg“, das Publikum mit besinnlichen Klängen in den Alltag zu geleiten. Bereits zum sechsten Mal kam dafür mit dem Maulbronner Kammerchor eine der weltbesten A-cappella-Formationen in die Elisabethkirche. Auch diesmal wurden die 40 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Jürgen Budday ihrem Ruf mehr als gerecht.

Mit atemberaubender Leichtigkeit durchmaß der Chor den koloraturenreichen Lobpreis „Halleluja! Lobet den Herrn!“ in der Vertonung des niederländischen Barockmeisters Jan Pieterszoon Sweelinck und öffnete so das Tor zu einer abwechslungsreichen und nuancenreich gestalteten Reise durch romantische Seelenlandschaften, wobei die Werke nicht nur aus dem 19. Jahrhundert stammten, sondern auch aus der Gegenwart.

Das Motto des Programms „Die Nacht leuchtet wie der Tag“ steht am Ende des 139. Psalms, den die Maulbronner in einer faszinierenden Vertonung des 1942 geborenen Schweden Sven David Sandström sangen: beginnend im schwebenden Piano und schließlich packend dramatisch zugespitzt. Vorangestellt hatte Elisabethkirchenkantor Nils Kuppe auf der Klais-Orgel eine klangfarbenreiche, auch dumpf grollend die Schrecken der Hölle ausmalende Improvisation über Sandströms sechs- bis zwölfstimmige Motette „O Lord, you have searched me“.

Während es in den Werken der Romantiker Robert L. de Pearsall, Peter Cornelius und Ernst Friedrich Richter mehr um die Tagseiten der menschlichen Existenz ging, kamen in den zeitgenössischen Stücken des Amerikaners Eric Whitacre und des Polen Pawel Lukaszewski auch die Nachtseiten zum Tragen. Und beide schwangen mit in zwei ursprünglich für Solostimme und Orchester komponierten Liedern Gustav Mahlers, die Clytus Gottwald für Chor bearbeitet hat.

Die Maulbronner Sängerinnen und Sänger zogen dort alle Register ihrer phänomenalen A-cappella-Kunst: in „Die zwei blauen Augen“ aus den „Liedern eines fahrenden Gesellen“ aufgeteilt in vier vierstimmige Chöre und in der traumverlorenen Rückert-Vertonung „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ als 16-stimmiger Chor, den die Soprane mit einem sensationellen Ausflug in die vokale Stratosphäre überstrahlten.

Nach Otto Nicolais eindringlich-schlichter „Vaterunser“-Vertonung belohnten die hellauf begeisterten 600 Zuhörer den Maulbronner Kammerchor mit nicht enden wollendem Beifall, für den sich die Sängerinnen und Sänger mit drei volkstümlich-schlichten Zugaben bedankten, als letzte das wundervolle Wiegenlied „Guten Abend, gut‘ Nacht“ von Johannes Brahms.

von Michael Arndt

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