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Marburg „25 Jahre Unfug auf Weltniveau“
Marburg „25 Jahre Unfug auf Weltniveau“
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06:16 30.04.2012
Jörg von Bebber (von links), Lars-Arne Schupp, Frank Düllmann und Alex Bickel gehören zum großen Trauma-Team. Quelle: Uwe Badouin
Marburg

Gerade mal sieben Jahre ist der letzte Umzug her - vom alten Strahlenbunker auf dem Gelände des Finanzamts in der Robert-Koch-Straße in die schmucke neue Heimat auf den Afföllerwiesen. Das Trauma hat sich eindeutig verbessert: Es gibt die Baari-Bar, ein kleines Kino und einen mehr als akzeptablen Konzertsaal mit Theke und professionellen DJ-Plattentellern. Sogar einen Biergarten gibt es jetzt, mit Blumen, mit Bäumen und einem Rasen. Alles selbst gepflanzt

Mittlerweile geht es dem Trauma richtig gut auf dem Gelände in unmittelbarer Nachbarschaft zum modernen Theater von german stage service. „Es läuft ausgezeichnet, so könnte es weiter gehen“, sagt Frank Düllmann, der im selbstverwalteten und basisdemokratisch orientierten Trauma das Büro macht.

Das sah direkt nach dem Umzug noch anders aus. Zwar waren die Räume deutlich größer und moderner, für die Trauma-Fans war das neue Zentrum „gefühlt aber ganz weit weg“. Donner-s-dance brach ein, es gab Ärger mit aggressiven Besuchern und dann stand plötzlich auch noch ein Schuldenberg von gut 30.000 Euro in den Büchern.

„Der ist abgearbeitet, wir sind schuldenfrei“, sagt Düllmann, die existenzielle Krise aus den Jahren 2006 bis 2008 ist gemeistert.

Das Trauma ist das zweitälteste der drei soziokulturellen Zentren der Stadt, gegründet nach dem KFZ und noch vor der Waggonhalle. Sie alle drei prägen die Kulturszene der Stadt, jedes Zentrum mit einem eigenen Profil. Das Trauma stehe für „Mitmachkultur“, sagen die Programmmacher: Gut 100 Ehrenamtliche arbeiten derzeit in verschiedenen Teams am Kulturangebot, das jährlich von rund 25.000 Menschen wahrgenommen wird. Es gibt Kinogruppen, Konzertgruppen und Spektrum. Diese Gruppe ist recht neu und verbindet, wie Lars-Arne Schupp erklärt, Musik mit Kunst und Literatur.

„Es gibt viele Kulturinteressierte, die etwas auf die Beine stellen wollen“, meint Düllmann. Damit verbunden ist ein enormer Wandel etwa bei den Mitarbeitern: Hunderte sind es seit der Gründung gewesen, meist Studierende, die auf Zeit in Marburg sind und im Trauma einen hierarchiefreien Raum für ihre eigenen Vorstellungen entdeckten. Der Wandel ist Fluch und Segen zugleich.

„Kultur von und für alle“, heißt das Motto des Zentrums, das in 25 Jahren mit über 5000 Veranstaltungen einen langen Weg von einem psycho-sozialen zu einem Kultur-Zentrum gegangen ist.

Das Ganze war und ist für die Stadt ziemlich preiswert: 50.000 Euro überweist sie jährlich an das Trauma, 12.000 kommen vom Land. Den großen Rest erwirtschaftet das Trauma selbst - und das „ohne irgendwelche Chefs“. Grund, drei Tage lang vom 4. bis 6. Mai selbstbewusst unter dem Titel „25 Jahre Unfug auf Weltniveau“ zu feiern.

von Uwe Badouin