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78-Jährigen um 13.000 Euro betrogen

Bewährung für schizophrenen Täter 78-Jährigen um 13.000 Euro betrogen

In zwölf Fällen soll sich der Angeklagte von seinem 78-jährigen Nachbarn Geld geliehen haben, das er versprach zurückzuzahlen. Vertrauensvoll händigte dieser ihm so 10.000 Euro aus.

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Quelle: Symbolfoto

Marburg. Unter dem Vorwand, die Rückzahlung dieser Schulden auf sein Konto zu initiieren, überzeugte der Angeklagte den Rentner, ihm seine EC-Karte mitsamt der PIN zu überlassen. Um weitere 3.000 Euro ärmer entschied sich der Geschädigte schließlich, den Fall zur Anzeige zu bringen.

Zur Verhandlung vor dem Strafgericht erschien der Angeklagte jedoch nicht. Telefonisch entschuldigte er sein Ausbleiben mit der Angabe, er befände sich akut in einer paranoid-depressiven Lage, die es ihm nicht ermögliche, vor Gericht anzutreten.

Der sachverständige Psychiater, der den Angeklagten bereits untersucht hatte, bestätigte Wahnvorstellungen und ein unzurechnungsfähiges Verhalten im Zusammenhang mit einer unbehandelten Schizophrenie. Die Verhandlung wurde in Anwesenheit des Strafverteidigers dennoch gehalten, um einen weiteren Aufschub der Sache, die vom Geschädigten bereits 2016 angezeigt worden war, zu umgehen.

Außer zwei Fällen von verhängten Sozialstunden wegen Betrugs und Beleidigung wies der Angeklagte ein bisher sauberes Führungszeugnis auf. Bereits seit 15 Jahren arbeitslos, gilt der 51-Jährige auf dem Arbeitsmarkt als nicht vermittelbar. In den vergangenen Jahren soll er gelegentlich in Obdachlosenunterkünften gelebt haben.

Er hatte außerdem angegeben, an einer Spielsucht zu leiden, die ihn zu dieser Art der Geldbeschaffung getrieben habe. Die chronische schizophrene Psychose wirkte sich strafmildernd aus. Es handelt sich dabei laut Sachverständigem um eine Gruppe psychischer Erkrankungen, die akut oder chronisch auftreten kann, etwa jeder 100. Erwachsene in Deutschland ist oder war davon betroffen.

Schulden-Rückzahlung gilt als sehr unwahrscheinlich

Das breite Symptomspektrum kann von unkontrollierbaren Emotionen über Ich-Störungen bis hin zu Wahn und Halluzinationen reichen. Insbesondere ohne medikamentöse Behandlung wie in diesem Falle ist durch Disziplinierung keine Verbesserung der Alltagstauglichkeit erzielbar. Die einjährige Haftstrafe wurde deswegen für drei Jahre zur Bewährung mit Bewährungshelfer angesetzt. In dieser Zeit müsse sich der Angeklagte für eine Therapie in Heimbehandlung begeben und sich an die dort verordnete Medikation halten. Bei Nichtbeachtung dieser Auflagen droht ihm eine Haft.

Außerdem soll er nach Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Eine Rückzahlung der Schulden wurde angeordnet, ist aufgrund der Lebenslage des Angeklagten jedoch sehr unwahrscheinlich.

von Jule Kuhnert

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