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„Mein Baby gehört zu mir, ist das klar?“

30 Jahre "Dirty Dancing" „Mein Baby gehört zu mir, ist das klar?“

Wer den schönsten Teil seiner Jugend Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre ­verbracht hat, kam an ­diesem Film nicht vorbei: „Dirty Dancing“.

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Am Sonntag wird der Film "Dirty Dancing" 30 Jahre alt.

Quelle: Rekord-Film

Marburg. Generationen verliebter Jungs fürchteten sich vor dem Moment, wenn die Dame ihres Herzens den Liebesfilm in den Videorekorder schob – angekündigt als romantische Einstimmung. Denn danach ging es (vielleicht) ein ganz bisschen ums Knutschen, aber vor allem ums Tanzen.

Und so wurden dank Patrick Swayze und Jennifer Grey die coolsten Hiphopper, die härtesten Heavy-Metaler und verpeiltesten Grunge-Freaks vom Lande in (hoffentlich) unbeobachteten Momenten zu hölzernen Mambo-Tänzern. Ihrer Freundin zuliebe – es soll Ehen geben, die auf  „Dirty Dancing“ fußen – und weil ein bisschen Romantiker wohl in jedem steckt.

Vor 30 Jahren – am 8. Oktober 1987 – feierte der Kultfilm Premiere auf der Kinoleinwand. Zum 30. Jahrestag präsentiert die OP 30 Fakten, die nicht jeder kennt. Aber Vorsicht! Wer den Film noch nie gesehen hat, wird an den folgenden Zeilen wenig Freude haben. Zum Glück sind das nicht so viele.

1 Der in sehr kurzer Zeit abgedrehte Streifen ist eine Fundgrube für sogenannte Filmfehler. Das Portal „Die Seher“ listet 33 Fehler auf, wobei einige in den späteren DVD-Versionen beseitigt wurden. Die witzigsten: In Filmminute 77 gibt es ein Gespräch zwischen Baby (Jennifer Grey) und ihrem Vater (Jerry Orbach). Zwischen den Schnitten ist der Kragen am Hemd des Vaters einmal oben, dann wieder unten. Das Loch, das Johnny (Patrick Swayze) mit einem Pfahl in die Auto-Scheibe geschlagen hat, ist zunächst rund (Filmminute 39), in einer folgenden Szene rechteckig. Bei der Ankunft am Resort Kellermann‘s (Filmminute 4) spiegelt sich ein Mikrofon im Kotflügel.

2 Patrick Swayze hat als junger Mann eine Ausbildung als Ballett-Tänzer absolviert. Das könnte ein Grund dafür sein, warum Sie, liebe Herren, die Drehungen nicht ganz so galant hinbekommen wie im Film.

3 Weil der Film in den Sommerferien spielt, es bei den Dreharbeiten aber ­bereits Oktober war, wurden die ­vertrockneten Rhododendron-Pflanzen am Hotel mit grüner Farbe besprüht.

4 Jennifer Grey, die im Film die 17-jährige „Baby“ spielt, war zum Zeitpunkt der Aufnahmen bereits 27 Jahre alt, konnte sich in den Castings aber gegen die deutlich jüngere Konkurrenz durchsetzen. Unter anderem soll auch Sarah Jessica Parker („Sex and the City“) vorgesprochen haben.

5 Die Choreographie der Tänze im Film stammt von Kenny Ortega. Er inszenierte später die „Dangerous World Tour“ (1992) und die „History-Tour“ (1997) von US-Pop-Ikone Michael Jackson. Auch bei der für 2009 geplanten Abschiedstournee von Jackson hatte er die Choreografie entwickelt. Von Proben existieren faszinierende Filmaufnahmen. Der „King of Pop“ starb kurz darauf.

Am Sonntag wird der Film "Dirty Dancing" 30 Jahre alt. Die besten Bilder dazu gibt es hier. (Fotos: Rekord-Film)

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6 Der Soundtrack des Films „Dirty Dancing“ hielt sich sowohl in der BRD als auch in den USA fast zwei Jahre lang in den Charts. Genau genommen waren es 96 Wochen! In beiden Ländern ­erreichte die Platte Platz 1.

7 Dirty Dancing erhielt 1988 einen Academy Award. Allerdings nicht für die schauspielerischen Leistungen, sondern für den besten Film-Song. And the Oscar goes­ to Franke Previte, John Denicola und Donald Markowitz, die die Ballade „(I‘ve had) The Time of My Life“ komponiert hatten. Gesungen wurde sie von Bill Medley und Jennifer Warnes. Ein Lied, das auch heute auf kaum einer Party fehlt, wenn es romantisch werden soll.

8 Das bekannteste Zitat aus dem Film ist neben „Ich habe eine Wassermelone getragen“ der Satz „Mein Baby gehört zu mir, ist das klar?“ Anders als der Wassermelonen-Spruch ist dieses Zitat auch alltagstauglich – zumindest in festen Beziehungen. Zu verdanken haben wir es einem genialen Übersetzer, denn im Original heißt es „Nobody puts Baby in a corner.“ Niemand stellt Baby in eine Ecke... Ob das Kult geworden wäre?

9 „Dirty Dancing“ geht immer. Die Popularität ist auch 30 Jahre später noch ungebrochen. Als RTL 2 den Film im August dieses Jahres wiederholte, schauten fast 2 Millionen Menschen zu. In der Prime­time gab es an diesem Abend Platz zwei für den Spartensender.

10 Die Dreh­arbeiten ­fanden am Lake Lure­ in North Carolina und in Premboke in Virginia statt, obwohl die Geschichte im Bundesstaat New York spielt. Statt vor der Kulisse der Catskills Mountains ist im Film die ­Silhouette der Appalachen zu sehen.

11 Das Resort, in dem der Film spielt, gibt es wirklich. Statt Kellermann‘s, wie im Film, heißt das Hotel allerdings Mountain Lake Lodge. Es befindet sich in Premboke/Virginia. Eine Übernachtung im Doppelzimmer kostet rund 100 Euro.

12 Wegen des anrüchigen Filmtitels bestanden die Verantwortlichen am Lake Lure darauf, dass die Region im Film nicht sofort wiederzuerkennen ist. Ironie der Geschichte: Heute gibt es am Lake Lure ein jährliches „Dirty-Dancing-Festival“ mit Wassermelonen-Rennen und „Hebefiguren-Contest“.

13 Jennifer Grey ließ sich Anfang der 1990er ­ihre leicht gekrümmte Nase richten, um sich dem gängigen Schönheitsideal anzupassen – ­danach bekam sie aber kaum noch Rollen. In einem Interview sagte sie: „Ich bin als Berühmtheit in den Operationssaal gegangen – und als Nobody herausgekommen.“

14 Dirty Dancing war nicht der einzige Film, in dem Patrick Swayze und Jennifer Grey gemeinsam vor der Kamera standen. 1984 waren sie gemeinsam in dem Propaganda-Film „Die rote Flut“ zu sehen, in dem Russland, Nicaragua und Kuba in den USA einmarschieren. In Deutschland löste der Film heftige Proteste von Friedensaktivisten aus. In einigen Städten wurde der Film danach aus den Kinos verbannt.

15 Der Film Dirty Dancing hatte ein Budget von gerade einmal 6 Millionen Dollar. Bis heute hat er mehr als 215 Millionen Dollar eingespielt.

16 Für die Hebefigur im See wurde unter Wasser eine Plattform errichtet, damit Patrick Swayze seine Tanzpartnerin aus dem Wasser heben konnte.

17 Von dieser Szene existieren keine Nahaufnahmen – angeblich, weil die Lippen aufgrund der Kälte im Oktober blau waren. Das Wasser soll unter 10 Grad Celsius kalt gewesen sein.

18 Das Drehbuch hat Eleanor Bergstein geschrieben. Sie stammt, wie auch die Filmfigur Frances Houseman, aus einer jüdischen Familie und hatte als Jugendliche ebenfalls in Resorts der Catskill Mountains Urlaub gemacht und dort Tanzkurse besucht. Ihr Spitzname als Kind war „Baby“.

19 In der Fortsetzung  „Dirty Dancing 2“ aus dem Jahr 2004 hat Patrick Swayze einen kurzen Gastauftritt, passenderweise als Tanzlehrer. Der Film hat mit dem Original, außer dem Titel, aber nichts gemein, konnte an den großen Erfolg von 1987 nicht anknüpfen.

20 Einzug in die Alltagssprache hat das Zitat „Das ist mein Tanzbereich und das ist dein Tanzbereich“ gefunden. Im Film bringt Johnny (Patrick Swayze) Baby damit die richtige Distanz beim Tanzen bei. Es steht im übertragenen Sinne für eine klare Kompetenz- beziehungsweise Aufgaben-Teilung. In der deutschen Synchronisation des Wortes „Dance-Space“ heißt es allerdings nicht Tanzbereich, sondern Tanzabstand.

21 Patrick Swayze ist im Film auch als Sänger zu hören. Gemeinsam mit Wendy Fraser schaffte er es mit „She‘s like the Wind“ sogar auf Platz 3 der US-Charts.

22 Im Ranking der erfolgreichsten Kinofilme Deutschlands landet Dirty Dancing auf Platz 23 mit 8,8 Millionen Kino-Besuchern – direkt vor „Otto – der Film“ von 1984.

23 Eine beliebte Alternative für den klassischen Hochzeitstanz ist die Adaption des letzten Tanzes aus dem Film. Dabei versuchen Braut und Bräutigam dem Original so nahe wie möglich zu kommen, in den meisten Fällen ist das keine gute Idee, wie zahlreiche Videos auf You­tube zeigen.

24 Mit diesen Worten beginnt der Film: „Es war Sommer 63. Alle nannten mich Baby, irgendwie hat mir das gefallen. Es war, bevor Präsident Kennedy ermordet wurde, bevor es die Beatles gab (Anm. der Redaktion: was nicht stimmt. Die Beatles gründeten sich 1960), und als ich nicht abwarten konnte, der Friedensbewegung anzugehören. Das war der Sommer, in dem ich dachte, dass ich nie einen Jungen finden würde, der so toll ist wie mein Dad.“

25 Nicht verlernt: Jennifer Grey gewann 2010 mit ihrem Tanzpartner Derek Hough die amerikanische TV-Show „Dancing with the Stars“.

26 Die Tanzschulen verzeichneten nach Erscheinen des Films eine große Nachfrage von Teenagern nach Tanzkursen – insbesondere nach Mambo und Salsa.

27 Dabei wäre der Film 1987 fast gar nicht in die deutschen Kinos gekommen, nachdem die großen Filmverleiher bei Dirty­ Dancing abgewunken haben. Nur der kleine Apollo-Filmverleih hatte Interesse, produzierte­ aber zunächst nur die damals sehr teuren 50 Kopien. Erst nach dem durchschlagenden Erfolg wurden alle deutschen Städte versorgt.

28 Mehr als 16 Millionen Menschen haben­ die offizielle Dirty-Dancing-Seite auf Facebook abonniert.

29 Im Jahr 2014 legten Profi-Tänzer vor dem Kölner Dom eine spontane Tanzeinlage zu „Time of my Life“ aufs Parkett an der Domplatte. An dem sogenannten Flashmob nahmen nach und nach auch immer mehr Passanten teil.

30 Jennifer Grey spielt aktuell in der Amazon-Serie „Red Oaks“ die Judy Meyers, die Mutter von Serien-Held Craig Roberts. Die Coming-of-Age-Reihe spielt in den 1980er-Jahren – in einem Tennisclub. Es geht um Liebe, Veränderung, Träume, Standesdünkel aus Sicht der jugendlichen Crew, die immer in den Sommerferien in Red Oaks zusammenkommt, um den Clubmitgliedern eine heile Welt vorzuspielen. Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor.

  • Das Cineplex Marburg zeigt „Dirty Dancing“ am Sonntag, 8. Oktober, um 20 Uhr.

von Jan Schmitz

Hintergrund

Für die Tanzschulen gibt es ­eine Zeit vor „Dirty Dancing“ und eine  danach. Der Marburger Jörg Henselinghatte ein paar Jahre zuvor seine Tanzlehrer-Ausbildung abgeschlossen. Als der  Film 1987 ins ­Kino kam, war er Vorsitzender der Tanzsportgemeinschaft Marburg und half zwischendurch immer mal wieder in der Tanzschule Seidel in Marburg aus.

Er bekam hautnah mit, was sich durch den Film veränderte. „Dirty Dancing hat einen unheimlichen Hype ausgelöst, das hielt fast drei Jahre an. Die Leute waren verrückt nach Mambo-Kursen“, erinnert sich Henseling, der seit 1991 seine eigene Tanzschule in Marburg führt. Nachhaltig präsent sind ihm auch noch die Paare, die im nicht allzu tiefen Wasser des Marburger Freibads die Hebefiguren übten.

Das riesige Interesse stellte die Tanzlehrer vor einige Herausforderungen, denn es gab keinen Lehrplan für Mambo oder Salsa. Alle Tanzlehrer suchten damals eigene kreative Lösungen, entwickelten neue Elemente, die häufig der Rumba entlehnt waren. „Die Tanzlehrer aus Hessen haben sich nur wegen des Films getroffen und sich ausgetauscht. Bis heute gibt es keine allein gültige Salsa-Technik“, sagt Henseling.

Sieben Mal hat er den Film schon gesehen. „Dirty Dancing“ ist auch heute noch aktuell. Allein in diesem Jahr choreographierte Henseling für acht Paare den Hochzeitstanz zum Titelsong „Time of my Life“. „Dabei waren viele der Brautpaare noch gar nicht auf der Welt, als der Film `rauskam“, wundert sich der Marburger Tanzlehrer. Er kenne aber sogar Paare, die sich durch den Song kennengelernt haben. Henseling: „Das, was Dirty Dancing ausgelöst hat, hat danach kein Tanzfilm mehr geschafft.“ Für die Tanzschulen, aber auch für Hochzeiten.

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