Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Landestheater feiert „50 Jahre 68"
Marburg Landestheater feiert „50 Jahre 68"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:44 11.03.2018
Revolution auf der Bühne: Artur Molin und Franziska Knetsch (Mitte) recken gemeinsam mit den Sängerinnen und Sängern zu Plakaten von Marx, Engels und Ho Chi Minh die Fäuste. Quelle: Jan Bosch
Marburg

1968 war ein Jahr der Proteste. In den USA, in Frankreich, Großbritannien und Deutschland lehnte sich die Jugend gegen die herrschenden Verhältnisse auf. Attentate auf Martin Luther King, Robert Kennedy und Rudi Dutschke erschütterten die Menschen. Der „Prager Frühling“ wurde von der Sowjetunion mit Panzern niedergeschlagen.

Gleichzeitig änderte sich in einem rasenden Tempo die Mode: Die Röcke wurden kürzer, die Haare bei den Männern länger. Studenten und Schüler hörten The Who, die Beatles, Bob Dylan, Jimi Hendrix, Joan Baez oder in Deutschland Rio Reiser und seine Band „Ton, Steine, Scherben“ und ihren Schlachtruf „Macht kaputt, was euch kaputt macht“.

Deren Eltern mochten lieber Peter Alexander, den Kinderstar Heintje und seine Hits „Mama“ und „Heidschi Bumbeidschi“ oder Roy Black, während der Liedermacher Franz Josef Degenhardt „Das Jahr der Schweine“ besang.

Der Duft der Revolution lag in der Luft. Studenten wollten den Muff aus 1 000 Jahren unter den Talaren vertreiben, an den Universitäten wurden Vorlesungen gesprengt, Plakate gemalt, Demos und Besetzungen organisiert.

Kampf gegen die Spießer

All das wollen die „Revolutionsbeauftragten“ des Hessischen Landestheaters um Intendant und Regisseur Matthias Faltz, den Dramaturgen Franz Burkhard und Katharina Fabel und dem musikalischen Leiter der Produktion, Michael Lohmann, in Form einer bunten, unterhaltsamen Collage auf die Bühne bringen.

Unterstützung geholt haben sie sich bei dem Kölner Indie-Pop-Musiker und Autor Peter Licht, der etwa die Musik zu Filmen wie „Weltverbesserungsmaßnahmen“ oder „Vorne ist verdammt weit weg“ geschrieben hat.

Faltz und Co. haben sich in der Unistadt Marburg viel vorgenommen: „Marburg und Wolfgang Abendroth, die Protagonisten vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS), Rudi Dutschke, sexuelle Revolution und Kommune 1 mit Uschi Obermaier, die Frauenemanzipation, Antikriegsdemonstrationen, Revolte und Spaßguerilla, Frankreich, Prag und Vietnam, 
Kampf gegen die Spießer“, heißt es in einer Aufzählung, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Für Marburg eine wichtige Zeit

Intendant Faltz greift in seiner letzten Spielzeit am Hessischen Landestheater noch einmal in die Vollen: Die Schauspielerinnen und Schauspieler Lisa-Marie Gerl, Franziska Knetsch, Artur Molin, Stefan Piskorz, Thomas Streibig und Julian Trostorf lassen die wilden Jahre stilecht kostümiert mit langen Haaren, Bärten, Cord-Sakkos und Strick-Pullovern aufleben.

68 Sängerinnen und Sänger aus 13 verschiedenen Marburger Chören recken die Fäuste in die Luft und stimmen mit ihnen die Lieder der 68er an, begleitet von den Musikern Sven Demandt, Christian Keul und Michael Lohmann. Für das Bühnenbild zeichnet Harm Naijer verantwortlich, für die Kostüme Annie Lenk.

„Für Marburg waren die Jahre um 68 eine immens wichtige Zeit, und bis heute sind in der Universitätsstadt zahlreiche Nachwirkungen zu beobachten“, erklären die Theatermacher. Man darf gespannt sein, was sie ausgegraben haben.
n Premiere ist morgen Abend um 19.30 Uhr im Erwin-Piscator-­Haus.

Weitere Aufführungen sind am 2., 23. und 24. März, am 19. und 20. April, jeweils 
19.30 Uhr. Karten gibt es an der Theaterkasse im Erwin-Piscator-
Haus und im Internet unter www.theater-marburg.com.

von Uwe Badouin